nur das ganze Weltverhältnis werden durch die heilige Vernunft , laß sie Dein Mirabeau sein , wenn dieser Name Dir besser klingt . Widme ihm Deine Begeistrungen , da er Dir doch nur aus den Wolken herabpredigen kann , so wird dies leicht mit der Vernunft übereinstimmen , die auch immer über allen Projekten der Menschheit schwebt . Verzeih mir , wenn ich Dinge Dir mitzuteilen versuche , die viel reiner in Deiner Seele wohnen , die ich eigentlich in Dir selber wahrnehme , um sie Dir auszusprechen . Die Hoffnung auf eine köstliche Ernte macht mich so ungeduldig , ich sehe alles hervorsprießen und zur Blüte sich drängen in Dir , und kann es kaum erwarten , daß es der Wahrheit und Schönheit zugunsten reife . Noch einmal führ ich Dich auf Deine Studien zurück . Ach , wenn Du erst den Shakespeare englisch lesen kannst , das ist ein halbes Leben wert . Auch zeichne fort , recht fleißig und mit der Begierde , es zum Selbsterfinden zu bringen . - Die Zeit , die Du nicht arbeitest , liebe Bettine , mußt Du ja doch verlieren . Keine Minute lohnt Dir in Deiner Umgebung . Ja wohntest Du in der freien Natur und könntest in Feld und Tal und Wald und Berg herumlaufen , oder könntest Du mit Menschen sein wie mit Sternen , die ihren Einfluß auf große Charaktere ausübten und sie zu erhabnen Handlungen reizten . Aber leider haben die Sterne ihren Einfluß verloren , ich würde Dir dann nicht sagen : » Arbeite ! « denn dann würde die Ursprünglichkeit aller höheren Anlagen in Dir wie das Wort im Geist Fleisch geworden sein . Aber so kann es nicht sein noch werden , weil der Genius nicht mehr als erste Kraft in uns wirkt und wir uns an die Spekulation verkaufen . Du mußt daher in Deinem Innern Dir einen Schatz sammeln , worin Du Deiner Welt reines Sonnengold einschmelzest , auf daß die lebendige Sonne in Dir selber aufgehe . Ich wollte , mir wäre so in meiner Jugend geworden ! - Doch keine Klagen ! - Nein , so ist mir ' s nicht geworden ! - Gott hat mich vieles nur im Bedürfnis kennen gelehrt , damit ich es von Dir fordern könne ; und gern vertrauend , daß Du mir sicher folgst und unbefangen trauest , will ich Dir folgende Zeilen aus einem größeren Gedicht nicht vorenthalten , die ich in einer Stunde geschrieben habe , wo ich recht fest an Dich glaubte und das Leben um Deinetwillen liebte . Kehret Gedanken doch heimwärts , eilet den Tempel zu ordnen , Schafft mir im Herzen Gebet , eh es in Sehnsucht mir bricht , Drei sind ihrer , der Teuern , die weit in der Fremde mir weilen ; Zwei , dem Tode geweiht , grüße noch einmal mein Blick , Daß ich friedlich entsage dem , was die Fremde begehrt . Dann umfasse mich Leben , - denn eine noch weilet , - ich fühle , Daß sie das einzige ist : Leben und Liebe und Zukunft . - Wie mir ' s im Herzen , - das hat ihr der Gott in den Busen geschrieben , Wie in der Seele es mir , schrieb ihr der Gott in das Aug . - Schweigend spricht sie das Wort , was meine Lippe nicht redet ; Flieh ich , so ist sie die Flucht ; ruh ich , so ruht sie in mir . Suchst du sie ? - Dort in den Schatten des Waldes , wo sich das Dunkel Tiefer Begeisterung löst , stiller der Himmel sich senkt , Wo an der liebenden Brust , dem Gestade des brausenden Lebens , Des unendlichen Meeres Woge melodisch sich bricht . Dort weilt sie , dichtet fromm , was ihr Geister sie lehret , Begierig , Geheimes zu fassen , Und euch , ihr Götter , in mir , schuf nur des Kindes Gebet . Trösterin ! - Freundliche ! - Dein Seherauge entsiegelt dem Tode , Der dich als Leben umgibt , selbst den geschlossenen Blick . - Alles Bettine ! dem liebend dein schaffender Geist sich genährt , Was deine segnende Hand , was dein Gedanke berührt , Blühet schöner ein Freiheit verklärendes Leben . Bilde in mir deine Welt , du , die den Zweifel nicht kennt , Die aus dem Busen mir zog den vergifteten Pfeil . Alles , was der Genius zu bilden mich drängt , Bilde ich Schwacher es nicht , weilt schon gestaltet in dir . Schützend will ich dir folgen , du Leben , das , wo ich zage , mich schützt ; Das , wo ich welke erblüht , gern mir die Jugend ersetzt . Verwechselt im Herzen , schreitest du kühn auf tobender Woge , Die aufbraust in mir und sänftigst sie , daß sie heller , melodischer klingt . In dir weile ich flammend , du gibst die lindernden Öle , Und so sühnt sich in dir , opfernd den Göttern , der Sturm . Ach , liebes Kind , wie einzig möcht ich Deine Begriffe und Ahnungen so stark machen , daß sie wirklich endlich zum Kern würden , zum reinen Gesetz , an dem alle Verkehrtheit zu scheitern komme . Ach lerne , arbeite , Dich zu bereichern , was es auch sei , nichts ist unbedeutend , alles nährt und weckt und erleuchtet . Aus allem kannst Du weben und flechten einen schattigen Hut , wo die Sonne im Zenit steht , eine Freiheitsmütze , die Deine höheren Anlagen schützt . Ach die Welt ist groß . Es gibt mildere Sonnenhimmel ! - Spanien , wo die Orangen Dir in den Schoß rollen , ich muß Dich hinführen , wo die ganze Natur Dir bestätigt , was Du ahnest , was Du suchst und glaubst , drum lasse Deinen Geist kühn jede Stufe erklimmen , fürchte nicht , daß er ermüde , nein , er kann durch