de Meza steckt in Flanell , weil er immer friert , aber sein fröstelnder Zustand hat ihn nicht abgehalten , bei Fridericia Anno 49 sehr viel und bei Idstedt , das Jahr darauf , eigentlich alles zu tun . Ich für meine Person bezweifle nicht , daß Napoleon geradesogut nach dem Thermometer gesehen hat wie andere Menschen ; in Rußland war es freilich unnötig . Übrigens seh ich , daß man drüben in der Offiziersecke wieder beim Zeitungslesen ist und das Streiten uns überläßt . Ob wir hinübergehen und de Meza begrüßen ? « » Ich denke , wir lassen es « , sagte Holk . » Er könnte nach diesem und jenem fragen , worauf ich gerade heute nicht antworten möchte . Nicht de Mezas wegen bin ich ängstlich , der jede Meinung respektiert , aber der andern Herrn halber , unter denen , nach meiner freilich schwachen Personalkenntnis , einige Durchgänger sind . So , wenn ich recht sehe , Oberstlieutenant Tersling , da links am Fenster . Und dann denk ich auch an unsre Prinzessin , der als einer politischen Dame alles gleich zugetragen wird . Ich bange ohnehin vor dem Kreuzverhör , dem ich morgen oder in den nächsten Tagen ausgesetzt sein werde . « Pentz lachte . » Lieber Holk , Sie kennen doch hoffentlich die Frauen ... « Erichsen machte schelmische Augen , weil er wußte , daß Pentz , trotz seines Glaubens , er kenne sie , sie sicherlich nicht kannte . » ... Die Frauen , sag ich . Und wenn nicht die Frauen , so doch die Prinzessinnen , und wenn nicht die Prinzessinnen , so doch unsre Prinzessin . Sie haben ganz recht , es ist eine politische Dame , und mit einem schleswig-holsteinschen Programm dürfen Sie ihr nicht kommen . Darin ist nichts geändert , aber auch nichts verschlimmert , weil sie , trotz aller Politikmacherei , nach wie vor ganz ancien régime ist . « » Zugegeben . Aber was soll ich für meine Person daraus gewinnen ? « » Alles . Und ich wundre mich , daß ich Sie darüber erst aufklären muß . Was heißt ancien régime ? Die Leute des ancien régime waren auch politisch , aber sie machten alles aus dem Sentiment heraus , die Frauen gewiß , und vielleicht war es das Richtige . Jedenfalls war es das Amüsantere . Da haben Sie das Wort , auf das es ankommt . Denn das Amüsante , was in der Politik wenigstens immer gleichbedeutend ist mit Chronique scandaleuse , spielte damals die Hauptrolle , wie ' s bei unsrer Prinzessin noch heute der Fall , und wenn Sie sich vor einem politischen Kreuzverhör fürchten , so brauchen Sie nur von Berling oder der Danner oder von Blixen-Finecke zu sprechen und nur anzudeuten , was in Skodsborg oder in der Villa der guten Frau Rasmussen an Schäfer- und Satyrspielen gespielt worden ist , so fällt jedes politische Gespräch sofort zu Boden , und Sie sind aus der Zwickmühle heraus . Hab ich recht , Erichsen ? « Erichsen bestätigte . » Ja , meine Herren « , lachte Holk , » ich will das alles gelten lassen , aber ich kann leider nicht zugeben , daß meine Situation dadurch sonderlich gebessert wird . Die Schwierigkeiten lösen sich bloß ab . Was mich vor dem politischen Gespräch bewahren soll , ist fast noch schwieriger als das politische Gespräch selber . Wenigstens für mich . Sie vergessen , daß ich kein Eingeweihter bin und daß ich Ihr Kopenhagener Leben , trotz gelegentlicher Aufenthalte , doch eigentlich nur ganz oberflächlich aus Dagbladet oder Flyveposten kennenlerne . Die Danner und Berling oder die Danner und Blixen-Finecke - davon soll ich mit einem Male sprechen ; aber was weiß ich davon ? Nichts , gar nichts ; nichts , als was ich dem neusten Witzblatt entnommen , und das weiß die Prinzessin auch , denn sie liest ja Witzblätter und Zeitungen bis in die Nacht hinein . Ich habe nichts als die Witwe Hansen , die mir doch als Bezugsquelle nicht ausreicht . « » Ganz mit Unrecht , Holk . Da haben Sie keine richtige Vorstellung von der Witwe Hansen und ihrer Tochter . Die sind ein Nachschlagebuch für alle Kopenhagner Geschichten . Wo sie ' s hernehmen , ist ein süßes Geheimnis . Einige sprechen von Dionysosohren , andere von einem unterirdischen Gange , noch andere von einem Hansenschen Teleskop , das alles , was sich gewöhnlichen Sterblichen verbirgt , aus seiner Verborgenheit herauszuholen weiß . Und endlich noch andere sprechen von einem Polizeichef . Mir die verständlichste der Annahmen . Aber ob es nun das eine sei oder das andere , soviel ist gewiß , beide Frauen , oder auch Damen , wenn Sie wollen , denn ihr Rang ist schwer festzustellen , wissen alles , und wenn Sie jeden Morgen mit einer Frau Hansenschen Ausrüstung zum Dienst erscheinen , so verbürg ich mich , daß Sie gefeit sind gegen intrikate politische Gespräche . Die Hansens , und speziell die junge , wissen mehr von der Gräfin Danner als die Danner selbst . Denn Polizeibeamte haben auf diesem interessanten Gebiete sozusagen etwas Divinatorisches oder Dichterisches , und wenn nichts vorliegt , so wird was erfunden . « » Aber da lerne ich ja meine gute Frau Hansen von einer ganz neuen Seite kennen . Ich vermutete höchste Respektabilität ... « » Ist auch da in gewissem Sinne ... Wo kein Kläger ist , ist kein Richter ... « » Und ich werde mich , unter diesen Umständen , zu besondrer Vorsicht bequemen müssen ... « » Wovon ich Ihnen durchaus abreden möchte . Die Nachteile davon liegen obenauf , und die Vorteile sind mehr als fraglich . Sie können in diesem Hause nichts verbergen , selbst wenn Ihr Charakter das zuließe ; die Hansens lesen Ihnen doch alles aus der Seele heraus , und das Beste , was ich Ihnen raten kann , heißt Freiheit und Unbefangenheit und