diese Worte gesagt hatte , entfernte sie sich hastig . Er setzte sich auf die Bank , welche sie verlassen hatte , sah ihr nach , und überließ sich dann wunderlichen Träumen . VII. Ein Empfang » O , meiner Mutter blasse Wangen , Im ganzen Haus kein Stückchen Brod ! Der Vater schritt zu Markt mit Fluchen - « Ferdinand Freiligrath . Das Jahr hatte sich seinem winterlichen Ende genaht . Elisabeths sehnlichster Wunsch war , aus dem Institut , in dem ihr der Aufenthalt , nachdem es Thalheim verlassen , unerträglich schien , sobald als möglich zu scheiden . Ihre Eltern hatten diesen Wunsch erfüllt . Sie verließ die Residenz zu Weihnachten mit Paulinen zugleich . Aber sie reis ' ten in verschiednen Wagen , und zu verschiedenen Stunden ab . » Vielleicht , « sagte Pauline bei ' m Scheiden , » vermögen wir uns in der ersten Zelt nicht wiederzusehen ; wir wollen uns aber ein großes Zeichen unsres Einverständnisses geben , ein Zeichen , das unsere ganze Umgebung sehen soll : wir wollen am Christmorgen den armen Kindern bescheeren , Du denen des Dorfes , ich denen unsrer Fabrik . Willigst Du ein ? « » Von ganzem Herzen - es würde Thalheim freuen , wenn er unsern Entschluß ahnen könnte - aber wir werden uns bald wiedersehen , wir werden einander bleiben , was wir uns bisher gewesen sind . « Die Freundinnen fielen einander noch ein Mal in die Arme , und Pauline fuhr zuerst davon ; bald folgte auch Elisabeth . Pauline athmete frei und leicht auf , als sie die Residenz hinter sich hatte . Sie hatte dort außer Elisabeths Freundschaft , welche ihr doch auch erst in der letzten Zeit zu Theil ward , Nichts als Kränkungen erfahren , sie hatte sich überall zurückgesetzt gesehen - nur weil sie aus bürgerlichem Stande war . Nun war sie geschützt gegen all ' die bittern Wirkungen dieser festsitzenden Vorurtheile , denn das traute Vaterhaus erwartete sie . Wie sehnte sie sich nach dem heitern Frieden dieses ländlichen Lebens , wie freute sie sich , in die Arme ihres theuern Vaters zu fliegen , den sie so lange nicht gesehen hatte . Mit welcher Zärtlichkeit und Umsicht gedachte sie seinen Wünschen nachzukommen , wie wollte sie sein Alter erfreuen und erheitern ! - Seit ihren Kinderjahren war sie nicht wieder in die Fabrik des Vaters gekommen , wenn auch dieser selbst sie hier und da besucht hatte . Sie besaß ein großes Bild von dieser Fabrik . Wie schön erschien darauf das von Bäumen umgebene palastartige Wohnhaus - daneben die nicht minder großen Gebäude mir den vielen hohen hellen Fenstern , hinter denen viele Maschinen und Hunderte von Menschen arbeiteten ! Wie malerisch nahmen sich auf diesem Bilde die Hütten aus , welche die Arbeiter bewohnten - und in der Mitte des hofartigen Platzes der kleine Thurm mit der Uhr , welche man weithin sehen konnte , und der großen , freischwebenden Glocke . Auch ein prachtvoller Garten mit Terrassen blühender Blumen und seltner Bäume fehlte nicht . » Und dieser reizende Aufenthalt , « dachte Pauline , » wird mein bleibender Aufenthalt sein , ist meine Heimath ! Wie glücklich werde ich sein ! - « Jetzt freilich war es Winter , wie sie ankam . Sie reis ' te allein , ihr Vater und ihr ältester Bruder hatten nicht Zeit gehabt , sie abzuholen - ihr jüngerer Bruder wurde selbst erst später erwartet . Es that ihr doch leid , daß der Vater keine Zeit hatte für sein Kind , das er so lange nicht gesehen - doch sie dachte , es müsse wohl einmal so sein , und beruhigte sich dabei . - Sie hatte einen Tag lang zu fahren . Es war Abend geworden , als sie auf der Höhe ankam , von welcher aus sie die Fabrik zuerst konnte liegen sehen . » Da , « sagte der Kutscher , und zeigte auf die seitwärts liegende Ebene , in welche sie jetzt einen Blick thun konnten . » Dort ist das Haus des Vaters ! « rief Pauline jubelnd , klopfte fröhlich in die kleinen Hände , und eine Thräne der Rührung und Freude fiel aus ihren Augen . » Aber was ist denn das ? « sagte sie nach einem Weilchen , als sie genauer hingesehen hatte , » so helles Licht kann doch nicht in allen Zimmern sein ? Und sogar draußen die Terrassen schimmern hell , und am Himmel breitet sich ein lichter Schein über das Ganze aus . « » Ei , ja doch , « sagte der Kutscher , » der Herr Vater hat Ihretwegen illuminiren lassen . Das nimmt sich ganz schön aus ! « » Der gute , liebe Vater , wie lieb er mich haben muß ! « sagte Pauline immer fröhlicher und gerührter . » Ja , er hat es sich Etwas kosten lassen , Sie recht großartig zu empfangen , « versetzte der Kutscher wieder . Sie hatten nur noch eine kleine halbe Stunde zu fahren - dann fuhren sie an den ersten Häusern vorbei , welche von Fabrikanten bewohnt waren . » Da kommt sie ! « rief eine Schaar versammelter Kinder , und näherte sich mit Hallogeschrei dem Wagen . » Macht keinen solchen Lärm ! « sagte eine barsche Männerstimme . » Lassen Sie den guten Kindern immer ihren Spaß , « sagte Pauline zu dem Wagen heraus , der jetzt langsam fuhr , damit die Pferde vor dem nahen Lichtglanz sich nicht scheuen mögten . » Lassen Sie die Kinder , ich freue mich , wenn sie mich mit solchem Jubel empfangen . « Ein grobes , bittres Gelächter antwortete diesen Worten , es klang Paulinen so unheimlich und widerwärtig , daß sie sich beinah erschrocken in eine Wagenecke zurückzog . - » Halt ' s Maul , Canaillen ! « antwortete der Kutscher auf dies Gelächter und knallte drohend mit der Peitsche .