sitzt auf dem Zweige daneben , hat das Köpfchen unter den Flügel gesteckt und schlummert , müde von dem frühen Aufstehen , dem jubelnden Gesang den lieben langen Morgen hindurch und der eifrigen Jagd auf Mücken und Würmchen . Die wissen , daß es jetzt gute Zeit für sie ist , und tanzen lustig in den rothen Sonnenstrahlen , die heimlich durch die Zweige schlüpfen , und kriechen und krabbeln und hasten sich durch das warme , weiche Moos . Tiefe Ruhe ! da tönt ein sonderbarer heiserer Schrei in kurzen , wie in Aerger schnell hintereinander ausgestoßenen Tönen . Das ist der Falk , des Waldes Förster . Er ist ein schlimmer Gesell , den sein böses Gewissen nicht schlafen läßt , und deshalb klingt auch sein Ruf so grell und schrill , wie er jetzt stolz und einsam hoch droben in der blauen Luft über dem stillen Blättermeer , seinem Revier , die wunderlichen , mystischen Kreise zieht . Ein blondköpfiger Junge , der am Rande des Waldes ein paar Gänse hütete , hatte Oswald gesagt , daß der Weg nach Berkow durch das Holz kaum eine halbe Stunde und nicht zu verfehlen sei . Daß er dabei die schweigende Voraussetzung gemacht hatte , der Wanderer werde auf dem Wege bleiben und des Weges achten , war natürlich . Da Oswald aber , wie es seine Gewohnheit war , weder das Eine noch das Andere gethan hatte , alle Augenblicke über den Graben gesprungen und in den Wald hineingelaufen war , wo das Unterholz weniger dicht wucherte , und die hohen Hallen zwischen den mächtigen Stämmen gar zu verführerisch lockten , und auf Alles geachtet hatte , nur nicht auf den Weg - so mochte er es sich denn auch nun selbst zuschreiben , als er aus dem Dickicht heraus , statt auf den Weg , den er bisher gegangen war , zu gelangen , auf einen schmalen Waldpfad kam , und , denselben in falscher Richtung weiter gehend , immer tiefer in den Forst gerieth . Oswald stand still und lauschte , ob er nicht die Stimme eines Menschen , das Pochen einer Axt vernehmen werde , aber er hörte nichts als den Schrei des Falken und das Klopfen seines eigenen Herzens . Lustig rief er in den Weg hinein : Wo geht der Weg nach Berkow , Falk ? - Falk , hallte das Echo zurück . Endlich wurde es lichter zwischen den Bäumen . Schon glaubte er , den Saum des Holzes erreicht zu haben . Statt dessen trat er auf eine Lichtung heraus , die fast ganz von einem kleinen , zum Theil mit hohen Binsen bedeckten See eingenommen wurde . An dem Rande entlang schreitend , scheuchte er ein Sommer-Entenpaar auf , das aus dem Röhricht hervorbrach und mit wunderbarer Hast über den Sumpf fort in den Wald flog . Dann wieder lautlose Stille . Kommt Zeit , kommt Rath , sagte Oswald bei sich . Vorläufig will ich mich aber ein wenig ausruhen , denn ich finde , daß ich nachgerade müde werde . Er hing seinen Strohhut an einen Zweig , breitete sein Taschentuch über eine der mit dichtem Moos bewachsenen Wurzeln einer vielhundertjährigen Buche und streckte sich behaglich in das Haidekraut . Der Platz ist wie zum Schlafen gemacht , sprach er bei sich , träumerisch den Libellen zuschauend , die über dem dunklen Wasser des Sumpfes , bald stillstehend , bald pfeilschnell fortschießend , ihr wunderliches Wesen trieben . Wer weiß ? Vielleicht ist dies ein Zauberwald , so ein von der Cultur übersehenes Stück Romantik , ein kleiner stehen gebliebener Rest von den großen , großen Wäldern , die in Musäus ' Märchen rauschen , von dem Walde etwa , drin der Graf wohnte , der seine Töchter verkaufte , wenn er die Wechsel am Verfalltage nicht einlösen konnte , - eine Manier , seine Schulden zu bezahlen , die selbst noch heutzutage in Schwung sein soll . Und wer nun in diesem Walde einschläft , wozu ich große Lust verspüre , schläft so ein paar hundert Jährchen , ehe er ' s sich versieht , und wenn er aufwacht , wallt ihm ein schneeweißer Bart bis zum Gürtel . Darob geräth er denn in gerechtes Erstaunen , und er fragt den ersten Bauer , der ihm begegnet , ob er ihm nicht den Weg nach Berkow zeigen könne ? Berkow ? antwortet der Angeredete höflich . Habe nie von einem solchen Orte gehört . Ich meine das Schloß im Walde , wo Melitta wohnt ! Melitta ? aber , guter Herr , das ist ja nur ein altes Märchen . Ein Märchen ? Nun gewiß ! meine alte Großmutter hat es mir , wer weiß wie oft erzählt . - Vor vielen , vielen hundert Jahren stand in dieser Gegend ein großer Wald ; und in dem Walde hauste eine Fee , die hieß Melitta . Sie hatte so wunderschöne lichtbraune Augen , wie ein Menschenkind gar nicht haben kann , und eine honigsüße Stimme , und deswegen nannten die Leute sie Melitta . Sie war die beste und schönste Fee von der Welt und hatte nur die eine kleine Schwäche , von Zeit zu Zeit Jemand in ihren Wald zu locken , damit er sich unter den hohen Buchen und Eichen , von denen die eine immer aussah wie die andere , verirrte . Darüber hatte sie dann ihre Freude . Wenn sie aber so einen armen Schelm verlocken wollte , setzte sie sich auf ihr Pferd Bella ( denn an dieser Fee war Alles schön , selbst ihr Pferd ) , ritt in ' s Land hinein und suchte unter Männern , bis sie den dümmsten fand . Die hatte sie am liebsten . Den bezauberte sie dann mit ihrer Schönheit , ihrem lieben , holden , neckischen Wesen und ihrer honigsüßen Stimme ; und um den Zauber fest zu machen , schenkte sie ihm etwas - eine Rose etwa . Nahm er die nun