, ist mir ein Beweis mehr , daß er ein sehr guter Ehemann und seiner Frau sehr ergeben sein würde . Sehen Sie , Liebste ! wenn Sie Thalberg gelegentlich meiner Johanna vorstellten , sie vielleicht einmal zusammen einladen möchten - damit sie einander doch kennen lernten - das verpflichtet ja zu Nichts , Thalberg selbst braucht es gar nicht zu wissen ; und gelingt es , so haben wir einem Paar lieber Menschen zu ihrem Glück verholfen , und ich , liebste Freundin ! bin Ihre Schuldnerin für immer . Sie hätte noch lange fortsprechen können , ohne von Clementinen unterbrochen zu werden , so erschrocken war diese anfangs vor der Aussicht , Robert verheirathet zu denken . Bald aber siegte ihre edlere Natur . Es schien ihr , als zeige ihr der Himmel selber eine Möglichkeit , sich und Robert zu erretten , und so schwer es ihr auch fiel , ging sie bereitwillig auf den Gedanken dieser Verbindung ein , und versprach , so weit es in ihrer Macht stände , die nöthigen Schritte dafür zu thun . Als aber die Staatsräthin sich entfernt hatte , warf sich Clementine mit heißen Thränen auf das Sopha . Sie selbst sollte Robert eine Frau geben , sie sollte ihn veranlassen , ihrer zu vergessen , eine Andere zu lieben ! Sie sollte ihn dann nicht mehr sehen - denn sicher würde er mit der jungen Frau gleich nach der Hochzeit nach Hochberg gehen . Wie konnte sie das auch nur wünschen ? Eine lebhafte Eifersucht zuckte in ihr auf . Sie sah im Geiste Johanna schon in Hochberg walten , sie sah , wie Robert glücklich war mit der jungen , von ihm geliebten Frau , und ein Gefühl von Neid und Bitterkeit , wie sie es nie gekannt hatte , regte sich in ihr bei dem Gedanken , daß eine Andere das einzige Glück besitzen würde , nach dem sie selber sich ihr Leben hindurch vergeblich gesehnt hatte , daß eine Fremde ihm das Glück bereiten würde , das er einst in ihr zu finden gehofft - und wie glücklich mußte ein Mann mit seinem Herzen sein können ! An dem Gedanken raffte sie sich empor . Des Geliebten Glück ! das war ja Alles , was sie wollte . Sie selbst konnte ihm fortan nur Schmerz und keine reine Freude mehr bereiten ; so sollte er denn glücklich werden , durch ein Mädchen , das sie ihm gewählt . Dann würde er freilich fortziehen , sie würde ihn entbehren und wie schwer entbehren ! Aber er würde glücklich sein , und sie selbst mußte es versuchen , in dem Bewußtsein des Unabänderlichen ruhig zu werden , und durch die größte Hingebung das Unrecht gegen Meining zu sühnen trachten , das sie ihm wider ihren Willen angethan hatte . An dem Gelingen ihres Planes zweifelte sie keinen Augenblick . Ihre Eifersucht ließ sie in Johannen plötzlich eine unwiderstehliche Schönheit erblicken , sie fand sich selbst verblüht und alt , sie malte es sich aus , wie Robert überrascht sein würde durch Johannen ' s jugendliche Reize ; wie schnell er sie selber darüber wieder vergessen würde . Das aber sollte ihre gerechte Buße sein . Sie selbst wollte Johanna an sich ziehen und , so weit sie es vermöchte , zu deren Ausbildung beitragen , damit Thalberg in seiner künftigen Frau all ' das Glück fände , das Clementine ihm wünschte . So war in wenig Minuten aus einem jungen , fremden Mädchen , aus einem halben Kinde , das Nichts davon ahnte , ein Gegenstand der Abneigung für Clementine geworden , dessen sie einen Augenblick später schon wieder mit einer fast mütterlichen Rührung gedachte und an deren Zukunft sie mit den edelsten Gefühlen ihrer Seele hing . Eine Freude , wie nach guter That , belohnte sie für den Kampf dieser Stunde ; sie fühlte sich ihrem Manne gegenüber durch ihr redliches Streben gerechtfertigt . Sie hatte Muth , ihm frei in das Auge zu sehen , und dachte mit weicher Ruhe an Robert , dessen Besuch sie an dem Abende erwartete , an welchem ihr Mann seine gewohnte Partie in seinem Hause zu machen dachte , und auch Marianne und Frau von Stein sich bei ihr einstellen sollten . Man war schon am Ende des Februar ; die Luft war mild , die Tage länger geworden . In dem Wohnzimmer der Geheimräthin waren die Fenster geöffnet , der leichte Abendwind bewegte die Blumen vor demselben auf und nieder und beugte die Blüthen einer mächtigen Cala , die in grünem Kübel neben dem Lehnstuhl stand , auf Clementinens schönes Haar . Ihre Nerven hatten durch die leidenschaftliche , unterdrückte Aufregung der letzten Zeit gelitten ; sie fühlte sich sehr matt und ruhte in ihrem Sessel , damit ihre Gäste später Nichts von ihrer Schwäche gewahr würden . Sinnend blickte sie in den Kelch der weißen Blume und kühlte ihr Gesicht mit den großen , träumerischen Blättern . So mag wol die Lotosblume blühen , dachte sie , und sehnte sich hin nach den stillen Thälern einer fernen Welt , fort aus der Gesellschaft und aus Verhältnissen , die ihr zur Pein geworden waren , in eine Welt voll Frieden , voll Schönheit und voll Ruhe . Da wurde ihr Robert gemeldet , der , um sie wenigstens einen Augenblick allein zu sprechen , früher gekommen war , als sich die Gesellschaft in ihrem Hause zu versammeln pflegte . Sie hatten sich einige Tage hindurch nicht gesehen , Robert fand sie bleicher als sonst und fragte nach ihrem Befinden . Sie klagte über Ermüdung , drückte aber die Hoffnung aus , die gute Jahreszeit werde sie herstellen , wenn sie erst ihre Sommerwohnung bezogen haben würde . Nur noch wenig Wochen , sagte sie , und wir wandern Alle aus und die Stadt wird leer ; auch Sie gehen ja nun vermuthlich bald auf ' s Land hinaus ? Ich weiß es selbst noch nicht , gnädige Frau