ist recht eigentlich das , was ich das Schmidtsche nenne . Folgst du ? « » Gewiß , Onkel . Sprich nur weiter . « » Nun sieh , Marcell , ihr paßt ganz vorzüglich zusammen . Sie hat die genialere Natur , hat so den letzten Knips von der Sache weg , aber das gibt keineswegs das Übergewicht im Leben . Fast im Gegenteil . Die Genialen bleiben immer halbe Kinder , in Eitelkeit befangen , und verlassen sich immer auf Intuition und bon sens und Sentiment , und wie all die französischen Worte heißen mögen . Oder wir können auch auf gut deutsch sagen , sie verlassen sich auf ihre guten Einfälle . Damit ist es nun aber soso ; manchmal wetterleuchtet es freilich eine halbe Stunde lang oder auch noch länger , gewiß , das kommt vor ; aber mit einem Mal ist das Elektrische wie verblitzt , und nun bleibt nicht bloß der Esprit aus wie Röhrwasser , sondern auch der gesunde Menschenverstand . Ja , der erst recht . Und so ist es auch mit Corinna . Sie bedarf einer verständigen Leitung , das heißt sie bedarf eines Mannes von Bildung und Charakter . Das bist du , das hast du . Du hast also meinen Segen ; alles andere mußt du dir selber besorgen . « » Ja , Onkel , das sagst du immer . Aber wie soll ich das anfangen ? Eine lichterlohe Leidenschaft kann ich in ihr nicht entzünden . Vielleicht ist sie solcher Leidenschaft nicht einmal fähig ; aber wenn auch , wie soll ein Vetter seine Cousine zur Leidenschaft anstacheln ? Das kommt gar nicht vor . Die Leidenschaft ist etwas Plötzliches , und wenn man von seinem fünften Jahr an immer zusammen gespielt und sich , sagen wir , hinter den Sauerkrauttonnen eines Budikers oder in einem Torf- und Holzkeller unzählige Male stundenlang versteckt hat , immer gemeinschaftlich und immer glückselig , daß Richard oder Arthur , trotzdem sie dicht um einen herum waren , einen doch nicht finden konnten , ja , Onkel , da ist von Plötzlichkeit , dieser Vorbedingung der Leidenschaft , keine Rede mehr . « Schmidt lachte . » Das hast du gut gesagt , Marcell , eigentlich über deine Mittel . Aber es steigert nur meine Liebe zu dir . Das Schmidtsche steckt doch auch in dir und ist nur unter dem steifen Wedderkoppschen etwas vergraben . Und das kann ich dir sagen , wenn du diesen Ton Corinna gegenüber festhältst , dann bist du durch , dann hast du sie sicher . « » Ach , Onkel , glaube doch das nicht . Du verkennst Corinna . Nach der einen Seite hin kennst du sie ganz genau , aber nach der anderen Seite hin kennst du sie gar nicht . Alles , was klug und tüchtig und , vor allem , was espritvoll an ihr ist , das siehst du mit beiden Augen , aber was äußerlich und modern an ihr ist , das siehst du nicht . Ich kann nicht sagen , daß sie jene niedrigstehende Gefallsucht hat , die jeden erobern will , er sei wer er sei ; von dieser Koketterie hat sie nichts . Aber sie nimmt sich erbarmungslos einen aufs Korn , einen , an dessen Spezialeroberung ihr gelegen ist , und du glaubst gar nicht , mit welcher grausamen Konsequenz , mit welcher infernalen Virtuosität sie dies von ihr erwählte Opfer in ihre Fäden einzuspinnen weiß . « » Meinst du ? « » Ja , Onkel . Heute bei Treibels hatten wir wieder ein Musterbeispiel davon . Sie saß zwischen Leopold Treibel und einem Engländer , dessen Namen sie dir ja schon genannt hat , einen Mister Nelson , der , wie die meisten Engländer aus guten Häusern , einen gewissen Naivitäts-Charme hatte , sonst aber herzlich wenig bedeutete . Nun hättest du Corinna sehen sollen . Sie beschäftigte sich anscheinend mit niemand anderem als diesem Sohn Albions , und es gelang ihr auch , ihn in Staunen zu setzen . Aber glaube nur ja nicht , daß ihr an dem flachsblonden Mister Nelson im geringsten gelegen gewesen wäre ; gelegen war ihr bloß an Leopold Treibel , an den sie kein einziges Wort , oder wenigstens nicht viele , direkt richtete und dem zu Ehren sie doch eine Art von französischen Proverbe aufführte , kleine Komödie , dramatische Szene . Und wie ich dir versichern kann , Onkel , mit vollständigstem Erfolg . Dieser unglückliche Leopold hängt schon lange an ihren Lippen und saugt das süße Gift ein , aber so wie heute habe ich ihn doch noch nicht gesehen . Er war von Kopf bis zu Fuß die helle Bewunderung , und jede Miene schien ausdrücken zu wollen : Ach , wie langweilig ist Helene ( das ist , wie du dich vielleicht erinnerst , die Frau seines Bruders ) , und wie wundervoll ist diese Corinna . « » Nun gut , Marcell , aber das alles kann ich so schlimm nicht finden . Warum soll sie nicht ihren Nachbar zur Rechten unterhalten , um auf ihren Nachbar zur Linken einen Eindruck zu machen ? Das kommt alle Tage vor , das sind so kleine Capricen , an denen die Frauennatur reich ist . « » Du nennst es Capricen , Onkel . Ja , wenn die Dinge so lägen ! Es liegt aber anders . Alles ist Berechnung : sie will den Leopold heiraten . « » Unsinn , Leopold ist ein Junge . « » Nein , er ist fünfundzwanzig , gerade so alt wie Corinna selbst . Aber wenn er auch noch ein bloßer Junge wäre , Corinna hat sich ' s in den Kopf gesetzt und wird es durchführen . « » Nicht möglich . « » Doch , doch . Und nicht bloß möglich , sondern ganz gewiß . Sie hat es mir , als ich sie zur Rede stellte , selber gesagt . Sie will