, oder ich schlag dir ein paar Zähn in Hals ! Mein Christinele schreit und rennt , was gilt ' s , was hast ! Aber der Bub hintendrein und faßt sie am Fittich und schüttelt sie und will ihr den Apfel nehmen . Da kommt aber einer über ihn , und wer anders als der Sonnenwirtle , der Frieder , der nie kein Unrecht mit müßiger Faust hat ansehen können . Der faßt den groben Zolgen und schüttelt ihn ebenmäßig und steckt ihm ein paar , aber nicht wie ' s die Buben austeilen , sondern wie ' s die Buben von einem Mann kriegen , wenn ein Markstein gesetzt wird . « » Gott ' s Blitz ! « rief er fröhlich lachend , » jetzt geht mir ein Licht auf . Das ist ja der Fischerhanne gewesen , ja , ja , den hab ich einmal durchgeliedert , weil er ein Kind mißhandelt hat , wie ein Räuber und Buschklepper . « » Ja , und dann habt Ihr dem Kind noch ein Brot dazu gegeben . Da , nimm , habt Ihr gesagt , damit dir der Apfel kein ' öden Magen macht . « » Kann sein « , sagte er , » das weiß ich nicht mehr , jedenfalls ist ' s gern geschehen . Was , und das Kind bist du gewesen , du Engele , du goldig ' s ? « rief er hinter den Ofen . » Freilich « , erwiderte die Bäckerin . » Aus Kindern werden Leute und so weiter , Ihr wißt ja , wie das Sprichwort sagt . Aber die Guttat , die hat Euch mein Christinele in einem feinen Herzen nachgetragen , beides , das Brot und daß Ihr meinen Apfel verteidigt habt , - denn von mir ist er gewesen . « Er hatte nicht mehr ganz ausgehört . » Ist ' s wahr « , rief er , indem er das Mädchen , das sich sträubte und anmutig lachte , hinter dem Ofen hervorzog , » ist ' s wahr , daß du mich noch kennst und hast selbiges Stück im Herzen behalten ? « » Ja , es ist wahr « , antwortete sie , » und ich hätt gern - « » Was hätt ' st gern ? Wieder ein Stück Brot ? « Sie lachte überlaut . » Heimgegeben hätt ich ' s gern . « » So , du möchtest mir die Laib heimgeben ? « Er schlang den Arm um ihre Hüfte und gab ihr mit einem Wink zu verstehen , daß jetzt die beste Gelegenheit zu einer ihm anständigen Belohnung wäre . Die Bäckerin hatte den Kopf gewendet , der Mann schlief auf der Ofenbank . Er drückte sie an sich und suchte mit dem Munde ihre Lippen . Sie wich ihm lächelnd aus , ohne die vielverheißenden Augen von ihm abzuwenden , und wie er sie am Kinn fassen wollte , um das unbotmäßige Köpfchen in festen Verwahrsam zu nehmen , kam sie ihm plötzlich mit den Lippen zuvor . Sein Wunsch wär in Freiheit gewährt , ehe er zu Zwangsmitteln schreiten konnte ; ein Kuß , nicht lang , nicht voll , nicht feurig , aber blitzartig treffend wär ihm an den Mund geflogen und fuhr ihm durch Mark und Bein . Ihre Lippen hafteten nur einen Augenblick ; im selben Augenblick war sie ihm unter dem Arm durchgeschlüpft und huschte in die Küche hinaus . Mit diesem Kusse wär der Würfel über sein künftiges Schicksal geworfen . In der ersten Aufwallung seiner Leidenschaft wollte er dem Mädchen nacheilen , aber eine andere Regung hielt ihn zurück . Er glaubte in dem hellen , freundlichen Gesichte , obgleich es fast noch unmündig aussah , einen Zug zu erkennen , der keine Zudringlichkeit aufkommen ließ , und besorgte , daß er die gute Meinung , die das Mädchen seit den Kinderjahren in ihrem dankbaren Herzen von ihm behalten hatte , leicht verscherzen könnte . Diese Betrachtungen hüllten sich jedoch in das Gewand des Stolzes . » Was , soll ich den Küchemichel machen ? « sagte er zu sich und setzte sich trotzig wieder an den Tisch . Die Stube füllte sich allmählich mit Gästen . Was auf dem Dorfe Wirtshausbesucher sind , die bilden so ziemlich denselben unveränderten Kreis und wechseln nur den Ort . Heute findet man sie in der Sonne , morgen geben sie dem Dreikönig etwas » zu lösen « , übermorgen sind sie beim Becken , überübermorgen in der Krone , donnerstags gehen sie zum , wütigen Esel ' , freitags kriechen sie zum Kreuz , und am Sonnabend tut ihnen die Wahl weh zwischen dem Dutzend von Wirtshäusern , die noch übrig sind . Friedrich nahm sich den Abend zusammen , um seinen Herzenszustand nicht zu verraten . Er verriet ihn aber jeden Augenblick . Er trank ein Glas um das andere , um Christinens Gegenwart zu genießen und etwa ihre Hand beim Darreichen zu berühren . Hierzu mußte er jedesmal den Augenblick wählen , wo sie gerade im Zimmer anwesend war , und dies nötigte ihn , oft einen starken Rest mit einem einzigen Zuge zu leeren . Die andern hatten sein Treiben schnell durchschaut und gaben ihr mutwilliges Ergötzen bald durch einen Augenwink , bald durch ein schiefgezogenes Maul zu erkennen . Die Gläser , die er aus Christinens Hand empfing , stiegen ihm nach und nach in den Kopf . Er sang , lachte , schwatzte viel und ließ- seine gute Laune an einem und dem andern der Anwesenden aus , endlich aber auch an der abwesenden Frau Amtmännin , die er sich nicht entblödete , eine alte Kupplerin zu schelten . Wer weiß , welch törichtes Zeug er noch angerichtet haben würde , wenn nicht Christine , vielleicht absichtlich zu seinem Besten , den klugen Einfall gehabt hätte , die Magnetnadel nach dem entgegengesetzten Pol zu drehen . Sie wischte auf einmal mit einem Gut Nacht ,