? Sollst du mit den Fischern aufs Meer ziehen ? fragte sich der Graf . Sollst du dich mit dem ersten besten Engländer herumboxen ? Sollst du dich in eine Auster verlieben , oder sollst du gar zum Zeitvertreib heiraten ? - - O ihr unsterblichen Götter : heiraten ! welch eine Idee ! Übrigens wäre die Geschichte doch nicht so übel , dachte der Graf . In der Ehe langweilt man sich wenigstens nicht mehr ganz allein : man langweilt sich zu zweien , und dies ist schon ein Vorzug , ein sehr großer Vorzug ! O himmlischer Vater , du weißt es , wozu die Langeweile einen Menschen verleiten kann - - Ja , du weißt alles . Auch meine geheimsten Gedanken kennst du , und gewiß werden dir bei deinem vortrefflichen Gedächtnis noch jene ausgezeichneten Gebete oder , wie der alte Kant sagt , jene » oratorischen Übungen « erinnerlich sein , die ich manchmal in stiller Mitternacht » aus einem Rest von kindlichem Gefühle « zu dir emporlallte , wenn ich mit des Jahrhunderts lieblichen Töchtern des Vergänglichen viel genossen hatte und nun plötzlich auf den närrischen Gedanken kam , daß ein treues Eheweib am Ende doch noch besser sei als alle jene undankbaren , unersättlichen Loretten , die der böse Herr Teufel gezeugt hat mit der schönen Frau Venus . Du hast sie gehört , jene rührenden Gebete , und du wirst sie gnädig verziehen haben . Sieh , o Vater der Götter , Zeus , du Wolkenversammler - sieh , Jehovah oder Odin oder wie du dich nennen willst : auch heute befinde ich mich wieder in dieser heiratslustigen Stimmung . Ich langweile mich auf dieser einsamen Insel ; es ist nicht gut , daß der Mensch alleine sei ; drum erhöre mein Gebet und nimm mir , wie weiland unserm Urgroßonkel Adam , eine Rippe aus der Seite , auf das ich morgen früh ein holdes häusliches Wesen an meiner Brust finde , im leichten Nachtkleid , eine Rose in Steifleinen . Also betete der Graf , und wenn er nicht wirklich der Ritter Schnapphahnski war , so werden meine Leser doch gestehen müssen , daß die » oratorischen Übungen « unsres Helden eine frappante Ähnlichkeit mit den Herzensergüssen Schnapphahnskis hatten . Wie dem aber auch sei , soviel ist gewiß , daß der Himmel das Gebet des unglücklichen Grafen erhörte - wenn auch gerade nicht in streng-alttestamentlichem Sinne . Denn sieh , als unser Graf einst mit mehreren gleichgesinnten Badeseelen in dem hübschen Gemache seines Hotels saß und eben damit beschäftigt war , statt der Diamanten des reinsten Wassers die Perlen des vorzüglichsten Champagners in die Nacht seines gramvollen Lebens hereinstrahlen zu lassen , da wurden plötzlich die Türen geöffnet und herein trat - - - Die schöne Insulanerin war ein liebenswürdiges Mädchen . Sie zählte etwa 24 Jahre , als sie der Herr Graf kennenlernte . Prächtig schwarzes Haar umfloß die blendend weißen Schultern , und der üppige Busen , die schlanke Taille und der kleine Fuß , doch vor allem der Liebreiz ihres seligen Lächelns : alles das hatte schon manchen Nordsee-Sohn halbtoll gemacht . Ja , schon mancher wilde Bursche war zahm und liebegefoltert vor ihr in den Staub gesunken ; aber keck hatte sie noch immer den Fuß auf ihrer Verehrer Nacken gesetzt , und der alte Ozean war der einzige , der sich rühmen konnte , daß er den Lilienleib der Schönen umschlungen und ihn im Gekräusel der Wogen davongetragen habe . Da betrat Graf G. den Strand der Insel - - aber ich sehe zu meinem Schrecken , daß ich in vollem Zuge bin , eine Liebesgeschichte zu schreiben ! Genug , die schöne Insulanerin verliebte sich in den » reichen « Grafen ; und der » bankrotte « Graf freute sich nicht wenig über sein rasches Glück . Die guten Eltern des armen Kindes waren zu sehr von den noblen Gesinnungen ihres Schwiegersohnes überzeugt , als daß sie seinen Werbungen etwas in den Weg gelegt hätten , und wer sonst von den einfachen Fischern den edlen Herrn mit so unendlichem Anstand Champagner trinken sah , der mußte sich gestehen , daß die jugendliche Insulanerin einen Gemahl bekomme , der überirdisch vornehm und liebenswürdig sei . Se . Hochgeboren spielten die Farçe ausnehmend gut , ja , sie spielten sie schließlich von der Nordseeinsel hinüber nach Hamburg , wo sich wunderbarerweise ein katholischer Geistlicher fand , der nicht die geringsten Schwierigkeiten machte , das abenteuerliche Paar zu trauen . Bei einem Hamburger Advokaten existieren noch heutigen Tages die Akten über diese Vermählung , die später zu einer der interessantesten gerichtlichen Untersuchungen Veranlassung gab . Es geht daraus hervor , daß der schöne abenteuerliche Graf G. eigentlich durch nichts bewies , daß er wirklich der eheliche Sohn des Grafen G.v.W. usw. sei . Da der Herr Pfarrer aber so gefällig war , den Akt der Trauung mit seinem Gewissen zu vereinbaren , so konnte sich die schöne Insulanerin nichtsdestoweniger bald Komtesse de G. nennen und erschien unter diesem Titel mit ihrem Gemahle wieder auf der heimischen Insel , angestaunt von den nachbarlichen Fischern und vielfach bewundert von dem Schwarm neugieriger Gäste , den die Dampfer von Hamburg aus nach dem felsigen Eiland hinüberbrachten . Wochen und Monate flossen so dahin , da trat eines Morgens der Herr Graf zu der liebenswürdigsten aller Gräfinnen und kündigte ihr an , daß er trotz der interessantesten Umstände , in denen sich die jugendliche Komtesse befand , einmal hinüberreisen müsse nach dem Vaterlande , um einige finanzielle Angelegenheiten zu ordnen , die lange genug vernachlässigt worden wären . Vergebens bat die junge Dame , daß der Herr Gemahl so freundlich sein möge , sie mit sich zu nehmen . Der Graf war unerbittlich , und als am folgenden Tage Eos mit Rosenfingern emporstieg und der Schlot des » Patrioten « in die frische Seeluft hinausdampfte , da wurden zum Abschied die Tücher geschwenkt , und die arme Komtesse sah ihren Gemahl