Ehre ? « fragte er . » Bin ich auch mit gebeten , als Fr - - , als Speisegevatter , meine ich , he ? Schön Dank , Pastorchen . Ich bin dabei . Schön Dank ! « » Behüte , Vater , « entgegnete die Amtmännin , ihr Pastor mochte blinken , soviel er wollte . » Behüte , nicht bloß so nebenher . Stehen sollst du , selber stehen bei dem armen kleinen Frey . « » Sollte mir fehlen ! « brummt der Amtmann , dem der alte Mehlborn bedenklich in den ritterlichen Nacken zu schlagen begann . » Komm mir doch nicht mit deiner alten Litanei . Der Herr Pastor weiß es ja , ich stehe nicht , ein für allemal nicht bei - - « » Aber , Jôhann , bei dieser ehrenvollen Gelegenheit - - « » Schöne Gelegenheit ! Schöne Ehre , den zehnten Jungen von einem Bruder Saufaus übers Wasser zu halten ! Schönes Exempel , für zehn Kinder Bettelpatenbriefe an honette Leute auszutragen ! Und tuts einer beim zehnten , muß ers beim neunten auch tun , und dann beim achten , beim siebenten , am Ende wird ein Observatorium draus , und der herzallerliebste Allerweltspate kann selber Bettelpatenbriefe austragen gehen . « Es wäre jetzt dringend Zeit gewesen , mit der Eröffnung vom Königsgevatter einzuschreiten . Aber die gute Freundin hatte sich besonnen , daß sie ihrem Pastor damit nicht vorgreifen dürfe , und dem Pastor widerstand sie jetzt erst recht . Er war sich kaum deutlich bewußt , aus welchem ersten oder letzten Grunde . Witterte er erneuten Streit mit dem geistlichen Zeugen ? War es die Entrüstung über seines Beichtsohnes erbarmungsloses Gebaren , heute doppelt empfindlich vor diesem streng richtenden Zeugen ? In der Stille entschlossen , die Ehre der königlichen Stellvertretung einem Würdigeren als diesem hartherzigen reichen Manne zuzuwenden , begnügte er sich , ihm zu sagen , daß er die geziemende Erwiderung auf eine schicklichere Stunde verschiebe . Leider jedoch ließen Rede und Gegenrede sich nicht mehr aufhalten . Herr von Hartenstein war auf den beregten Fall aufmerksam geworden und seine Nachbarin in vollem Zuge , ihm die gewünschte Aufklärung zu geben . Mit einer Geläufigkeit , welche bei der stillen Seele nur erklärt werden kann durch die Freude , mit der ein guter Mensch des anderen Loblied singt , Tränen der Rührung und des Freundesstolzes in den Augen , erzählte sie von dem Trauerfall im Hirtenhause , von des Herrn Pastors erbaulichem Grabsermon und der Wohltat der lieben Frau Pastorin . Wie sie das verwaiste Kind an das Mutterherz und sogar an die Mutterbrust genommen habe , wie der zehnte Sohn und die siebente Tochter in der Wiege nebeneinanderlägen , als wären sie ein Zwillingspärchen , und wie sie , die schon jetzt in aller Unschuld , nicht anders denn zwei Engelchen , miteinander in der Badewanne säßen , sie gleicherweise auch nächsten Sonntag miteinander im Bade der heiligen Taufe zu Christen geweiht werden sollten . Der Gastfreund hatte ihr zugehört mit gefälligerem Anteil als der Ehegatte , der irgend etwas Unverständliches in seinen Bart brummte . Jetzt richtete der erstere an den letzteren die Frage : » Verstehe ich Sie recht , Herr Amtmann , so entziehen Sie sich einer der wesentlichsten Christenpflichten aus dem Grunde , daß in Ihrer Gemeinde wie in etlichen anderen mir bekannten die Unsitte waltet , die Taufzeugen an Stelle der Eltern das Kirchenopfer tragen zu lassen ? « » Na , das fehlte gerade noch ! « rief der alte Mehlborn und lachte dabei mit so gröblichem Spott , daß sein vornehmer Widerpart schier entsetzt zusammenzuckte . » Auch noch die Spesen den Gevattern auf den Hals gewälzt ! Daß das Stehen egal ein Muß würde , notabene bloß für den , der was zu spesen hat , und daß zu guter Letzt der rückständige Herr Taufzeuge in den Turm spazieren müßte , derweile der Mosjö Lump von Vater sein Fleisch und Blut anstatt des Zinshahnes in die Pfarre trüge . Quod non , Herr Hochwürden , so dumm ist die Werbener Gemeinde nicht . Verlangts nun einmal die Humorität , daß dem Kindersegen Tor und Tür geöffnet und dahero , wie unser Herr Pastor es beliebt , die Taufgebühr erlassen wird - - « » Die Taufgebühr darf auch den ärmsten Eltern nun und nimmer erlassen werden , « unterbrach ihn der Propst mit einem strengen Seitenblick auf seinen Amtsbruder . » Die Christenliebe mag der Menschennot auf anderen Wegen entgegenwirken . Jedwede unserer Gebühren ist ein Opferzoll , welchen der große Reformator aus der alten Kirche in die neue gerettet hat . « » Ein gemein Almosen , das man williglich gäbe und austeilete unter die Armen nach dem Exempel Sankt Pauli , « zitierte Pastor Blümel mit ruhiger Würde , und der standfeste Lutheraner mochte das Zitat wohl gültig finden , da er kein anderes dagegen anführte . Aus seiner persönlichen Amtspraxis war bekannt , daß er die Stolgebühren seiner reichen Gemeinde zwar nicht bloß als ein freiwilliges Almosen in Empfang nehme , daß er aber das , was er mit der rechten Hand gefaßt , alsobald mit der linken in seine Armenbörse lege und daß diese Börse lose Schnüre habe . » Wenn demnach , « so wendete er sich von dem geistlichen Widerpart zu dem weltlichen zurück , » das Gottesopfer es nicht ist , das Ihnen widersteht , und ich nicht annehmen kann , daß der heilige Akt an sich es ist , da Sie ja in höher gestellten Kreisen sich demselben nicht zu entziehen scheinen , so ist mir unerfindlich , was - - « » Was mir bei Betteltaufen widersteht ? « unterbrach ihn nicht der Ritter , sondern der Bauer Johann Mehlborn im allertrautesten Werbenschen Deutsch . » Na , sehen Sie , Herr Hochwürden , das Menschenopfer ist es , das , was man ein Beutelmassakrieren nennt , um mich noch christlich auszudrücken . Höher hinauf ,