Gottes willen , wer wird ' s nicht mehr lang machen ? ... Der Bürgermeister ... Pavel besann sich plötzlich , daß er dem Manne jüngst begegnet war und ihn erst nicht erkannt hatte , weil er so verändert ausgesehen ... Der Bürgermeister ist krank und wird sterben , und dann ist Peter sein eigener Herr und kann die Vinska heimführen ... wenn er will ... Die Bauern schritten dem Wirtshaus zu , Pavel folgte ihnen , ihren Reden lauschend , aber nicht fähig , eine Silbe zu unterscheiden . Ein heftiges Hämmern und Brausen in seinem Kopf übertönte den von außen kommenden Schall . Der Gedanke , der ihn einen Augenblick rasend gemacht , hatte seine Schrecken verloren vor einem anderen , nicht minder peinlichen , aber viel ungeheuerlicheren , weil er das Unmögliche als möglich erscheinen ließ und ihm die Gehaßte , die Geliebte zeigte vor dem Altar , im Brautkranz , der ihr nicht mehr gebührte . Ein unleidlicher Schmerz ergriff ihn , und dem tobenden Kampf in seiner Seele entstieg der zornige Wunsch : Wenn sie doch lieber in den Brunnen müßte ! Den vor ihm langsam herschreitenden Männern schlossen sich andere an , die Gruppe blieb eine Weile im schleppenden , wortkargen Gespräch vor der offenen Wirtshaustür stehen und trat dann in die Gaststube . Pavel schlich nach bis in den Flur , weiter wagte er sich nicht . Das Zimmer war überfüllt , doch gab es heute weder Tanz noch Musik ; man spielte Karten , man rauchte , man trank , man zankte . Einige Bursche traktierten ihre Mädchen mit Braten und Wein . An einem Tisch saß Arnost zwischen der Magd und dem Knecht des Herrn Postmeisters bei einem Glase Bier , aus dem die drei abwechselnd tranken . Der schmächtige Häuslerssohn hatte sich in der letzten Zeit tüchtig herausgemacht , sah wohlgenährt aus , war ordentlich gekleidet , befand sich sogar im Besitz einer Tabakspfeife . Vor einem Jahre hatte er das Glück gehabt , seinen liederlichen Vater zu verlieren , seitdem ging es ihm gut ; er erhielt sich und die Mutter von seiner Hände Arbeit und erlaubte der Alten nicht mehr , das Diebshandwerk zu treiben . Als sie es unlängst wieder versuchte und er sie dabei betraf , prügelte er sie erbarmungslos durch und schwor , er werde die alte Katze schon lehren , das Mausen aufzugeben . Mit den Genossen seiner Jugendstreiche ließ er sich nicht mehr ein und hätte den Pavel nicht einmal mit einem Hölzchen anrühren mögen ; doch erwies er ihm hie und da kleine Wohltaten in Erinnerung der vielen Schläge , die jener einst an seiner Stelle einkassiert hatte . Als er den Hirtenjungen hereingucken sah , machte er die anderen auf ihn aufmerksam und meinte , dem Buben sähe doch immer der Hunger aus den Augen . Die kleine Gesellschaft erhob sich , Arnost bezahlte , behielt aber von den Kreuzern , die er auf seine Silbermünze herausbekam , einen in der Hand und schleuderte ihn prahlerisch , noch aus der Mitte des Zimmers , dem Pavel zu . Der fing ihn auf , hielt ihn ein Weilchen in der erhobenen , geschlossenen Hand , öffnete sie aber plötzlich und ließ das Geldstück zu Boden gleiten . Arnost fuhr auf : » Dummer Kerl ! such ihn jetzt , such den Kreuzer . « Pavel aber streckte die Hände in die Taschen : » Such selbst , ich brauch dein Geld nicht , ich hab Geld ! « antwortete er , zog seinen Beutel hervor und schwenkte ihn triumphierend , daß die Silbergulden klapperten . - Geld ! Der Lump , der Bettler hatte Geld ! Da gab ' s nur einen Aufschrei , da wurde die Aufmerksamkeit allgemein , viele Leute verließen ihre Sitze , in der Tür entstand ein Gedränge . Der Knecht packte Pavel am Kragen , schüttelte ihn und wetterte : » Woher hast du ' s ? woher ? Dieb ! « und nun konnte der Junge sich freuen , daß seine Jacke so morsch war und nachgab , als er den Fuß gegen die Beine des Knechtes stemmte und sich mit einem kräftigen Ruck losriß . Einen Fetzen des alten Kleidungsstücks in den Händen seines Bedrängers zurücklassend , schnellte er davon , sprang zur Tür und über die Stufen hinaus in das bergende Dunkel . Kaum entronnen , aber die Verfolger auf den Fersen , rief er noch zurück : » Woher ich ' s hab ? - Gestohlen hab ich ' s ! « und stob davon mit höhnendem Gelächter und , durch ihn selbst auf die richtige Fährte geleitet , eine Schar junger Bursche , Arnost an der Spitze , fluchend und drohend ihm nach . Er rannte die Dorfstraße wieder hinauf bis zu dem Gäßchen , das , von zwei Häusern gebildet , auf den Platz führte , auf dem die Schule stand . In das Gäßchen warf er sich , prallte an den friedlich daherschreitenden Nachtwächter an , fegte den Alten so glatt nieder , daß dieser hinfiel wie ein Armvoll Getreide unter einer scharfen Sense , stolperte selbst , schnellte wieder empor und lief weiter , indes der Nachtwächter durch sein Geschrei die hinter Pavel Herjagenden , die seine Spur schon verloren hatten , wieder auf dieselbe lenkte . Dem Gehetzten blieb eben noch Zeit genug , die Schule zu erreichen . Er fand die Tür unverschlossen , trat ein , schlug sie zu , schob den Riegel vor und polterte die Treppe zur Stube des Lehrers hinauf , indes Arnost und seine Gefährten schon an der Haustür pochten und lärmten . Habrecht saß am Tische mitten im Zimmer , beim Schein einer kleinen hell brennenden Lampe , und las . Er hatte die Ellbogen auf den Tisch und die Wangen auf die geballten Fäuste gestützt , und diese sonst so fahlen Wangen waren gerötet , und die sonst immer so matt und müde blickenden Augen glühten in seltsam schmerzlicher Begeisterung