zuzusehen schien . Agathe erhob sich von ihren Knien , um auf ein kleines Kanapee zu gleiten , in dessen Kissen sie sich zurücklehnte . » Ihren Grund , mein Freund . Reden Sie doch . Sie spannen meine Neugier auf die Folter « , sagte sie , und ein maskiertes Gähnen hob ihre Nasenflügel . » Ich höre von einem Kontrakt mit einem Buchhändler , den Halwig unterschreiben soll « , begann Schweitzer in ruhigem , nachdrücklichem Tone . » Daß Sie auch alles hören müssen ! « warf Agathe dazwischen . » Und will ihn daran hindern « , fuhr Schweitzer fort . » Ich habe den Kontrakt nicht gesehen , aber ich weiß , wer ihn ausgestellt hat , und das ist mir genug . Es kann auch Ihnen genug sein . Glauben Sie mir , gnädige Frau , Sie sind eine so zärtliche Gattin , raten Sie Ihrem Mann , sich doch lieber an einen Sklavenhändler zu verkaufen , er kommt dabei weniger zu Schaden . « » Sie sind einzig , lieber Freund ! Also , nicht gelesen - den Kontrakt ? Da komme ich doch einmal im Leben in die Gelegenheit , Sie zu belehren . Der Verleger , den Sie verabscheuen - der Arme ! - fordert zehn Jahre hindurch alljährlich drei Bände ... Ich erinnere mich jetzt « , schaltete sie ein , zu Lotti gewendet . » Ist das zuviel ? ... Für Hermann , sage ich Ihnen , ist das nichts ... « » Drei Bände ! « rief Schweitzer , » und sie brauchen nicht einmal sehr dick zu sein , wenn sie nur recht viel Skandal enthalten , nur einige Seiten , auf denen das Unsagbare gesagt wird - nur ein einziges Kapitel , das von Dingen handelt ... Dingen - die man in Gegenwart verehrter Frauen - « er sah Lotti fest an und neigte den Kopf , » nicht nennt . « » Da haben Sie den ganzen Schweitzer ! « versetzte Agathe mit ihrem hellsten Lachen und mit der siegreichen Überlegenheit des Gleichmuts über den aufbrausenden Zorn . » Sehen Sie , Fräulein Feßler , wie er mich mißhandelt , mein Freund , mein strenger , grausamer , aber alleraufrichtigster Freund . « Und dabei neigte sie sich vor und blickte ihm von unten hinauf ins Gesicht , lockend , herausfordernd , als wollte sie ihn ganz einhüllen in Bezauberung , sie , die junge , schöne , glänzende Frau , den alternden , schlichten Mann , dessen Züge etwas Steinernes annahmen und der in hartem Tone sprach : » An wem ist Ihnen mehr gelegen ? An diesem aufrichtigen Freund oder an Ihrem blauen Papagei ? « » Keine Gewissensfragen ! Kommen Sie mir jetzt nicht mit Gewissensfragen ! Bleiben wir bei der Stange . Aufrichtig ! wenn ich bitten darf . « Sie wurde ernst und sprach in kaltem und geschäftsmäßigem Tone : » Sie sind gegen die Unterschrift , weil Sie nicht zweifeln , daß uns bald auf andere Art aus der Verlegenheit geholfen wird ... Leugnen Sie doch nicht ! - Unser Prozeß steht gut - er kann nur gut stehen , sagt Hermann , der gewiß kein Sanguiniker ist ... « » Sagt Hermann , daß es mit dem Prozeß gut steht ? - Das sagt er Ihnen ? Warum nicht lieber mir , den es trösten würde ? denn ich sehe schwarz in der Sache , ich halte sie für verloren , und Hermann wäre meiner Meinung , wenn er den Gang der Angelegenheiten verfolgt hätte . Aber dazu hat er keine Zeit . Er hört mich gar nicht an , wenn ich relationieren komme . « » Sie müssen wissen « , fuhr Schweitzer , zu Lotti gewendet , fort , » daß Halwig eine sehr gerechte Forderung an die Enkel eines Gutsbesitzers in Mecklenburg stellt , dem sein Großvater dereinst ein ansehnliches Darlehn gemacht . Die Summe war auf dem Gute intabuliert , es scheinen Interessen davon gezahlt worden zu sein , allein im Testamente des alten Herrn von Halwig blieb sie unerwähnt . Sein Sohn machte wohl sein Recht geltend , jedoch mit wenig Nachdruck , schläfrig und halb , wie er alles zu tun pflegte . Der Mecklenburger war inzwischen in zerrütteten Vermögensverhältnissen gestorben . Seine Kinder legten nicht besonderen Eifer an den Tag , sich der Schulden zu entledigen , die ihr Vater ihnen hinterlassen ... und so vererbten sich Verpflichtung und Forderung auf die Kinder dieser Kinder , und auf den Sohn jenes Sohnes . Ich erspare Ihnen eine juridische Auseinandersetzung , ich sage nur , daß Halwigs Recht so klar ist wie der Tag und daß ich überzeugt war , es zur Geltung bringen zu können , als ich selbst ihn bestimmte , die schon aufgegebene Sache wiederaufzunehmen und mir ihre Führung getrost zu überlassen ... Nun - ich habe vergeblich gerungen . Ich werde dem Rechte nicht zum Sieg verhelfen . Ich erkläre das meinem Klienten , sooft ich ihn sehe . Aber machen Sie einem Menschen etwas begreiflich , was er nicht begreifen will - entwurzeln Sie eine Hoffnung , welche durch die Furcht vor Verzweiflung eingepflanzt worden ist ... « Agathe horchte seinen Worten mit verhaltenem Atem . » Sie selbst « , sagte sie jetzt , » haben die Hoffnung , die Sie ihm nehmen wollen , noch nicht verloren . Jener Brief von Ihrem Abgesandten , den Sie erwarten , kann günstige Nachrichten bringen ... Jenen Brief « , sie blickte ihn forschend an , » erwarteten Sie , wenn ich nicht irre , schon gestern ... Lieber Freund , wenn der Brief fortfährt , auszubleiben - oder wenn er eintrifft , mit schlechten Nachrichten beladen - dann , lieber Freund , dann liebes Fräulein Feßler - « sie ergriff Lottis Hand und hielt sie angstvoll mit ihren Fingern umklammert - , » dann muß Hermann den Kontrakt unterschreiben . - Meinen Eltern muß geholfen werden .