hiesigen Aufenthalt vorbereitet hättest . Ach , mein Freund ! rief Alfred schmerzlich , wenn Du Dir vorstellen könntest , wie all diese Verhältnisse mir das Herz zerreißen , wie sehr ich unter ihnen leide , Du würdest mich weniger schwach schelten , als ich Dir offenbar erscheine . Felix durch einen Fremden von der Mutter abholen zu lassen , scheint mir eine entsetzliche Härte ; und ich selbst ? - Ich kämpfe seit vielen Tagen mit dem Gedanken , wie ich es anfange , mir den Sohn herzuschaffen , ohne daß seine Mutter es zu schwer empfindet . Ich will selbst nach dem Schlosse gehen , aber mir bangt vor dem Wiedersehen und vor der Trennung . Fasse einen festen Entschluß und gehe morgen , sagte der Präsident . Morgen ? wiederholte Alfred , nein ! morgen nicht , ich würde dann gerade am achtundzwanzigsten , an Carolinen ' s Namenstage eintreffen - das ist unmöglich . Er seufzte und sagte : Aber ich werde bald thun , was gethan sein muß . Ich werde zu ihr reisen , werde Felix mitbringen und mir ihre Zustimmung zu unserer Scheidung zu verschaffen suchen . Ich muß der Sache ein Ende machen , dieses beständige Schwanken ertrage ich nicht . Thue , was Du nicht ändern kannst , meinte der Präsident , und im Grunde kann ich Dich so hart nicht tadeln , denn auch ich habe heute einen entscheidenden Schritt gethan , um mich aus peinlichen Verhältnissen zu erlösen . Ich habe mit der Harcourt gebrochen . Heute ? fragte Alfred bestürzt , heute ? nach dem neulichen Vorfall ? Nimmermehr ! Gerade deshalb , sagte Julian . Ist ihr Betragen denn nicht höchst verletzend für mich gewesen ? Wie eine Rasende spielt sie Komödie in der Komödie , macht mich zum Zielpunkt für alle Blicke , und weshalb ? - Weil irgend ein närrischer Mensch ihr vorgeschwatzt , ich wolle Eva heirathen . Ich sah den Sturm heranziehen , ich verließ die Loge , um sie in ihrer Garderobe aufzusuchen ; kaum aber bin ich dort , so bringt man sie ohnmächtig herein , die andern Schauspielerinnen stürzen hilfeleistend nach , und sie erwacht mit meinem Namen auf den Lippen . Nun geht die interessante Neuigkeit von der Bühne in ' s Parterre , von dem Parterre durch die ganze Stadt und ich bin heute , Dank Eva ' s Kinderei und Sophien ' s Wahnsinn , das Gespräch der Kaffeehäuser . Er ging verdrießlich im Zimmer umher . Und ist sie Dir denn gar nichts mehr ? fragte Alfred . Ich bin überzeugt , daß sie Dich leidenschaftlich liebt ; gilt Dir das nichts ? Wie kann mich freuen , was mich quält ? Du sprichst von Liebe , als ob wir junge Männer wären , als ob ich Theophil von seiner ungetreuen Schönheit sprechen hörte . Die Zeiten sind für mich vorbei . Wer hat denn jetzt noch Muße zu einer sogenannten großen Liebe ? Sophie und ich , wir haben uns nicht verstanden , sie fordert mehr , als eine Frau verlangen dürfte ! Ich werde sie nicht wiedersehen . Und heute gerade wollte ich Dich zu ihr begleiten . Sie hat mich neulich so sehr angezogen , daß ich begierig bin , sie näher kennen zu lernen . Das trifft sich sehr glücklich , sagte der Präsident , denn ich wollte Dich bitten , zu ihr zu gehen . Ich verlange es sogar als einen Freundesdienst von Dir . Stelle ihr vor , wie die Sachen stehen . Sieh zu , daß Du sie von Uebereilungen , von Thorheiten abhältst . In Stunden der Aufregung pflegte sie das Unerhörteste zu lieben , das Ungewöhnlichste zu thun . Beruhige sie und rathe ihr sich verständig in das Unabänderliche zu fügen . Solche Frauen bedenken nicht , wie sehr wir den Anstand zu schonen haben , wie die Augen der Vorgesetzten und der Untergebenen auf uns ruhen , wie die ganze Journalistenmenge nur darauf wartet , einem hochgestellten Beamten etwas anhaben zu können ! Sophie hat mir schon die unangenehmsten Verwickelungen zugezogen und - In dem Augenblick klopfte es an die Thür , eine Stimme rief : Ich bitte um Audienz ! und Eva trat herein , Theophil nach sich ziehend . Julian ' s Antlitz erheiterte sich sogleich , er ging der jungen Frau entgegen , küßte ihr die Hand und führte sie zum Sopha . Was schafft mir das ganz unerwartete Glück , theure Cousine ! Sie in meinem Zimmer zu sehen ? fragte er galant . Man sagte mir , daß Sie um diese Zeit Audienz ertheilen und ich komme , Sie in einer wichtigen Angelegenheit zu Rathe zu ziehen . Hier Ihr Herr Assessor hat mich schwer verletzt und beleidigt , und Sie , Herr Präsident ! sollen mir Recht verschaffen und eine glänzende Genugthuung ; ich werde Sie königlich dafür belohnen . Ich bestreite aber dem Präsidenten , als Ihrem Verwandten , gnädige Frau , das Recht , Richter in unserer Angelegenheit zu sein . Er ist nicht unparteiisch , wendete der Assessor scherzend ein . Wo fänden Sie denn einen Richter , lieber Theophil ! sagte der Präsident , der nicht augenblicklich für Ihre schöne Gegnerin Partei nähme , sobald sie in Person die Klage anbringt ? - Das ist ein Nachtheil des öffentlichen Verfahrens , welches jetzt so heiß begehrt wird . Aber fürchten Sie nichts . Klägerin hat mich selbst oft so schwer gekränkt , daß die dadurch bewirkte Animosität ein Gleichgewicht gegen meine sonstige Vorliebe bilden wird . Rechnen Sie Beide auf volle Unparteilichkeit und , Frau von Barnfeld ! beginnen Sie Ihre Klage , ich bin ganz Ohr ! Erstens , sagte Eva , hat der junge Herr mich zwei Stunden hindurch immerfort gelangweilt . Wodurch ? fragte der Präsident . Mein Gott ! wodurch - durch Langeweile . Er hat mit Therese sehr ernsthaft über Unsterblichkeit gesprochen - Sie haben uns nicht dazu kommen lassen ,