Tage zurück . Hab ' t Ihr nun diesmal das Maß der Entfernung der heiligen Stätten glücklich bis nach Nürnberg gebracht ? « » Ja , « antwortete Herr Ketzel , » und ich bin nicht sobald zurückgekommen , als ich schon das Rieter ' sche Haus gekauft habe , das als Pilatushaus soll angesehen werden , und der wackere Steinmetz Adam Kraft soll mir die sieben Fälle Christi in Stein hauen und ein Kapellein setzen , als stünd ' es auf dem Calvarienberg . Von jenem Haus am Thiergärtnerthor aus durch die Seilersgasse bis auf den Kirchhof trifft die Entfernung gerade mit meinem Maß . Dann wird man nicht mehr über meinen Verlust lächeln , sondern erkennen , daß ein rechter Mann mit Geduld , Muth und Ausdauer doch durchsetzt , was er sich einmal vorgenommen , und sollt ' es auch einmal scheinen , als sei schon Alles verloren - wie mein Maß . « » Das ist eine Lehre für Euch , Herr Stephan , « flüsterte Elisabeth diesem über den Tisch zu . Herr Martin Ketzel war nämlich von frommem Eifer getrieben , schon im Jahre 1477 mit dem thatenreichen Herzog Albrecht von Sachsen in das heilige Land gezogen , um dort die Entfernungen der heiligen Stätten vom Pilatushaus nach allen Orten bis auf Golgatha , wo sich bei der Hinführung Christi Merkwürdiges ereignet hatte , auszumessen und in Nürnberg kunstreiche Erinnerungsmale errichten zu lassen . Als er zurück kam , hatte er das Maß verloren . Aber er verzweifelte darum nicht , sondern ging einige Jahre später im Gefolge Herzog Otto ' s von Baiern noch einmal nach Palästina , und war eben jetzt zurückgekehrt . Aber der fromme Eifer , welcher die Kreuzzüge hervorgerufen , und den Antheil , den man den heiligen Stätten zollte , gab sich nur noch in vereinzelten Erscheinungen kund und konnte keine allgemeine Theilnahme mehr erwecken . Mehr als nach dem alten heiligen Land drängte der Geist der Zeit vorahnend nach einer neuen Welt , wenn auch die kühnen Seefahrer vor der Hand nichts weiter begehrten , als einen neuen Handelsweg nach Ostindien . Und die Nürnberger Kaufleute , die hier versammelt waren , die noch nicht berechnen konnten , wie durch die neuen Entdeckungen der Handel eine andere Gestalt annehmen , und ihre große Landhandelsstraße von Nürnberg und Augsburg über Füssen und Kempten nach Venedig veröden werde , sprachen voll froher Theilnahme mit den Geschwistern Martin Behaim ' s von diesem berühmten Landsmann , von dem man mit äußerster Spannung auf neue Nachrichten wartete . Indeß , nachdem man sich nach deutscher Art lange genug von fremden Welttheilen unterhalten , kam man endlich auch auf das deutsche Reich , und Christoph Scheurl sagte zu Stephan und den beiden Damen : » Ihr wißt wohl die große Tagesneuigkeit noch nicht , deren Kunde ich vorhin vor Eurer Anwesenheit durch einen Boten aus Frankfurt empfing , den mir ein Geschäftsfreund sandte : König Max wird in acht oder vierzehn Tagen mit dem Markgrafen Friedrich nach Nürnberg kommen . « » Ei , so kommt er endlich einmal , er hat uns lange genug warten lassen ! « sagte Elisabeth . » Sprecht Ihr uns auf gut nürnbergisch ? « fragte der Propst , » oder sprecht Ihr nur als Frauenzimmer ? Dann klänge es fast wie die Worte der edlen Maria von Burgund , die Gott selig haben möge , und die auch zu ihm sagte : er sei das edelste deutsche Blut , nach dem sie lange verlangt habe . Dann nehmt Euch in Acht , denn König Max ist allen schönen Frauen gefährlich , und sie sind es auch ihm , trotzdem er sich noch nicht hat entschließen können , einen Ersatz für seine Maria zu suchen . « » Ich meine , Ihr wißt , daß ich gut nürnbergisch bin , « antwortete Elisabeth , ohne in Verlegenheit zu kommen , » und kein Potentat , der es nicht ist , wird mir besonders werth sein . « » Von König Max muß sich das erst zeigen , « sagte Georg Behaim : » er ist bisher nur in die niederländischen Händel verstrickt gewesen , und im Reiche ist ja noch immer sein alter Vater das Haupt . « Christoph Scheurl sagte : » Bis jetzt war er immer nur ein Fürst ohne Land ; denn wenn er auch schon bei seiner Vermählung die Titel vieler Herzogthümer und Grafschaften und bei seiner Krönung vor drei Jahren in Aachen den des römischen Königs empfing , so ist ihm doch erst jetzt , wo der alte Erzherzog Sigismund ihm Tirol und seine schwäbischen Länder als sein Erbe überwies , die erste Fußbreite Landes und sind ihm die ersten eigenen Einkünfte zugekommen . Das ist gut für Einen , der so lange nur von einem filzigen Vater , der selbst Nichts hatte , wenn ihm nicht Reichshülfe ward , abhängig gewesen . « » So ist nun auch wirklich der Friede mit Frankreich zu Stande gekommen , wie es schon gestern hieß ? « fragte Stephan ; » habt Ihr genaue Nachrichten darüber , Herr Scheurl ? « » Ganz genaue , « versetzte dieser , und lächelte selbstbefriedigt , als wolle er andeuten , es sei unmöglich einen solchen abzuschließen , ohne daß er mit in ' s Vertrauen gezogen sei . » Der französische Gesandte kam sehr gelegen auf dem Reichstag an , den König Max jetzt auf eigene Hand in Frankfurt hielt , um vom Reiche nicht weniger als vierzigtausend Mann zu fordern zum Kriege in den Niederlanden und Oesterreich . Die Reichsstände handelten die Forderung aber glücklich herunter auf die eilende Hülfe ( sechstausend Mann stark ) , wovon nur zweitausend Mann gestellt waren , als der französische Gesandte mit Friedensbedingungen erschien , die für Max äußerst vortheilhaft waren , und so ward denn am zweiundzwanzigsten Juli der Friede geschlossen . Indeß nur der tapfere Herzog Albrecht von Sachsen die Flamänder vollends unterwerfen soll , wird