wünschte lebhaft , die Verlobung Clara ' s mit William , die ihr sehr am Herzen lag , so schnell als möglich geschlossen zu sehen . Darum war ihr jede Veranlassung willkommen , die Clara und Hughes zusammenführte , besonders diese , bei welcher der junge Mann als Beschützer des Mädchens auftrat ; und es war ihr lieb , wenn sich die Leute gewöhnten , das Paar als verlobt zu betrachten , weil nur zu häufig das Urtheil der Welt uns erst zu Entschlüssen bestimmt , die wir sonst vielleicht gar nicht oder doch viel später fassen würden . Eine größere Freude hätte die Commerzienräthin aber weder ihrer Tochter noch Eduard bereiten können . Beide erglühten vor Lust , als ihre Blicke sich begegneten . Die Verabredung wurde für den nächsten Morgen getroffen , und Eduard eilte nach Hause , um seine Eltern davon in Kenntniß zu setzen . Auch Reinhard war , als er sich von Joseph trennte , nach seiner Wohnung gegangen , und so stürmisch in das friedliche Zimmer der Pfarrerin getreten , daß diese , Brille und Strickzeug bei Seite legend , verwundert zu dem Sohne empor sah , denn sie war dergleichen Ausbrüche in ihrer Nähe , die er wie geheiligten Boden ehrte , nicht gewöhnt . Was ist geschehen , Gustav ? sprich mein Sohn ! fragte sie endlich , als Reinhard , der offenbar keinen Anfang zu dieser Unterhaltung zu machen vermochte , sich schweigend neben sie auf das Sopha warf , und tief aufathmend sein Gesicht in den Händen barg . Was ist geschehen ? Um Gotteswillen ! fragte die Mutter noch einmal , so rede doch . Und des starken Mannes Lippen bebten , und aus beklommener Brust stieß er die Worte heraus : Ich liebe Jenny , und ich sah sie an ihres Vetters Brust ! Auch die Pfarrerin fuhr zusammen . Armer Sohn , sprach sie , also ist sie Joseph ' s Braut ? Und ich glaubte , sie theile Deine Liebe , die ich lang schon kannte . Sieh Mutter , das ist es ! Auch ich habe an ihre Liebe geglaubt . Ich bete sie an , sie ist der Gedanke meiner Tage , der ewige Traum meiner Nächte gewesen , und nun ! Die Mutter drang in ihn , ihr genau zu berichten , was vorgefallen sei . Reinhard ' s Erzählung , von den leidenschaftlichsten Klagen unterbrochen , ließ sie einsehen , daß ihres Sohnes Eifersucht der Geliebten Unrecht gethan haben möchte . Sie fragte ihn , ob er Jenny seine Liebe bekannt habe ? Niemals ! antwortete er . Ein mir sonst unbekanntes Bangen hielt mich davon zurück . Wenn ich es zu sagen vermöchte , wie ich Jenny liebe , das schöne , schöne Geschöpf , dessen Lehrer ich gewesen bin , dessen Geist ich gebildet habe , dessen Herz so warm , an dessen Seite zu leben das heißeste Verlangen meines Lebens ist ! Aber in Jenny ist noch ein zweites , fremdes Wesen , das mich kalt zurückstößt , wenn mein Herz ihr offen und warm entgegenwallt . - Hast Du Jenny gesehen , wenn sie den schalen Witzen des albernen Steinheim Beifall lächelt ? wenn sie mit Wonne die Huldigungen von Alt und Jung duldet , und kein höheres Glück zu kennen scheint , als die Pracht und den Luxus , die sie umgeben , keine andere Freude , als Allem Hohn zu sprechen , was es Großes und Heiliges gibt ? Ich habe sie am Morgen Thränen der Rührung vergießen sehen über Empfindungen , die sie am Abend spottend verlachte ; und oft , wenn Ihr schönes Auge mich zu den schönsten Hoffnungen berechtigte , verletzte mich im nächsten Augenblick ihr kaltes Wort so schwer , daß ich schon tausendmal entschlossen war , sie für immerdar zu fliehen . Und sie zu fliehen , sie nicht zu sehen , Mutter ! von Jenny zu scheiden , vermag ich doch nicht mehr . - Beide schwiegen , und die Pfarrerin weinte still . Neulich , fuhr er nach einer Weile fort , hörte sie von dem Unglück einer armen Familie sprechen ; sie war sehr bewegt und doch so klug und ruhig in den Hülfsleistungen , die sie anbot . Sie war gerührt wie ein Weib , und klar und verständig wie ein Mann . Hoch erfreut betrachtete ich sie , wie sie geschäftig alles Nöthige ordnete und aus Kisten und Schränken zusammentrug , was irgend der augenblicklichen Noth zu steuern vermochte . Und nach einer Stunde , als vielleicht auf ihr junges Haupt der beste Segen des Himmels von den Armen erfleht wurde , hörte ich selbst aus ihrem Munde die Worte : Die Dürftigkeit ist nicht poetisch , ich habe nie an die glückliche Armuth geglaubt , sie ist nur niederziehend , ist nur kläglich . - Und ich sollte daran denken , sie in ein kleines Pfarrhaus einzuführen , das ihr niederziehend und kläglich scheinen könnte ? - Nein ! niemals , niemals ! Und wieder entstand eine lange und traurige Pause , bis die Pfarrerin endlich sagte , indem sie ihren Arm um ihren Sohn schlang : Mein armer Sohn ! leider ist manches wahr in Deinen Klagen . Aber bist Du sicher , daß Du Jenny nicht Unrecht thust mit Deinem Urtheil ? Ihr Herz ist gut , sie liebt Dich , und viele ihrer Fehler , die ich nicht verkenne , würden sich verlieren , wenn sie in der Ehe höhere und reinere Freuden kennen lernte , als den Luxus ihres Vaterhauses . O ! das ist es auch nicht , rief Reinhard , innerlichst erfreut , sich widersprochen und die Geliebte gelobt zu sehen . Das ist es nicht ! Gönne ich ihr nicht die Perlenschnur in ihren schönen Locken ? Freue ich mich nicht selbst , wenn der weiche Caschmirshawl sich um die kleine , feine Gestalt legt , und die Schultern blendend weiß daraus hervorschimmern ? Sie ist geboren für