gar nichts zu wissen als das , was sie ihn soeben gelehrt hatte ; da jubelte die Kleine und wiegte sich in der Wonne ihrer befriedigten Eitelkeit . Sie lachte ihn aus und war dann wieder ein wenig zärtlich mit ihm , um ihn zu trösten . Man mochte ihr gut sein oder nicht , man mochte die Veranlassung zu ihrer Freude billigen oder nicht , das stand fest : sie sprühte von Geist und Lebendigkeit , sie war herzig , sie war fast hübsch in diesen Augenblicken . Und der Graf küßte ihre mageren Händchen - und sie verstanden einander , und sie liebten einander und gehörten zusammen wie der Schatten zum Licht . Er selbstlos und sie selbstsüchtig , er die anbetende Unterwürfigkeit und sie die verkörperte Tyrannei . Wehe dem Dritten , der sich hätte eindrängen wollen in ihren festgefügten Bund . Wehe dem Billigen und Gerechten , der gesucht hätte , ihre schreienden Gegensätze auszugleichen , der dem starren Geiz zugerufen hätte : Gib auch du einmal ! und dem überquellenden Reichtum : Halte Maß ! Ich saß neben ihnen und fühlte mich ihnen so fern , als schwebten sie durch den Weltraum auf einem andern Gestirn . Ich blickte in das schöne , offene Gesicht des Vaters und dachte : Nie wirst du ein Weib lieben wie dieses Kind . Ich sah das Kind an und dachte : Dir den Vater entwenden , hieße die einzige lebendige Empfindung in deiner Seele ertöten . Die Zeit verging . Der Abend des letzten Tages kam heran . Als ich mich mit Anka entfernen wollte , ersuchte mich der Graf zu bleiben . Ich habe mit Ihnen zu sprechen , sagte er und gab dem Doktor ein verabschiedendes Zeichen , das dieser übersah . Allein zu sprechen ! fügte der Graf streng und herrisch hinzu , und dem Alten blieb nichts übrig , als sich , langsam freilich und mit offenbarem Widerstreben , zurückzuziehen . Die Überwachung , der er sich unterworfen sah , hatte den Grafen verstimmt ; wenigstens war der Ton durchaus nicht freundlich , in dem er zu mir sprach : Sie sind meiner Schwiegermutter zu Dank verpflichtet , Fräulein , sie bemüht sich sehr um Sie . Da hat sie Ihnen schon einen vortrefflichen Platz als Erzieherin ausfindig gemacht , im Hause der Herzogin v.P. , einer Österreicherin von Geburt , aber an einen Franzosen verheiratet . Sie lebt in Paris ... Reflektieren Sie auf einen solchen Platz , Fräulein ? Wünschen Sie auszuwandern ? Ich antwortete , daß ich dazu bereit sei , und er rief ungeduldig : Machen Sie ein Ende . Wie lange soll denn die Komödie noch dauern ? Komödie ? wiederholte ich , und der Graf fuhr gereizt fort : Jawohl , Komödie ! Meine Schwiegermutter können Sie über die Gründe täuschen , die Ihnen eine Trennung von Anka wünschenswert machen , aber nicht mich . Ich kenne Sie besser , kenne Sie so gut , daß Sie wohltäten , wahr gegen mich zu sein . Ich bitte also um Aufrichtigkeit : Warum wollen Sie fort ? Weil ich mir bewußt bin , meiner Aufgabe nicht gerecht werden zu können . Es ist zum Lachen ! rief er , erhob sich , trat an das Fenster , und nachdem er eine Weile dort gestanden und in die Nacht hinausgeblickt hatte , kam er zurück , setzte sich mir gegenüber und begann ruhig und ernst : Ich begreife , daß Sie sich dagegen sträuben , einige Zeit in der Nähe meiner Schwiegermutter zuzubringen . Die Gräfin ist Ihnen nicht angenehm , kann es nicht sein . Auch sind Sie der Gefahr ausgesetzt , Stephan bei ihr zu begegnen . Sie tun klug , ein Haus zu meiden , von dem man ihn nicht fernhalten kann . Ich sehe das ein , ich freue mich dessen sogar , ja - daß ich es nur gestehe ! - ich hätte Sie selbst gebeten , für die Dauer meiner Abwesenheit Urlaub zu nehmen , wenn Sie mir nicht zuvorgekommen wären . Ich nahm alle meine Selbstüberwindung und Kraft zusammen , um dem Grafen jetzt zu sagen , daß ich nicht um einen Urlaub , sondern um eine Entlassung ersucht habe . Die bekommen Sie nicht ! ... Ich habe eine wahre Freude gehabt , als ich erfuhr , daß Sie meine Schwiegermutter nicht begleiten wollen , aber Sie verstehen es , mir diese Freude zu vergällen . Sie sind edel und charaktervoll , ich ehre Sie , man muß jedoch nichts übertreiben , nicht einmal die Tugend . Was ist das für ein Opfermut und für eine Lust , sich selbst und andere zu quälen , wenn Sie , nur damit ich Ihren Fluchtversuch nicht vereitle , Ihren Wert in meinen Augen verringern ? Das war nicht meine Absicht , entgegnete ich . Dann hatten Sie unrecht , einen Vorwand zu ersinnen , der diese Folge haben und der mich nebenbei tief verletzen mußte . Ich gab keine Antwort . Ich kämpfte mit meinen Tränen , aber wacker ; denn mir blieb der Sieg ! Kein Verständnis für Anka ? nahm der Graf wieder das Wort . Keine Neigung für Anka ? Sie haben soviel für das Kind getan und behaupten , daß Sie es nicht lieben ? Fragen Sie doch , Herr Graf , ob das Kind mich liebt , sprach ich , mir mit unsagbarer Mühe soviel Atem abringend , als ich brauchte , um meine Stimme vernehmbar zu machen . Ich wählte den mildesten Ausdruck , den ich fand : Wir sind einander gleichgültig . Sie wollen Wahrhaftigkeit von mir - ich gebe sie ... Helene ! rief der Graf . Zum erstenmal nannte er mich Helene ... und so genannt , mit diesem Ausdruck , mit dieser Leidenschaft , dieser Liebe - klang mein eigener Name mir fremd . Helene , ich bat Sie um Wahrhaftigkeit , jetzt möchte ich Sie beinah um eine barmherzige Lüge bitten . Indessen