Eingang . Auch des Pförtners Gelaß nebenan war leer . Offene Fässer standen aufgepflanzt , manche schon mit süßem Moste gefüllt . Hinter ihnen war ein steinern Bänklein an der Wand ; Ekkehard war frisch ausgeschritten und die Seeluft hatte ihm zehrend ums Haupt geweht , da kam ein Zug des Schlummers mächtig über ihn , er lehnte den Wanderstab an den Arm , streckte sich ein weniges und nickte ein . Derweil zog sich ' s mit langsamem Schritt in die kühle Stube , das war der ehrenwerte Bruder Rudimann , des Klosters Kellermeister . Er trug ein steinern Krüglein in der Rechten und ging seines Amtes nach , Mostprobe zu halten . Das Lächeln eines mit der Welt und sich versöhnten Mannes lag auf seinen Lippen und sein Bauch war fröhlich gediehen , wie das Hauswesen des Fleißigen , einen weißen Schurz hatte er darüber geschlungen , gewichtiger Schlüsselbund klapperte an seiner linken Seite . » Zum Kellermeister soll erwählt werden ein weiser Mann von reifen Sitten , nüchtern und nicht vieler Speise gierig , kein Zänker und kein Schelter , kein Träger und kein Vergeuder , sondern ein Gottesfürchtiger , der der gesamten Bruderschaft sei als wie ein Vater97 « - und soweit es des Fleisches Schwäche hienieden möglich macht , war Rudimann bemüht , sotane Kellermeisterseigenschaften in sich zu vereinen . Dabei aber trug er das herbe Amt eines Strafvollziehers , und wenn einer der Brüder der Geißelung sich schuldig gemacht , band er ihn an die Säule und konnte sich keiner über die Milde seines Armes beklagen . Daß er außerdem mit boshafter Zunge dann und wann boshaftige Gedanken aussprach und den Abt mit Verdächtigung der Mitbrüder zu unterhalten wußte , wie das Eichhörnlein Ratatöskr der Edda98 , - das auf-und abrennt an der Esche Yggdrasil und des Adlers zürnende Worte im Wipfel herniederträgt zu Nidhöggr , dem Drachen in der Tiefe : das war nicht seines Amtes , das tat er aus freien Stücken . Heute aber schaute er gar vergnüglich drein , des trug die Güte der Weinlese schuld . Und er tauchte sein Krüglein in ein offenes Faß , hielt ' s gegen das Fenster und schlürfte bedächtig den unklaren Stoff . Des schlafenden Gastes nahm er nicht wahr . » Auch dieser ist süß « , sprach er , » und kommt doch vom mitternächtigen Abhang der Hügel . Gelobt sei der Herr , der vom Notstand seiner Knechte auf dieser Au eine billige Einsicht nahm und nach so viel magern Jahren ein fettes schuf , und frei von Säure ! « Inzwischen ging draußen Kerhildis , die Obermagd , vorüber , sie trug eine traubengefüllte Butte zur Kelter . » Kerhildis « , sprach der Kellermeister leise , » getreueste aller Mägde , nimm mein Krüglein und füll ' es mit dem - Neuen vom Wartberg , der drüben an der Kelter steht , auf daß ich ihn mit diesem vergleiche . « Kerhildis , die Obermagd , stellte ihre Last ab und ging und kam und stand vor Rudimann , reichte ihm das Krüglein , schaute schalkhaft an ihm hinauf , denn er überragte sie um eines Kopfes Länge , und sprach : » Wohl bekomm ' s ! « Rudimann tat einen langen , frommen , vergleichenden Zug , so daß ihm der Neue auf den Lippen schmelzen mochte wie Schnee in der Märzensonne ; » alle miteinander werden süß und gut « , sprach er , und seine Augen hoben sich gerührt , und daß sie an der Obermagd strahlendem Antlitz haftenblieben , daran trug der Kellermeister kaum Schuld , denn diese hätte sich inzwischen auch zurückziehen können . Da fuhr er mit Salbung fort : » So ich aber Euch anschaue , Kerhildis , so wird mein Herz doppelt froh , denn auch Ihr gedeihet wie der Klosterwein in diesem Herbst , und Eure Bäcklein sind rot wie Granatäpfel , die des Pflückenden harren . Preiset mit mir des Jahrgangs Güte , so getreuste aller Mägde ! « Und der Kellermeister schlang seinen Arm um der schwarzbraunen Obermagd Hüfte99 , die wehrte sich dessen nicht groß - was liegt an einem Kuß im Herbste ? - und sie wußte , daß Rudimann ein Mann von reifen Sitten war und alles mäßig tat , wie es einem Kellermeister geziemt . Da fuhr der Schläfer auf der Steinbank aus seinem Schlummer . Ein eigentümlich Geräusch , das von nichts anderem herrühren kann als von einem wohlaufgesetzten verständigen Kuß , schlug an sein Ohr , er schaute zwischen den Fässern durch , da sah er des Kellermeisters Gewandung und ein Paar fliegende Zöpfe , die nicht zu diesem Habit gehörten ... er richtete sich auf , ein ungestümer Zorn kam über ihn , denn Ekkehard war jung und eifrig , und in Sankt Gallen war strenge Sitte , und es hatte ihm noch nie als möglich vorgeschwebt , daß ein Mann im Ordenskleid ein Weib küssen möge . Sein wuchtiger Haselstock ruhte ihm noch im Arm ; itzt sprang er vor und schlug dem Kellermeister einen wohlgefügen Streich , der zog sich von der rechten Schulter nach der linken Hüfte und saß fest und gut wie ein auf Bestellung gelieferter Rock - und bevor sich jener der ersten Überraschung erholt , folgte ein zweiter und dritter von gleichem Schrot ... er ließ sein steinern Geschirr fallen , daß es am Pflaster zerschellte ; Kerhildis entfloh . » Beim Krug von der Hochzeit zu Kana ! « rief Rudimann , » was ist das ? « und wandte sich gegen den Angreifer . Jetzt erst schauten sich die beiden von Angesicht zu Angesicht . » Ein Gastgeschenk ist ' s « , sprach Ekkehard ingrimmig , » das der heilige Gall dem heiligen Pirmin sendet100 ! « und er erhub seinen Stab von neuem . » Dacht ' ich ' s doch « , schalt der Kellermeister , » sankt gallische Holzäpfel ! Man kennt euch an den Früchten :