Fenster zum anderen , um zu probieren , ob es nicht aufgemacht werden könne , denn dann mußte man doch etwas anderes sehen als Mauern und Fenster , da mußte doch unten der Erdboden , das grüne Gras und der letzte , schmelzende Schnee an den Abhängen zum Vorschein kommen , und Heidi sehnte sich , das zu sehen . Aber die Fenster blieben fest verschlossen , wie sehr auch das Kind drehte und zog und von unten suchte , die kleinen Finger unter die Rahmen einzutreiben , damit es Kraft hätte , sie aufzudrücken ; es blieb alles eisenfest aufeinander sitzen . Nach langer Zeit , als Heidi einsah , daß alle Anstrengungen nichts halfen , gab es seinen Plan auf und überdachte nun , wie es wäre , wenn es vor das Haus hinausginge und hintenherum , bis es auf den Grasboden käme , denn es erinnerte sich , daß es gestern Abend vorn am Haus nur über Steine gekommen war . Jetzt klopfte es an seiner Tür und unmittelbar darauf steckte Tinette den Kopf herein und sagte kurz : » Frühstück bereit ! « Heidi verstand keineswegs eine Einladung unter diesen Worten ; auf dem spöttischen Gesicht der Tinette stand viel mehr eine Warnung , ihr nicht zu nah zu kommen , als eine freundliche Einladung geschrieben , und das las Heidi deutlich von dem Gesicht und richtete sich danach . Es nahm den kleinen Schemel unter dem Tisch empor , stellte ihn in eine Ecke , setzte sich darauf und wartete so ganz still ab , was nun kommen würde . Nach einiger Zeit kam etwas mit ziemlichem Geräusch , es war Fräulein Rottenmeier , die schon wieder in Aufregung geraten war und in Heidis Stube hineinrief : » Was ist mit dir , Adelheid ? Begreifst du nicht , was ein Frühstück ist ? Komm herüber ! « Das verstand nun Heidi und folgte sogleich nach . Im Eßzimmer saß Klara schon lang an ihrem Platz und begrüßte Heidi freundlich , machte auch ein viel vergnügteres Gesicht , als sonst gewöhnlich , denn sie sah voraus , daß heute wieder allerlei Neues geschehen würde . Das Frühstück ging nun ohne Störung vor sich ; Heidi aß ganz anständig sein Butterbrot , und wie alles zu Ende war , wurde Klara wieder ins Studierzimmer hinübergerollt und Heidi wurde von Fräulein Rottenmeier angewiesen , nachzufolgen und bei Klara zu bleiben , bis der Herr Kandidat kommen würde , um die Unterrichtsstunden zu beginnen . Als die beiden Kinder allein waren , sagte Heidi sogleich : » Wie kann man hinaussehen hier und ganz hinunter auf den Boden ? « » Man macht ein Fenster auf und guckt hinaus « , antwortete Klara belustigt . » Man kann diese Fenster nicht aufmachen « , versetzte Heidi traurig . » Doch , doch « , versicherte Klara , » nur du noch nicht , und ich kann dir auch nicht helfen ; aber wenn du einmal den Sebastian siehst , so macht er dir schon eines auf . « Das war eine große Erleichterung für Heidi , zu wissen , daß man doch die Fenster öffnen und hinausschauen könne , denn noch war es ganz unter dem Druck des Gefangenseins von seinem Zimmer her . Klara fing nun an , Heidi zu fragen , wie es bei ihm zuhause sei , und Heidi erzählte mit Freuden von der Alm und den Geißen und der Weide und allem , was ihm lieb war . Unterdessen war der Herr Kandidat angekommen ; aber Fräulein Rottenmeier führte ihn nicht , wie gewöhnlich , ins Studierzimmer , denn sie mußte sich erst aussprechen und geleitete ihn zu diesem Zweck ins Eßzimmer , wo sie sich vor ihn hinsetzte und ihm in großer Aufregung ihre bedrängte Lage schilderte und wie sie in diese hineingekommen war . Sie hatte nämlich vor einiger Zeit Herrn Sesemann nach Paris geschrieben , wo er eben verweilte , seine Tochter habe längst gewünscht , es möchte eine Gespielin für sie ins Haus aufgenommen werden , und auch sie selbst glaube , daß eine solche in den Unterrichtsstunden ein Sporn , in der übrigen Zeit eine anregende Gesellschaft für Klara sein würde . Eigentlich war die Sache für Fräulein Rottenmeier selbst sehr wünschbar , denn sie wollte gern , daß jemand da sei , der ihr die Unterhaltung der kranken Klara abnehme , wenn es ihr zu viel war , was öfters geschah . Herr Sesemann hatte geantwortet , er erfülle gern den Wunsch seiner Tochter , doch mit der Bedingung , daß eine solche Gespielin in allem ganz gehalten werde wie jene , er wolle keine Kinderquälerei in seinem Hause - » was freilich eine sehr unnütze Bemerkung von dem Herrn war « , setzte Fräulein Rottenmeier hinzu , » denn wer wollte Kinder quälen ! « Nun aber erzählte sie weiter , wie ganz erschrecklich sie hineingefallen sei mit dem Kinde , und führte alle Beispiele von seinem völlig begriffslosen Dasein an , die es bis jetzt geliefert hatte , daß nicht nur der Unterricht des Herrn Kandidaten buchstäblich beim Abc anfangen müsse , sondern daß auch sie auf jedem Punkte der menschlichen Erziehung mit dem Uranfang zu beginnen hätte . Aus dieser unheilvollen Lage sehe sie nur ein Rettungsmittel : wenn der Herr Kandidat erklären werde , zwei so verschiedene Wesen könnten nicht miteinander unterrichtet werden , ohne großen Schaden des vorgerückteren Teiles ; das wäre für Herrn Sesemann ein triftiger Grund , die Sache rückgängig zu machen , und so würde er zugeben , daß das Kind gleich wieder dahin zurückgeschickt würde , woher es gekommen war ; ohne seine Zustimmung aber dürfte sie das nicht unternehmen , nun der Hausherr wisse , daß das Kind angekommen sei . Aber der Herr Kandidat war behutsam und niemals einseitig im Urteilen . Er tröstete Fräulein Rottenmeier mit vielen Worten und der Ansicht , wenn die junge Tochter auf der einen Seite so zurück sei , so möchte