warf sie sich wieder aufs Bett und war in Kurzem fest eingeschlafen . Ralph begann , seine Schwester jetzt mit leiser Stimme genau zu instruiren , wie sie sich gegen Gilbert zu verhalten habe . Dann suchte jedes sein Lager . Nur der alte Naumann sah noch immer in die glühenden Kohlen , als wolle er darin die Antwort auf die Frage lesen , warum in der Welt ein so ungeheurer Unterschied zwischen Reichen und Armen existire . III Als die » Gesellschaft « so plötzlich durch die Anmeldung so ungebetener Gäste gestört worden war , wurde , ehe sie sich ganz trennte , noch Zeit und Ort der nächsten Zusammenkunft berathen , worauf die einzelnen Mitglieder durch verschiedene Ausgänge das alte Gebäude verließen . An der Ecke der nächsten Straße trafen Ralph , Hartwig und der alte Steiger wieder zusammen . Sie schritten eine Zeit lang neben einander hin , ohne zu sprechen . Ralph war , wie sein zu Boden gesenkter Kopf und sein bald langsamer bald hastiger Schritt es bekundete , in Gedanken versunken , die sein ganzes Interesse so in Anspruch nahmen , daß er seine Begleiter gänzlich zu vergessen schien . Diese aber warfen abwechselnd einen Blick auf Ralph , als erwarteten sie , daß er zuerst reden solle . Endlich brach Steiger das Schweigen . -- Hör ' mal Ralph - fing er an - Du bist ein Kopfhänger geworden seit einiger Zeit und das will mir nicht gefallen . Was hast Du ? sag ' an . Ich hoffe nicht , daß Du schwankend geworden bist . - Schwankend ? Wie man ' s nehmen will . Die beiden Andern sahen sich mit bedeutungsvollen Blicken an . Ralph aber fuhr , ohne es zu bemerken , fort : - Ja , könnten wir uns Alle auf einander verlassen , dann wäre das Ding anders . So aber weiß man nicht , ob man mit Freund oder Feind zu thun hat . - Was soll das heißen ? - fragte der alte Steiger stirnrunzelnd . - Das soll heißen - erwiederte Jener düster - daß ein Verräther unter uns ist . - Ein Verräther ? - fragte Hartwig und Steiger erbleichend . - Ja , ein Verräther ! Ich wiederhole es . Aber ich werde Mittel finden , ihn zu entlarven . Es folgte eine Pause . Daß Gilbert gemeint sei , konnte nach der zwischen diesem und Ralph heute vorgefallenen Scene nicht zweifelhaft sein . Aber weder Steiger noch Hartwig glaubten an Gilbert ' s Verrätherei , sondern suchten den Grund von Ralphs Mißstimmung in der Eifersucht zwischen ihm und dem von ihnen Allen sehr geachteten und selbst gefürchteten Gilbert . Mochten nun dieser Eifersucht noch andere Motive zu Grunde liegen , so war die Vermuthung der beiden Freunde Ralphs wenigstens nicht ganz unwahrscheinlich . Ehe Gilbert nach Berlin und durch einen Zufall , den wir in einem der folgenden Capitel erwähnen werden , in die Gesellschaft der » Achtzehner « - ein Name , der von der Anzahl der Mitglieder gebildet war - gekommen , hatte Ralph durch seine Energie und Gewandheit die Gesellschaft , deren Stifter er war , wenn nicht zu beherrschen , so doch in ihr sich ein bedeutendes Ansehen zu erwerben gewußt . Als die Kunde von der Februarrevolution das erstaunte Europa durchflog , war es sein erster Gedanke gewesen , die Gesellschaft , welche bis dahin mehr einen gesellschaftlichen Charakter getragen , politisch zu organisiren und durch die vielfach verzweigten Verbindungen , welche jedes einzelne Mitglied in der Stadt und selbst der nächsten Umgebung besaß , zum Centrum einer revolutionären Propaganda zu machen . Grade als diese Organisation durch den rührigen und verschwiegenen Ralph ihrer Vollendung nahe war und die revolutionäre Propaganda bereits erfreuliche Fortschritte gemacht hatte , erschien plötzlich Gilbert , welcher durch seinen Enthusiasmus für die französische Revolution , welche er selbst mitgemacht hatte , und besonders durch die lebendigen Schilderungen , welche er davon den hörbegierigen » Achtzehnern « entwarf , in wenig Tagen sich das Vertrauen der ganzen Gesellschaft - mit Ausnahme eines Einzigen - erwarb . Dieser Einzige war Ralph . Mit mißtrauischem , vielleicht durch Eifersucht geschärftem Auge beobachtete er den gewandten Franzosen . Dieser , schnell den Grund der Kälte Ralphs ahnend , schloß sich ihm um so fester an und vermied Alles , wodurch seine Eitelkeit - denn dafür hielt er es - verletzt werden konnte . Aber je mehr Jener sich ihm näherte , desto weiter entfernte sich Ralph von ihm , bis Gilbert das Vergebliche seiner Bemühungen einsehend und ohnehin in dem Vertrauen der Gesellschaft hinlänglich befestigt , ihm Gleiches mit Gleichem erwiederte . Scenen , wie die früher beschriebenen , gehörten daher keineswegs zu den Seltenheiten , und hatten dem alten Steiger schon oft Gelegenheit zu Vorwürfen gegen seinen jungen Freund gegeben . Auch diesmal hatte er , unmittelbar nach jenem Vorfall sich vorgenommen , ihm » tüchtig den Kopf zu waschen « . Die Hindeutung auf Gilberts Verrätherei hatte den Alten vollends in Harnisch gebracht , so daß er jetzt , einen kräftigen Fluch voranschickend , in ganz unverholener Weise und harten Ausdrücken Ralph einer jämmerlichen » Eitelkeit « und » kindischen Eifersucht « beschuldigte . - Du - schloß er seine Apostrophe - der Du grade uns immer davor warntest , nur nicht über persönliche Vortheile und die kleinlichen Interessen des Standes das große allgemeine Ziel aus den Augen zu verlieren , Du , der Du als erste Bedingung zur Aufnahme in unsern Bund die Fähigkeit stelltest , sich und seine Kräfte zu opfern - für die Befreiung des ganzen Arbeiterstandes von der Knechtschaft des Geldes und des Ansehens - Du grade fällst in diesen Fehler ! - Pfui , schäme Dich , ein solches Beispiel zu geben . Ich hatte Dich für größer und uneigenütziger gehalten . Von jedem Andern , selbst von Hartwig , würde Ralph diese Vorwürfe nicht geduldet haben , den alten Steiger aber ließ er ruhig zu Ende reden