.... nicht die Liebe . « » Und was giebt die Liebe ? « » Das Herz ! « » Falsch ! - Sie giebt immer das was grade ersehnt wird ! - Sie verstehen nichts von der Liebe , Sibylle . « Er sprang auf und verließ mich dann immer plötzlich , so daß ich meinem träumerischen Nachsinnen überlassen zurückblieb . Das war in Granada . Ich hatte durchaus in der Alhambra wohnen wollen . Es wurde bewerkstelligt , aber nur für mich , meine Kammerfrau und einen Diener . In der Wohnung des Pförtners wurden einige unbenutzte Zimmer für mich nothdürftig eingerichtet . Die Fenster gingen in den Patio de los arraynes , und ich genoß die Wonne zu jeder Stunde des Tages und der Nacht in den Sälen , Hallen und Gärten der maurischen Könige ungestörten Zutritt zu haben . Mein Diener besorgte meine höchst einfache Küche ; ich aß Reis und trank Chocolade . Paul und Otbert wohnten unten in der Stadt . Ich lebte wie es mir eben einfiel ! ich ließ mir Tänzerinnen kommen und lernte geschickt ihre üppigen , graziösen Tänze . Ich ließ Zigeuner holen , die mir wahrsagen und wilde Lieder singen mußten . Einmal gab ich für Paul und Otbert ein Fest in der Sala de los Embajadores , ganz voll Tänze , Gesänge , bunter Lampen und Blumen . Sie mußten Beide in der Majo-Tracht kommen . Otbert trug sie charmant ! Man muß ein bischen Schauspieler und ein bischen Fanfaron sein um ihre Vortheile gehörig geltend zu machen . Er verstand das ! aber mit so ernster Grazie , daß er wieder einmal alle Frauen bezauberte . Ich sagte ihm : » Wäre ich eine Königin , so dürfte kein Mann anders als in Majo-Tracht an meinem Hof erscheinen . « » Da Ihr Hof unfehlbar nur ein Sänger- und Liebeshof sein würde , so wäre die neue Hoftracht an ihrem Platz . Aber stellen Sie sich einmal unsre Minister , Generäle , Diplomaten und Kammerherrn als Majos vor ! das wäre ja ein ewiges Pasquil auf alle Grazie . « In Sevilla hatte sich mein kleines Talent für Aquarel-Zeichnungen sehr angeregt gefühlt und ich hatte Skizzen der Gebäude und der Gemälde von Murillo gemacht , die jezt vor mir liegen und die mir trotz ihrer Unvollkommenheit verrathen , daß ich mit Fleiß , Ausdauer und Stetigkeit einen gewissen Grad der Vollkommenheit hätte erringen können ; - die Ausführung ist überall höchst mangelhaft , aber in Auffassung und Wurf des Gegenstandes ist etwas Geniales . In Granada arbeitete ich mit Eifer ; Zigeuner und Tänzerinnen mußten mir sitzen . Paul in seiner Majo-Tracht gelang mir außerordentlich . Ich hob sein naturtreues Bild in den Geist hinein - wie die Kunst das immer soll - und machte ein höchst characteristisches Porträt von ihm . Astrau hingegen gelang mir gar nicht . Stand er vor mir und fixirte ich ihn , so flimmerte stets etwas wie ein rosenfarbener Schleier zwischen uns . Wollte ich ihn aus dem Gedächtniß zeichnen , so verschwebte er mir ganz und gar in Duft und Glanz . Ich konnte ihn nicht treffen . » Was ist denn das ? rief er unmuthig ; ein halbes Dutzend der gleichgültigsten Leute malen Sie sprechend ähnlich ... und nicht mich ! - weshalb nicht mich , ich bitte ! « » Ich kann Sie nicht erfassen , entgegnete ich traurig ; kann Ihr Bild nicht genug in meinem Innern concentriren um es aus mir selbst wieder heraus zu erschaffen . « » Das ist ja eben kränkend für mich . « » Nein nein , Astrau , kränkend nicht ..... denn so ist es : treten Andre vor den Spiegel meines Auges und meiner Seele , so fängt er gelassen ihr Bild auf und gelassen zeichnet die Hand es ab . Doch Sie .... Astrau ! Sie werfen mir einen Regenbogen , einen Sonnenhimmel , ein tausendfarbiges Prisma über den Spiegel .... ich bin geblendet ! - Kann ich dafür ? « » Ihr Auge spinnt eine Welt aus Ihrem eigenen innerlichsten Selbst heraus - und in dieser Welt wohne ich nicht , Sibylle ! so wird es sein ! « sprach er schwermüthig . » Wenn nicht Sie - wer denn , Otbert ? « » O ! rief er heftig , Du liebst mich nicht .... aber wirst Du mich denn niemals lieben ? Gieb mir Hofnung , Sibylle ! sprich Ja ! « Er umschlang mich stürmisch mit dem rechten Arm , hob mit der linken Hand mein Gesicht zu sich empor und sah mich so dringend , forschend , glühend an , daß ich mich magnetisirt fühlte und ganz träumerisch sagte : » Ja Otbert .... das weiß ich nicht . « Ein Blitz des Zornes glitt über seine Züge , er schleuderte mich aus seinem Arm und eilte fort . Dies geschah in dem sogenannten Gärtchen der Lindaraja . Ich war entsetzt , Herz und Nerven thaten mir weh . Immer wenn ich traurig war zog es mich zur Erde herab , wenn froh - in die Lüfte empor . Ich setzte mich auf die Erde und weinte bitterlich . Otbert hatte ein Paar Gänge durch den Löwenhof gemacht und kam beruhigt wieder . Er hob mich liebreich auf und sagte in dem scherzhaft hofmeisternden Ton den er oft gebrauchte um mir Wahrheiten zu sagen : » Excentrisches Kind das Sie sind , Sie müssen mich nicht so fürchterlich quälen wenn Sie mich nicht lieben . Es ist freilich Frauenart mit dem Blick zu verheißen , mit dem Wort zu verneinen - allein man entdeckt doch bald welches von beiden die eigentliche Meinung ist . Bei Ihnen ist das unmöglich ! Sie sind nicht falsch , aber Sie sind auch nicht aufrichtig . Sie nähren absichtlich Widersprüche in sich und verstehen keinen derselben durch einen Entschluß zu brechen . Es wühlt ein Kampf in Ihnen und Sie bringen es zu keinem Siege ,