» Oburn hat viele Freunde ; will ihm Niemand helfen ? « » Niemand , gnädige Frau ! « » Unser Mobiliar und Silberzeug ist von bedeutendem Werth ! Verkaufen Sie alles - und retten Sie die Ehre meines Mannes ! « » Die Summe ist zu groß , und kann dadurch nicht getilgt werden . Auch ist es zu spät . In zwölf Stunden muß die Zahlung geschehen sein - oder - « Madame Oburn bedeckte die Augen mit den Händen , und rief leidenschaftlich : » Genug , Ehrig , genug ! « Eine Stunde später hatte Herr Oburn eine lange , geheime Unterredung mit dem Prinzen C * * . Sie mußte für beide befriedigend ausgefallen sein ; denn das Gesicht des Prinzen sah bei ' m Abschied triumphirend aus , und auch Herr Oburn trat sichtlich erheitert und ruhig in das Comtoir , und verkündete dem Buchhalter , daß der Prinz bereit sei , Morgen früh die Summe von 10,000 Rthlr . vorzuschießen . Bei dieser Nachricht erbleichte Ehrig , und sah Oburn mit einem vorwurfsvollen Blicke an , den dieser nicht ertragen konnte . Rasch wandte er sich ab , und ging in das Gemach seiner Frau . Stumm trat er ein ; es war eine unheimliche Pause ! Sie lag auf dem schwarzen Sammet-Sopha , betäubt und lautlos , er ging hastig im Zimmer auf und ab . Dann sprach er plötzlich in bittendem Ton : » Johanna , Johanna ! Bei meiner Ehre ! Es giebt nur dies eine Mittel , uns zu retten ! Glaube nicht , daß ich leichten Sinnes mich dazu entschlossen ! Es hat mich schweren Kampf gekostet ; denn ich liebe Dich ! - Du mußt - - - - - - - ! « » Oburn , « schrie die Frau ihm entgegen , « Du willst mich verkaufen , wie eine Sache , wie Dein Eigenthum verhandeln ! Fühlst Du nicht die namenlose Beschimpfung und Entwürdigung , die Dich trifft , wie mich ! « » Die Welt erfährt nichts davon ; diese Beschimpfung bleibt im Stillen , und wir können uns , wenn es uns auch schwer fällt , über Vorurtheile hinwegsetzen . Hier gilt es die Ehre vor der Welt , unsere ganze bürgerliche Stellung ! davon hängt der Werth unseres Lebens ab ; und sie müssen wir gegen jedes Opfer erretten ! « » Oburn - es ist nicht möglich - noch glaub ' ich nicht , daß es Dir Ernst ist mit so schimpflicher Barbarei - « » Es ist mein Ernst ; ich bin entschlossen . Gerade an diesem Opfer will ich Deine Liebe erkennen ! Es bleibt dabei ! « » Du hast kein Recht , über meine Liebe und meine Ehre zu bestimmen . Ich werde die heiligsten Rechte meines Herzens und Lebens wahren - dies ist die Stelle , die uns auf ewig trennen muß . « Oburn nahm einen bittenden Ton an , ein Ton , der seinem Wesen fremd war , zu dem ihm nur die schmerzlichste Zerknirschung seines Innern treiben konnte . Das höchste Gut seines Lebens stand auf dem Spiel - und in die Gewalt seiner Frau war es gegeben , den drohenden Sturm zu beschwören . Gerade der nahe Verlust zeigte ihm den ganzen Werth des klingenden Mammons ; seine fiebernde Angst ließ ihn ängstlich nach Rettung umhersuchen ; das Gold stand wie ein Phantom vor seiner Seele , unentfliehbar , ihn fesselnd mit eherner Macht ; und wuchs in den phantastischen Bildern , die durch seine Seele jagten , zu riesenhafter Gestalt . Wie klein schien ihm dagegen das Opfer , das seine Frau bringen sollte , ein kurzes Liebesglück an einen Fremden verschwendet , eine selige Nacht , untreu den Laren des Hauses , unter einem fremden Gestirn geträumt ! Dennoch ängstigte ihn die fieberhafte Spannung seiner Frau . Er stand vor ihr wie ein Delinquent , der um Gnade fleht ; doch sie wies ihn mit Entschiedenheit zurück . Er wollte ihre Erklärung nicht als fest , ihren Entschluß nicht als wandellos hinnehmen , und verließ das Zimmer , mit dem Versprechen , nach zwei Stunden zurückzukehren , indem er die Hoffnung aussprach , sie dann bekehrt zu sehn , und geheilt von ihren thörichten Vorurtheilen . - Madame Oburn war in jene Spannung versetzt , die , wenn sie nicht die Seele aufzehren sollte , sich in äußerer Handlung rasch und entschieden bethätigen mußte . Der Bruch in ihrem Leben war vollendet : sie fühlte sich durch die Zumuthung ihres Gatten entehrt , in dem innersten Kern ihres Wesens verletzt . Die vollständige Entfremdung ließ sie nicht einen Augenblick länger mit ihm unter demselben Dache verweilen . Er hatte sich des Rechts auf ihre Liebe unwerth gemacht , eine Liebe , die gerade jetzt im Unglück ihm treu zur Seite stehen sollte . Dieser Gedanke verzögerte auf kurze Zeit ihren Entschluß ; doch sie wurde sich darüber klar , daß von Pflichten zwischen ihr und ihrem Gatten nicht mehr die Rede sein könne . Rasch und geheim ließ sie ihre Sachen einpacken , den Reisewagen fertig machen , und fuhr , ohne von Oburn Abschied zu nehmen , aus dem Hause , die Schande fliehend , die ihr drohte . Frei athmete sie draußen auf ; es ging der Hauptstadt zu , einer stürmischen Welt voller Klippen und Untiefen , deren Wogen manch leuchtendes Segel zur Tiefe hinabziehen , aber auch manch lichte Perle aus ihrem Schoße zu Tage fördern . Das war der erste Abschnitt ihrer Ehe , reich an allen Conflikten , welche das Leben der Gegenwart bewegen . Gewaltsam hatte sie sich losgerissen von qualvollen Verhältnissen , die in innerer Auflösung sie zu zertrümmern drohten . Ihren Gatten ließ sie allein , anheimgegeben dem modernen Fatum , das Menschen und Götter beherrscht , dem Golde , das wie Saturn seine eigenen Kinder verschlingt ! Sie rettete ihr besseres Selbst vor der brutalen Gewalt , die sich