erfüllte ihn fast mit Groll gegen die Launen des Geschicks . Er sah sich nicht etwa gestört in dem Genusse von Reichthümern , die ihm seine Entdeckung gewinnen konnte , er hatte diese Träume so entschieden abgelehnt , daß wir seinem ehrlichen Worte glauben dürfen ... es erfüllten ihn andere , uns noch dunkle Vorstellungen . Vielleicht begeisterte ihn nur der juristische Kampf um die Geltendmachung seiner Ansprüche . Vielleicht spornte ihn die Vorstellung : Du trittst jetzt mit einem verjährt scheinenden Rechte auf , weckst vergangene Misbräuche aus dem Moder der Schreibstuben , kämpfst gegen Besitzthümer , die sich vielleicht in ihrer Begründung unendlich sicher dünken ! Vielleicht verglich er die Zeit selbst mit seinem persönlichen Interesse . Dankmar war Jurist und Politiker . Sein Vater , ein denkender , ernster Beobachter , hatte früh in dieses Kindes Talenten die Fertigkeit der Rede , die schnelle Auffassung , den unverwüstlichen Trieb der Gerechtigkeit erkannt , und Dankmar , dem vielleicht ein anderer Beruf augenblicklich lieber gewesen wäre , mußte sich doch später sagen , daß die Bestimmung des Vaters einer tiefen Beobachtung entsprungen und eine richtige war . Man rühmte allgemein seine juristischen Deductionen . Nur zur rein formelhaften Erfassung des Rechts konnte er sich nicht abtödten . Ein Unrecht vertheidigen , das Recht suchen je nach der spielenden Beleuchtung scheinbarer Rechtssätze und zweideutiger Gesetzesstellen , war ihm auf die Länge unmöglich . Deshalb auch währte die Begründung einer festen Stellung für ihn länger als bei manchem geringern Talente . Er hatte schon seit fünf Jahren die Universität verlassen , alle Prüfungen bestanden , war vor den Gerichten , wie in der Gesellschaft wohlgekannt und seines Freimuths wegen gefürchtet , von der jüngern Frauenwelt , seines männlichen Äußern , fröhlichen Humors und seiner ritterlichen Galanterie wegen ebenso geschätzt wie sein sanfterer Bruder von der ältern Frauenwelt ; aber zu einem ergiebigen Anhalt an Ämter und Würden hatte er es noch nicht gebracht . Nur hier und da flossen ihm zuweilen in Diäten die Mittel zu , die ihm erlaubten , seinen Antheil an dem hinterlassenen kleinen väterlichen Vermögen zum größten Theile noch der Mutter anheimzustellen . Die Urkunden , die ihn vielleicht als den rechtmäßigen Erben eines vermoderten Hugo von Wildungen erwiesen , verwandelten sich in seiner Phantasie keineswegs in die Millionen , von denen er dem Bruder gesprochen . Er wußte , daß der Staat in diesem Augenblicke Alles daransetzte , jene allerdings seit Jahrhunderten offene Erbschaftsfrage in seinem Interesse zu lösen und die städtischen Besitzungen dem Fiscus zu gewinnen . Ihn reizte nur die Theilnahme an diesem Kampfe . Er wollte dem feudalen Staate zeigen , wie sich seine Anmaßungen in den Angeln eines Erbrechts bewegten , das zuletzt jedem Andern ebenso gut zustattenkommen könne wie einem Fürsten . Er knüpfte an diesen Proceß nur seine Wissenschaft , seine Kunst und die auf ihr sich gründende Zukunft seines Berufs , für den er ebenso viel Ehrgeiz besaß wie sein Bruder für die Malerkunst . Und nun sollten diese Träume an dem misgünstigsten Zufall , der einen einsamen auf der Landstraße preisgegebenen Frachtwagen treffen konnte , scheitern ? Er sah den Schrein erbrochen , die werthvollen Papiere zerstreut , zu gewöhnlichen Zwecken gedankenlos misbraucht , ja vielleicht gar in den Händen der beiden Parteien , denen vor allen der Besitz dieser uralten , glücklich aufgefundenen Verschreibungen zu entziehen war ! Er verfiel in tiefes , unmuthiges Sinnen . Wenn Sie darüber nachdenken , fing Hackert jetzt , der sich in sein Schicksal ergab , von selbst an , wie Sie zu Ihrem Verluste wiederkommen können , so rechnen Sie dabei nur nicht auf die hohenberger Justiz . Mit der sieht ' s nicht zum besten aus . Dankmar bemerkte : Sind Sie in Hohenberg bekannt ? Bekannt eben nicht , antwortete Hackert ; schlechte Justiz merkt man nie so gut in der Nähe wie in der Ferne . Den dortigen Patrimonialrichter kenne ich aber . Er war oft in der Residenz . Er soll nun in die ordentlichen Gerichte aufgenommen werden , und handelt noch mit der Regierung über seinen künftigen Titel . Fürstlich hohenbergischer Justizdirector hieß er und möchte den langen Schwanz nicht gern aufgeben , wenigstens seine Frau nicht , wenn auch die Stellung draufgehen wird . Wir treffen also ein Patrimonialgericht ? sagte Dankmar . Das ist mir für unsern Fall erwünscht . Es geht da mit einem Processe kurz und bündig zu . Ja , ja , antwortete Hackert , die Hohenberger haben gleich ihren Thurm , drei Klafter tief , bei der Hand . Der Thurm ist Inquisitoriat , Spinn- , Zuchthaus , Festung , Alles in einem Loche . Nach den allgemeinen vaterländischen Zuchthäusern schicken nämlich die Patrimonialrichter nicht gern , das wissen Sie wol ? Da müßten sie ja ans nächste Landesgericht referiren , das gibt Schreiberei , Untersuchung ; da werden von oben her Nasen über schlechte Proceduren ausgetheilt , und so kann Einer einen Mord anstiften , stehlen , einbrechen , falsch schwören und so lustig fort ; der Herr Justizdirector findet immer soviel mildernde Umstände , daß der Mörder mit einem halben Jahre Localhaft davonkommt und die Regierungsjustiz nicht genirt wird . Ein halbes Jahr , länger darf der Fürst von Hohenberg Keinen strafen , sonst muß der Spectakel gleich an das allgemeine Landgericht . Dankmar empfand jetzt fast Reue über die entschiedene Art , wie er Hackert entgegengetreten war . Er sprach da so kundig über Rechtsverhältnisse , daß fast ein collegialisches Gefühl in ihm auftauchte . Um Hackert ' s zurückgekehrte gute Laune im Zuge zu erhalten , sagte er : Ihre Schilderung ist nicht übel . Apropos ! Sie erwähnen den Fürsten von Hohenberg . Wissen Sie etwas von ihm ? Ich wunderte mich , was mein verdammter Fuhrmann von einem Balle auf dem Schlosse fabelte . Der alte Fürst Waldemar von Hohenberg ist todt . Der junge Prinz Egon ist ja wol verschollen ? Prinz Egon , sagte Hackert , der über diese Verhältnisse