stets und immerdar gestellt ist . Es war ein Tag im Spätherbst des Jahres . Der Wald war bunt und der Himmel grau , sehr grau . An diesem Tage hatte sich der Ritter dem Fräulein zum Begleiter auf dem gewohnten Nachmittagsspaziergang angeboten , und das Fräulein hatte mit der gewöhnlichen grämelnden , süßlichen Miene die Begleitung angenommen . Verdrossen und mit hängendem Kopfe ging Hennig in der Mitte der beiden , und verdrossen , mit hängendem Kopfe folgte ihnen Peccadillo dicht auf dem Fuße so waren sie abgezogen vom Hofe und hatten sich den Hügeln zugewendet . Es war kein Tag , es war kein Wetter für die beiden alten Herrschaften . Ein unheimlich am Boden hinkriechender Wind trieb ein mattes Spiel mit den welken Blättern , und wenn Johann von Brienne plötzlich aus dem Boden aufgestiegen wäre , um den letzten Sprößling seines erlauchten Hauses dringend vor Rheumatismen und heftigem Gliederweh zu warnen , so würde dieses zwar sehr freundlich von ihm gewesen sein , hätte aber nur bei Leuten , die durch verwandtschafliche Liebe und Affektion nicht verwöhnt waren , Staunen erregen können . Es war kein Tag und kein Wetter überhaupt für alte Menschen . Auch der Herr von Glaubigern fühlte sich gedrückter und durch den engen Horizont befangener als sonst . Beide , das heißt der Ritter und das Fräulein , schritten langsam , erschienen dem Junker sehr langweilig und sprachen ihre Meinung und Absicht dahin aus , daß man nur bis zum Rande des nächsten Gehölzes gehen , sodann still , sittsam und vorsichtig umkehren und den Abend nützlich und anregend hinter den Wänden und hinter den Fensterscheiben des Lauenhofes verbringen wolle , welches letztere gleicherweise dem Junker durchaus nicht interessant und erfreulich erschien , denn es schloß mancherlei unausdrückbaren Jammer für ihn in sich . Weiterhin auf dem Wege wurde Fräulein Adelaide recht gesprächig , doch stimmten Färbung und Stoff ihrer Unterhaltung leider ganz und gar zu der Witterung . Düster und lebenssatt schritt die hohe Dame dahin , mißgelaunt sowohl gegen die Vorsehung im allgemeinen wie gegen ihr Schicksal im besondern und gegen ihr Schicksal auf dem Krodebecker Burghof im allerbesondersten . Sie , die sonst so stattlich auf ihrer Einbildungskraft zu Roß saß , sie zog diese selbe Einbildungskraft wie einen müden Gaul am Zügel hinter sich her . Das närrische , aber doch glänzende Wellenspiel ihrer Phantasie hatte sich augenblicklich in ein bleigraues Gewoge verwandelt ; die tollen Wolken ihres Gehirns hatten den letzten goldnen und silbernen Anhauch von ihren Säumen verloren . Adelaide von Saint-Trouin sah die Welt heute ebenso nüchtern an wie Adelheid von Lauen , wenn dieser ein Unglück in der Milchkammer passierte , wenn ein Viehsterben eintrat oder ein unvermuteter Abschlag der Fruchtpreise einfiel . Ein jeglicher hat solche Tage , an welchen ihn alle Illusionen verlassen , an welchen der Pomp , die Pracht und das Vergnügen seines Daseins stückweise von ihm abfallen , Tage , an welchen er zwar nicht minder sich täuschen läßt , jedoch nicht durch den lachenden Schein und das behagliche Blendwerk , durch welches für gewöhnlich gütige Götter seinen Pfad bunt machen und verkürzen . Und alle schönen Illusionen hatten heute die Erbin des griechisch-lateinischen Kaiserstuhls im Stiche gelassen . Die Spinne hing ihr Gewebe in dem armen Gehirn Adelaides auf ; die funkelnden Kuppeln von Byzanz versanken im Nebel , selbst der Papst Honorius der Dritte verlor seinen Reiz . Tyrus und Malta versanken wie Byzanz , und mit der Grafschaft von Paidiac löste sich die Grafschaft von Valcroissant in Nebel und Dunst auf . Zu ganz gewöhnlichem , mißtönigem Krodebecker Rabengekrächz war der Klang der Jagdhörner des großen Louis geworden , und was neben der Landstraße im Walde rauschte , das waren nicht die schönen Damen , die Marquis , Grafen und Herzöge von Versailles , sondern das war einfach und höchst ärgerlich das winterliche Blasen vom alten langweiligen Brocken und der Heinrichshöhe her . Nun wußte der Chevalier freilich , daß die gnädige Frau sich von ihren ökonomischen Anfechtungen stets sehr bald erholte , obgleich auch sie von ihrem guten Humor immer auf Niewiedersehen Abschied nahm , und daß auch dem gnädigen Fräulein die alte närrische Herrlichkeit schnell von neuem anschießen werde . So konnte er die trübe Gegenwart mit ziemlich weiser Gelassenheit tragen , was der Junker von Lauen nicht vermochte . Der stieg zwischen den beiden Alten immer mürrischer hügelan und verspürte von Schritt zu Schritt immer größere Lust , etwas zu tun , was dem Fräulein diesen Nachmittag für seine ganze spätere Lebenszeit unvergeßlich mache und sein eigenes Rachebedürfnis wenigstens fürs erste befriedige . Was ging es aber auch ihn an , daß doch eigentlich nichts mehr in der Welt auf dem rechten Flecke stehe und daß die Hoffnung , daß alles wieder auf diesen richtigen Fleck zurückgestellt werde , nun doch wohl zuletzt von den glaubenstreuesten Seelen aufgegeben werden müsse ? ! Was ging es ihn an , zu erfahren , daß es gar keine Freude sei , in einer so schlechten , gemeinen , plebejischen , demagogischen Judenwelt leben zu müssen ? Was ging es ihn an , daß selbst diese miserable , nichtsnutzige Welt noch erbärmlicher und niederträchtiger werden könne und in der Tat von Tag zu Tag werde ? Was endlich ging es den Stammhalter des Lauenhofes an , daß es den Fürsten von Tyrus und Kaiser von Konstantinopel , Johann von Brienne , nicht im Traume eingefallen war , seine verwandtschaftliche Pflicht zu erfüllen , und daß die Erbin seines Thrones nun wirklich ein bedenkliches rheumatisches Ziehen von Schulterblatt zu Schulterblatt verspürte ? Herr Hennig von Lauen litt bis jetzt noch nicht an Rheumatismus . Der graue Tag brachte ihm keine Weltuntergangsgedanken , und was die Verschlechterung im sozialen Wesen betraf , so fühlte er , wie schon bemerkt wurde , heute selber ein Gelüst , als ein Rebell gegen dasselbe in seinen edelsten Inkarnationen aufzustehen und der Madame de Genlis , der Madame de Campan und so mancher