, wie draußen die alte Walter ihre Tochter abkanzelte , er hatte sich angestrengt , ihre Worte zu vernehmen , aber von dem langen derben Gerede war nichts in seinem Kopfe haftengeblieben als die sechs Wochen . » So lang ! « seufzte er , » sechs Wochen hab ich sie nicht gesehen . Weiß sie denn nicht , wie elend es mir geht ? « Sie wußte es wohl , daß er krank dalag ; ein leichter Schlaganfall , das sei vom Trinken gekommen , sagte der Arzt , bei dem Madame Margot anfragen ließ . Die Weiber in der Blauen Gans fanden auch diese Krankheit natürlich und stellten sie ihren Männern als abschreckendes Beispiel hin . Der Leopold war eben an jenem Unglückstage bis nach Mitternacht droben in der verschrienen Kneipe gewesen , hatte getrunken , und die Strohschneider-Marie hatte ihn um den Hals gehabt ; das hat die Laternenanzünderin , die nach ihrem Mann auf die Suche ging , durch das Wirtshausfenster alles erspäht . » Der Einarmige hat auch meinen armen Mann unter das Gesindel geschleppt « , schluchzte sie , sobald auf dieses Ereignis hingewiesen wurde . » Na ja , daß einen da unser Herrgott straft , daß einen wenigstens der Schlag trifft , ist doch ganz natürlich « , sagte gewichtig die Frau Walter . Somit war das Unglück des Weis Leopold zurechtgelegt und der Lene ein Stein in das Brett geschoben . Am Anfang der Krankheit hatte noch hie und da eine der Frauen die Hanne auf einige Stunden vom Nachtwachen abgelöst , als aber das Kind ganz außer Gefahr war , hatten sie die Pflege des Vaters dem jungen Mädchen allein überlassen , und je mehr sich die gute Stimmung der Lene zuwandte , desto weniger kümmerten sich die Nachbarinnen um die Krankenstube , an welcher sie tagsüber doch so oft vorbeigehen mußten . Alles das währte nun gerade sechs Wochen . » Also sechs Wochen ! « sagte der Leopold sehr laut , als die Hanne in die Stube trat , » das ist recht lang ... Hast du die ganze Zeit nichts von ... von meinem Weib gehört ? « » Gar nichts « , erwiderte das Mädchen und setzte sich verstört an das Fenster . » Bist müd ? Ich glaub es dir . « In dem Gesichte des Kranken begannen die Muskeln zu zucken . » Du , Lene ! ... ah ! Hanne wollt ich sagen , deine Alte kann wild sein ... morgen steh ich auf ... morgen . « Die Hanne wendete sich erschrocken um und murmelte etwas , dann erhob sie sich und sagte langsam : » Das muß dir erst der Herr Doktor erlauben . « » Ich halte es aber so nimmermehr aus , ich muß schauen , daß ich wieder zu meinem Straßendienst komme ... sechs Wochen ! ... Du , da wird bald Schmalhans der Kuchelmeister . « » Es reicht schon noch eine Weile mit deinem Ersparten « , sagte das Mädchen verlegen . » Freilich , das Geld hat sie uns ja im Haus gelassen . So viel Ehre hat sie doch gehabt . « » Lepold ! Kannst du sie denn keinen Augenblick vergessen , denkst du denn alleweil und alleweil nur an die Davongelaufene ? « frug die Hanne mit zitternder Stimme . » Aufgeschaut ! ... sie ist eine ehrbare Frau , hat der Herr Advokat gesagt . Mußt niemals so eine ehrbare Frau werden , Mädel ! « » Ich ! - Dummes Zeug ! « Die Hanne drehte sich jäh um und nahm wieder ihre Arbeit auf ; nach einer Weile pochte der blanke Fingerhut gleichmäßig und flink an die flimmernde Metallplatte . Seit kurzer Zeit konnte es der Leopold schon ertragen , daß sie in der Stube nähte , früher war sie draußen in der Küche gesessen , recht nahe an der Türe , die nach dem Hofe führte , so daß ein schwacher Lichtschein durch das Guckloch gerade auf ihre Maschine fiel . Das war ein mühseliges Arbeiten gewesen , und mit geschwächten Augen schaute sie jetzt auf das scharfglänzende Arbeitszeug . » Es hilft alles nichts , ich muß morgen aufstehen . Mußt mich halt auf die Strecke führen , wenn ich nicht allein gehen kann « , begann der Kranke und ließ seine abgemagerten Füße über den Bettrand hängen . Langsam versuchte er alsdann , den Körper nachzuschieben , und dazwischen lachte er und machte sich lustig über seine Schwäche . Die Hanne schaute nicht nach ihm um , die Späße , die er machte , taten ihr weh ; sie verstand die Bitterkeit dieser Selbstbespöttelei nicht , sie dachte nur , wie kann so ein kranker unglücklicher Mensch lustig sein ? Manchmal schon wäre sie selbst gerne aus seiner Stube gelaufen , hinüber in ihre stille Kammer . Es war ihr oft , als ob sie da ersticken müßte in der Nähe des fieberhaften Mannes , aber was sollte dann aus dem Kinde und aus ihm werden ? Auch jetzt war wieder die schmerzliche , quälende Ungeduld über sie gekommen , zum ersten Male im Leben hatte sie das Gefühl , als müsse sie sich mit einem starken Handgriff selbst herausreißen und etwas , was auf ihren Schultern , auf ihrer Brust lag , abschütteln . - Und doch , hatte sich andererseits nicht ein Lebenswunsch erfüllt , hatte sie nicht alle die Jahre hindurch gewartet und gewartet , daß eine Stunde komme , wo sie für den Leopold etwas tun könne , was ihm Freude machte ? Waren nicht alle ihre Gedanken , Träume und Hoffnungen von Kinderzeit her immer und immer herübergeflogen und wie verscheuchte Schwalben um das Fenster geirrt , an dem sie jetzt saß , da er niemand auf der Welt hatte als sie ? Draußen im Hofe zischelten und keiften die Leute miteinander und schielten von der Seite nach ihr hin . » Wo anpacken ? « fragte sie sich . Wenn