um welche ich bitte , geschieht im Einverständnis mit Ihrem Vater , Jungfrau Dorothee , « stieß er hervor . Der Hauswirt war Herr in seinem Revier , und Vater Kellermeister hatte das Recht , ein Tete-a-tete mit meiner Besucherin zu bewilligen ; wie flehentlich dieselbe mich daher anblicken mochte , ich erhob mich , um die Laube zu verlassen . Faber aber trat mir in den Weg , faßte nach meiner Hand und sprach : » Sie verpflichten mich , wenn Sie bleiben , Fräulein Hardine « . So nahm ich denn meinen Platz wieder ein und deutete für Faber auf eine Bank uns gegenüber . Er setzte sich nicht , hob aber nach einem tiefen Atemzuge , zu mir gewendet , unverweilt seine Rede an : » Sie kennen das Ziel , das ich mir gesetzt habe , Fräulein Hardine . Die Jahre herkömmlichen Studiums sind versäumt . Ich muß es auf praktischem Wege zu erreichen suchen . Und ich werde es erreichen . Aber nicht in meiner kleinbürgerlichen Heimat , auch nicht im Friedensstande unseres sächsischen Vaterlandes . Ich erfreue mich gütiger Empfehlungen . Meine Vorkehrungen sind getroffen . Ich gehe nach Preußen . In wenigen Wochen vielleicht stehe ich auf einem Felde , wo Wunden geschlagen werden und Wunden geheilt werden müssen . « Ihr wißt , wir schrieben Anno 90 , und in Preußen herrschte seit siebenundzwanzig Jahren so gut wie Frieden . Allerdings hatte ich meinen Vater mit seinen Kameraden von einer » Verhedderung « zwischen dem Kaiser und dem König in Sachen des Großtürken diskurieren hören ; keiner aber wurde aus diesem Wirrwarr klug , und keiner dachte an Ernst in einem weitab gelegenen Gebiet , wo man für den Preußen nichts Verdauliches zu schlucken sah . Siegmund Faber konnte daher wohl die verwunderte Miene bemerken , mit welcher ich seine Witterung von Blut und Leichen beantwortete . » König Friedrich Wilhelm , « so fuhr er ohne Aufenthalt fort , » ist zu der Armee nach Schlesien abgegangen . Dort treffe ich auch das Regiment Weimar , an dessen durchlauchtigen Chef ich von Jena aus rekommandiert bin . Wetter , welche sich türmen , wie die in Ost und West , klären sich nicht . Verzöge sichs heuer , um so günstiger für mich . Ich hätte in bedeutender Umgebung ein Jahr der Vorbereitung gewonnen . Übermorgen bin ich auf dem Wege nach Berlin . « Der Redner machte eine Pause und ich hörte ein fröhliches Aufatmen an meiner Seite . Dorothee hatte das Messer fallen lassen und blinzelte schelmisch zu mir in die Höh . Es war ja alles ganz anders gekommen , als ich prophezeit . Mosjö Per-sé ging in den Krieg , um ein tüchtiger Doktor zu werden ; er dachte nicht an sein Dörtchen und an einen häuslichen Herd . Aber Mosjö Per-sé hatte nur wieder einmal schwer Atem geschöpft ; er war noch lange nicht zu Ende . Eine Blutwoge drang ihm zu Kopf , um ebenso jach wieder zu sinken ; er setzte sich , denn seine Knie zitterten . Was mochte diese gefaßte Natur so bänglich bewegen ? Er wendete sich jetzt zu meiner Nachbarin , und seine Stimme vibrierte so seelenvoll , daß ich sie kaum für die seinige halten konnte . » Ich weiß nicht , Jungfrau Dorothee , ob auch Sie das Streben gekannt haben , das mich , neben jenem ersten , seit Jahren erfüllt hat . Sie lächelten wie über ein Scherzwort , wenn ich Sie die Meine nannte . Aber es war keine Knabenlaune , Dorothee . Es ist mir heute nicht heiligerer Ernst , als in jener früheren Stunde , seit ich mich auf mein Selbst zu besinnen weiß . Sie sind noch sehr jung , Dorothee , und ich hätte das bindende Wort verzögern mögen . Aber mich drängt die Zeit , deren Sie bedürfen . Ich habe das Ja Ihres Vaters ; wollen Sie das Ihre gewähren , wollen Sie die Meine werden , Dorothee ? « Bei allem Vertrauen zu dem Manne war mir nach der kriegerischen Vorrede diese plötzliche Werbung doch ein bißchen zu bunt . Heiraten , ein halbes Kind heiraten , wenn einer im Begriff steht , ein Schlachtfeld oder als dessen Vorstudium ein chirurgisches Institut zu betreten ! Ich fing an der gesunden Vernunft eines Menschen für sich zu verzweifeln an und rüstete mich , als quasi Patronin meiner kleinen Dorl , die sich zitternd wie Maienlaub an mich klammerte , zu einer herzhaften Abfertigung . Der wunderliche Heiratskandidat schnitt indessen , noch ehe ich zu Worte kam , meinen Protest mit einem hastigen Nachtrage ab . » Es liegt auf der Hand , « fuhr er fort , » daß ich die Erfüllung meiner Wünsche nicht heute oder morgen erwarten darf . Es können , ja es müssen Jahre vergehen , Jahre harten Ringens , vielleicht ein Jahrzehnt . Haben Sie das Herz , Dorothee , diese Jahre zu harren in Treuen und Ehren als meine anverlobte Braut ? Sind Sie meiner , sind Sie Ihrer selber gewiß zu solchem Verspruch ? Niemals sehen Sie mich wieder , sollte ich dem Lauf nach dem Ziele unterliegen . Aber ich werde nicht unterliegen . Und wenn ich , früh oder spät , zurückkehre , vor meinem Gewissen und der Welt als ein fertiger Mann , wollen Sie dann die Meine werden ? Ich habe bis heute nach keinem Menschen begehrt als nach Ihnen allein , wollen Sie , daß ich auch fernerhin Ihrer begehren , daß ich auch in Zukunft Sie lieben darf , Dorothee ? « Des Mannes Wallung hatte mich ergriffen . Das Wagnis seines Anerbietens entsprach recht gründlich meinem fünfzehnjährigen Puls . Mit Triumph würde ich - natürlich vorausgesetzt , daß ich Dorothee Müllerin und nicht Hardine von Reckenburg geheißen hätte - mit Triumph würde ich in Siegmund Fabers Hand eingeschlagen und gesagt haben : » Brich dir einen Weg , suche dein Ziel . Ein Mann wie