gegangen , kommt aber mit der ganzen Familie heute nachmittag her . Zur Feier Ihrer Ankunft muß unser kleiner Kreis sich doch vereinen , « sagte Fanny . Adrienne wurde rot . Der Gedanke , daß Joachim mit dem jungen Doktor Magnus Hesselbarth bekannt werden würde , sich vielleicht gar mit ihm befreunden könne , war ihr seltsam unbehaglich . Während des Speisens mußte Joachim von dem Gut und der Familie erzählen , wo er bisher als Oekonomievolontär gelebt . Er that es mit heiterem Freimut . Fanny neckte ihn sogar ein wenig mit der » kleinen Elly « , die in seinem Brief eine so große Rolle gespielt habe , und Lanzenau schenkte ihm allemal sein Glas voll , wenn er es leergetrunken . Es war eine Art zärtlicher Protektion , mit der ihn alle hier behandelten . Joachim empfand es angenehm , aber nicht auffallend ; er war es eben gewöhnt , daß alle Welt herzlich und fröhlich mit ihm verkehrte . Gott mochte wissen , woher das kam ; er war innerlichst davon überzeugt , soweit ein ganz ehrenhafter , braver Junge zu sein , aber was Bedeutendes hatte er nie geleistet noch an sich gehabt , noch würde er je dergleichen vollbringen . So war ' s denn seine Pflicht , allen Menschen für das gütige Entgegenkommen durch ein möglichst lustiges und bescheidenes Wesen zu danken . » Ein zu lieber , netter junger Mensch , « sagte Fanny nach Tisch vergnügt zu Lanzenau . » Ja , er ist das , was man einen liebenswürdigen Jungen nennt . Eins von den Sonntagskindern , die einem das Herz erfreuen schon durch ihr bloßes Dasein , « meinte Lanzenau . Als Fanny dann in ihrem Arbeitszimmer mit den Dorfbewohnern - davon täglich der eine oder die andere erschien - deren Weh und Ach überlegte und verbesserte , war es ihr eine angenehme Empfindung , nebenan jemand rumoren und pfeifen zu hören . Joachim packte seine eben angekommenen Sachen aus . Als er damit fertig war , klopfte er an und trat von seiner Wohnstube aus ein . » Wir haben , meine gnädigste Frau , « begann er , » mein Hieherkommen durch einen Depeschenwechsel abgemacht . Vielleicht haben Sie selbst schon daran gedacht , daß es doch noch einige Punkte zu erledigen gibt , deren wichtigster wohl der ist , den Umfang meiner Thätigkeit zu bestimmen . « Fanny , die eben den letzten Bittsteller entlassen , drehte sich auf ihrem Stuhl Joachim zu , steckte die Feder hinter das Ohr , trommelte mit den Fingern der Rechten auf den Tisch , während sie die Linke in ihrem Schoß ruhen ließ , und sagte eifrig : » Natürlich , natürlich . Auch Ihr Gehalt ... « » Bitte , das ist vorerst nebensächlich . Das sag ' ich aber nicht , weil ich in lächerlichem Hochmut es peinlich empfände , vom Geld als dem Lohn meiner Arbeit zu sprechen , sondern weil die Arbeit selbst mir meiner Lage nach zunächst das Wichtigste ist . Was mir notthut , um meine Laufbahn gut zu beginnen , ist ein großes und verantwortliches Thätigkeitsfeld . Wenn Sie mir dies nicht anweisen können , Frau Förster , so wäre mein Hiersein herzlich überflüssig . Ich bin gekommen , gleich und freudig , weil ich mir dachte , wenn Sie mir nicht schaffen können , was ich fordern muß , so werden Sie Adriennens Schwager gewiß ein paar Wochen als Gast behalten , bis er eine Stellung gefunden . Mich bei Ihnen , verehrte Frau , in einer Zwitterstellung als Gast und Verwandter einerseits und Gutsinspektor andererseits auf die faule Seite zu legen , wäre eine - eine - ja , eine Unanständigkeit , die ich weder vor Arnold noch vor mir selbst verantworten könnte . « Fanny sah mit ihren großen , klugen Augen in sein Gesicht , das in diesem Augenblick von männlichem Stolz durchleuchtet war . » Ich habe vor wenig Tagen meinen Verwalter von Driesa entlassen müssen , weil jener sich ein Gütchen im Mecklenburgischen gepachtet . Anstatt wieder für Driesa jemand zu suchen , ist Lanzenau hinübergesiedelt , ich reite jeden Morgen dahin . Sie , mein lieber Joachim , sollen alleiniger Administrator von Mittelbach sein , « sagte Fanny herzlich . » Sie werden eine Ueberfülle von Obliegenheiten finden . Daß Sie , wenn dieselben erledigt sind , als Familienmitglied sich in meinem Heim zu Hause fühlen mögen , ist natürlich mein Wunsch . « » Weshalb haben Sie mir nicht Driesa zugewiesen ? « fragte Joachim . » Es wäre bequemer für Sie gewesen . « » Gewiß - ja , « sagte Fanny etwas befangen . » Aber da Lanzenau früher Eigentümer von Driesa war und noch sein Vermögen darin stehen hat , so werden Sie begreifen - daß ein besonderes Interesse Lanzenaus ... « Sie stockte . Das Lügen ging ihr nicht von der Zunge . Joachim war zufrieden . Als alleiniger Verwalter des großen Gutes fühlte er sich vollkommen beruhigt wegen seiner Stellung . Fanny nannte ihm die Summe , die sie sich als seinen Gehalt gedacht . Diese war durchaus in den Grenzen der für solche Stellung natürlichen Besoldung . Als Joachim in der ersten Sekunde über die Höhe derselben erschrecken wollte , erinnerte er sich in der zweiten , daß sein Freund Soundso , der das Gut des Grafen Soundso verwaltete , einen ähnlichen Gehalt bekomme . Die bei einer Frau so seltene Unbefangenheit , mit der Fanny auch diesen Punkt erläuterte , berührte ihn sehr angenehm . Wahrlich , es schien , als stehe sie allezeit über den Dingen . » Es fährt ein Wagen in den Hof , « bemerkte Joachim , zum Fenster hinsehend . » Der Jagdwagen des Grafen Taiß ! « rief Fanny und sprang auf . Geschwind schloß sie Bücher und Geldnapf in die Schublade ihres Schreibtisches , aber noch ehe sie damit zu Ende war , öffnete der Diener schon die Thür