Hussaruf , ich weiß nicht was . Ich weiß auch nicht , ob ich durch die Jägerhaufen flog , ob ich noch einmal an dem Galgen vorüberkam , mir war ' s so . Zur Besinnung kam ich erst , als es schon dunkelte , und mein Rappen keuchend , athemlos in einem blauen dunstigen Moor nach einer Wegspur suchte . Wie viele Stunden ich da noch in der Irre ritt , weiß ich nicht . Mir war kalt , mir war heiß zu Muth , wenn ich an daß zurück dachte , bis ich endlich Licht sah . Wär ' s ein Irrwisch gewesen , eine Teufelsküche , mich hätt ' s nicht gewundert ; nun war ' s meines Freundes Götze Hohen-Ziatz . Ich bin hier und was denkt Ihr davon ? « » Ihr hattet vielleicht vergessen , den Abendsegen zu beten ? « bemerkte der Dechant . » Pah ! Da müßt ich oft Galgenmännlein sehen . « Peter Melchior hatte während der letzten Erzählung , die Hände unterm Tisch faltend , eine ganze Reihe von Gebeten zwischen den Zähnen gemurmelt . » ' S ist was nicht richtig in der Luft , « sagte er leise , » ich hab ' s von Anfang an gesagt . Die hagern Frauen an der Bleiche , der Krämer und sein verhextes Zeug , der Sturm , es geht was vor . Niemand weiß , wo ' s hinausläuft . Zwischen Gallus und Allerheiligen thut ' s nimmer gut , was vornehmen , aber Frau Brigitte hat keine Gottesfurcht , keinen rechten Glauben . Was mußte sie jetzt gerade die große Wäsche halten . Die hat ' s aufgerührt . « Der Ritter hatte wieder sein vornehm stolzes Gesicht . Er saß im Stuhl zurückgelehnt , ein verächtliches Lächeln schwebte über seine Lippen : » Auf eine Wäsche läuft ' s hinaus ! Es thut mir leid , so ich Wäsche gestört hätte . « Peter Melchior erzählte . Der Ritter hörte bei einigen Punkten aufmerksam zu , bis der Junker plötzlich mit den Fingern schnellt : » Nun hab ' ich ' s , das Galgenmännlein ! Claus Hedderich erzählte ja davon . Nicht der Ritter war ' s der Schneider Wiedeband . Richtig , der hängt noch am Galgen bei Beelitz in der Haide . « Der Herr von Lindenberg lehnte sich über den Tisch . Es war , als ob ihm mit dem frohen Gesicht des Junkers ein bleierner Bann auf der Brust sprang . Aber der Zweifel meldete sich wieder . » Ein Schneider in Sporen ! « » O das ist eine lustige Geschichte . Hättet Ihr nichts davon gehört ? Die von Beelitz zankten schon seit einem Jahre mit dem Schneider . Er war ein Gewandschneider , ein kleiner Mann nur , aber er hatte es dick sitzen im Kopf . Sagte es laut bei allen Zechen : Kleider machen Leute , also da der Schneider die Kleider macht , macht der Schneider auch die Stände . Schneiderte sich selbst Kappen und Mäntel und Hosen , wie Rathleute und Junker ; so oft ihn auch der Rath darum strafte , er stolzirte darin um , und sie brauchten ihn , denn Keiner verstand besser mit der Scheere umzugehen . Sonst hätten sie ihn längst in ' s Elend geschickt , aber er sagte , seine Amme hätt ' s ihm an der Wiege prophezeit , daß er als Ritter sterben würde . Nun hatte er den Rathsherrn ihre Mäntel zugeschnitten ; aber ehe ein halb Jahr um war , wurde das Tuch mürbe und riß . Die von Beelitz machten ein furchtbar Geschrei , aber er schrie wieder . Die sagten , er hätte das Zeug mit dem Bügel verbrannt , er sagte , sie hätten ihm verbranntes Tuch geliefert . Getagefahrtet ward von einem Schöppenstuhl zum andern bis die Köpfe lichterloh brannten . Die Zeugen schlugen sich schon , die von Treuenbrietzen , von Jüterbock , selbst die von Wittenberg mischten sich drein . Endlich waren sie einig , die Justiz könne das nicht abthun , und Wiedeband sagte den Beelitzern ab . Das kam vielen damals curios vor , daß ein Schneiderlein einer Stadt dürfte einen Fehdebrief schicken . In Leipzig und Wittenberg haben sie darüber vor der Facultät gestritten , ob es ging . Aber es ging . Das Schneiderlein hatte seinen Anhang , und mit seinen Gesellen von der Scheere that er ihnen manchen Schnitt , wo sie sich ' s gar nicht versahen . In Jüterbock hatte er ein festes Haus und saß wie ein Ritter , und , was wirklich eine Schande ist , die sächsischen Herren drüben , weil sie den Beelitz ' schen übel wollten , aus purer Scheelsucht , hielten ihn , als wär er zu ihnen . Er dürft ' in Sporen und Federhut aus-und einreiten auf ihren Schlössern , und liehen ihm manches Stück Roß und Zeug zu Schaden der von Beelitz . Hätte er sich nur begnügt , ihnen aufzulauern und ihre Leute zu werfen , so hätte er ' s manches Jahr treiben können , aber der Kamm schwoll ihm , und eines Morgens rückte er mit einem hellen Haufen vor ihr Thor . Da rief er ' nein , der Schneiderritter : als sie ihm hätten gebrannt Tuch geliefert , und dadurch gebranntes Herzeleid gemacht , so wollte er ihnen auch ' nen Brand zu riechen geben , daran Kind und Kindeskind denken sollten . Und gesagt , gethan , vor ihren Augen steckt er ihnen ihre Haide an , und ehe sie nur aus dem Schlaf in Hemde und Haube kriechen konnten , brannten zehn Morgen weg . Es wär ' noch mehr Unglück geschehen , wäre kein Regen gekommen . Nun aber wurden die von Beelitz fuchswild und lauerten ihm auf , wo sie konnten . Sie bestachen eine fahrende Frau , zu der er hielt , in Jüterbock in der Vorstadt , die ließ Nachts