der Stadt , aber in das Pfarrhaus , in welchem dazumal ein gottesfürchtiger und strenger Mann wohnte , verbannt gewesen sei , um von seiner Gottlosigkeit und unbegreiflich frühzeitigen Hexerei geheilt zu werden . Dieses sei aber nicht gelungen ; vorzüglich habe es nie dazu gebracht werden können , die drei Namen der höchsten Dreieinigkeit auszusprechen , und sei in dieser gottlosen Halsstarrigkeit verblieben und elendiglich verstorben . Es sei ein außerordentlich feines und kluges Mädchen in dem zarten Alter von sieben Jahren und dessenungeachtet die allerärgste Hexe gewesen . Besonders hätte es erwachsene Mannspersonen verführt und es ihnen angetan , wenn es sie nur angeblickt , daß selbe sich sterblich in das kleine Kind verliebt und seinetwegen böse Händel angefangen hätten . Sodann hätte es seinen Unfug mit dem Geflügel getrieben und insbesondere alle Tauben des Dorfes auf den Pfarrhof gelockt und selbst den frommen Herrn verhext , daß er dieselben öfter inbehalten , gebraten und zu seinem Schaden gespeist habe . Selbst die Fische im Wasser habe es gebannt , indem es tagelang am Ufer saß und die alten klugen Forellen verblendete , daß sie bei ihm verweilten und in großer Eitelkeit vor ihm herumschwänzelten , sich in der Sonne spiegelnd . Die alten Frauen pflegten diese Sage als Schreckmännchen für die Kinder zu gebrauchen , wenn sie nicht fromm waren , und fügten noch viele seltsame und phantastische Züge hinzu . Im Pfarrhause hingegen hing wirklich ein altes dunkles Ölgemälde , das Bildnis dieses merkwürdigen Kindes enthaltend . Es war ein außerordentlich zart gebautes Mädchen in einem blaßgrünen Damastkleide , dessen Saum in einem weiten Kreise starrte und die Füßchen nicht sehen ließ . Um den schlanken feinen Leib war eine goldene Kette geschlungen und hing vorn bis auf den Boden herab . Auf dem Haupte trug es einen kronenartigen Kopfputz aus flimmernden Gold- und Silberblättchen , von seidenen Schnüren und Perlen durchflochten . In seinen Händen hielt das Kind den Totenschädel eines andern Kindes und eine weiße Rose . Noch nie habe ich aber ein so schönes , liebliches und geistreiches Kinderantlitz gesehen wie das blasse Gesicht dieses Mädchens ; es war eher schmal als rund , eine tiefe Trauer lag darin , die glänzenden dunklen Augen sahen voll Schwermut und wie um Hilfe flehend auf den Beschauer , während um den geschlossenen Mund eine leise Spur von Schalkheit oder lächelnder Bitterkeit schwebte . Ein schweres Leiden schien dem ganzen Gesichte etwas Frühreifes und Frauenhaftes zu verleihen und erregte in dem Beschauenden eine unwillkürliche Sehnsucht , das lebendige Kind zu sehen , ihm schmeicheln und es küssen zu dürfen . Es war auch der Erinnerung des alten Dorfes unbewußt lieb und wert , und in den Erzählungen und Sagen von ihm war ebensoviel unwillkürliche Teilnahme als Abscheu zu bemerken . Die eigentliche Geschichte war nun die , daß das kleine Mädchen , einer adeligen , stolzen und höchst orthodoxen Familie angehörig , eine hartnäckige Abneigung gegen Gebet und Gottesdienst jeder Art zeigte , die Gebetbücher zerriß , welche man ihm gab , im Bette den Kopf in die Decke hüllte , wenn man ihm vorbetete , und kläglich zu schreien anfing , wenn man es in die düstere , kalte Kirche brachte , wo es sich vor dem schwarzen Manne auf der Kanzel zu fürchten vorgab . Es war ein Kind aus einer unglücklichen ersten Ehe und mochte sonst schon ein Stein des Anstoßes sein . So beschloß man , als es durch keine Mittel von der unerklärlichen Unart abgebracht werden konnte , das Kind jenem wegen seiner Frömmigkeit und Strenggläubigkeit berühmten Pfarrherrn versuchsweise in Pflege zu geben . Wenn schon die Familie die Sache als ein befremdliches und ihrem Rufe Unehre bringendes Unglück auffaßte , so betrachtete der dumpfe , harte Mann dieselbe vollends als eine unheilvolle infernalische Erscheinung , welcher mit aller Kraft entgegenzutreten sei . Demgemäß nahm er seine Maßregeln , und ein altes vergilbtes » diarium « , von ihm herrührend und im Pfarrhause aufbewahrt , enthält einige Notizen , welche über sein Verfahren sowie das weitere Schicksal des unglücklichen Geschöpfes hinreichenden Aufschluß geben . Folgende Stellen habe ich mir ihres seltsamen Inhaltes wegen abgeschrieben und will sie diesen Blättern einverleiben und so die Erinnerung an jenes Kind in meinen eigenen Erinnerungen aufbewahren , da sie sonst verlorengehen würde . » Heute habe ich von der hochgebornen und gottesfürchtigen Frau von M. das schuldende Kostgeld für das erste Quartal richtig erhalten , alsogleich quittiret und Bericht erstattet . Ferner der kleinen Meret ( Emerentia ) ihre wöchentlich zukommende Correction ertheilt und verscherpft , indeme sie nackent auf die Bank legte und mit einer neuen Ruthen züchtigte , nicht ohne Lamentiren und Seufzen zum Herren , daß Er das traurige Werk zu einem guten Ende führen möge . Hat die Kleine zwaren jämmerlich geschrieen und de- und wehmüthig um Pardon gebeten , aber nichts desto weniger nachher in ihrer Verstocktheit verharret und das Liederbuch verschmähet , so ich ihr zum Lernen vorgehalten . Habe sie derowegen kürzlich verschnauffen lassen und dann in Arrest gebracht in die dunkle Speckkammer , allwo sie gewimmert und geklaget , dann aber still geworden ist , bis sie urplötzlich zu singen und jubiliren angefangen , nicht anders wie die drey seligen Männer im Feuerofen , und habe ich zugehöret und erkennt , daß sie die nämliche versificirten Psalmen gesungen , so sie sonsten zu lernen refusirete , aber in so unnützlicher und weltlicher Weise , wie die thörichten und einfältigen Ammen- und Kindslieder haben ; so daß ich solches Gebahren für ein neue Schalkheit und Mißbrauch des Teufels zu nemen gezwungen ward . « Ferner : » Ist ein höchst lamentables Schreiben arriviret von Madame , welche in Wahrheit eine fürtreffliche und rechtgläubige Person ist . Sie hat besagten Brief mit ihren Thränen benetzet und mir auch die große Bekümmerniß des Herren Gemahls vermeldet , daß es mit der kleinen Meret nicht besser gehen will . Und ist dieses gewißlich eine große Calamität , so diesem hochansehnlichen und