bin . Auch in Petersburg , wie früher in Moskau , war Iwan Yakuchin Richards treuer Freund geblieben . Die heitre Gegenwart des stets lebenslustigen Gesellen trug nicht wenig dazu bei , ihm über manche dunkle Stunde hinaus zu helfen , deren er jetzt leider nicht wenige zählte . Tage , ja Wochen vergingen , während welchen Helena und selbst Eugen , hingerissen von dem geräuschvollen Treiben der großen Welt , in deren Mitte sie jetzt lebten , ihm kaum einige , gleichsam im Fluge zu erhaschende Augenblicke schenken konnten . Der Abstand zwischen sich und ihnen ward ihm dann so fühlbar , so drückend , daß er darüber in Trübsinn und Hoffnungslosigkeit rettungslos hätte untergehen müssen , wäre Iwan mit seiner unversiegbaren Fröhlichkeit nicht dazwischen getreten , und hätte ihn zu Vergnügungen fortgerissen , die ihm zwar wenig Genuß , aber doch Zerstreuung gewährten . Auf diese Weise gerieth Richard auf Kaffeehäusern , in Restaurationen und an ähnlichen Orten in eine zahllose Menge von Bekanntschaften , von denen nur sehr wenige seinem verfeinerten Gefühle für Geselligkeit zusagen konnten . Doch um so weniger durfte er es wagen , seinen gar zu treuherzigen Freund ihnen allein zu übergeben . Der gutmüthige , nichts weniger als argwöhnische Iwan hatte sich sogar schon einigemal an Orte verlocken lassen , wo in Vergnügen verkleidete Raubsucht in tiefer Verborgenheit ihr wüstes Wesen treibt , und nur Richards Gegenwart war es gelungen , den Unvorsichtigen aus ihren Klauen zu befreien , und ihn vor allerlei andern gefährlichen Abenteuern zu bewahren . Eines Abends gingen beide Freunde mit eintretender Dämmerung Arm in Arm ihrer Wohnung zu . Es war um die Zeit , wo der Winter dem im Norden mit rascheren Schritten heraneilenden Frühlinge zu weichen beginnt ; die Newa hatte ihre starre Eisdecke abgeworfen , der Schnee war verschwunden , und ein scharfer Ostwind hatte , selbst in dem sehr abgelegenen , etwas verrufenen Quartiere der Stadt , in welchem sie sich eben befanden , das Labyrinth von engen Gäßchen gangbar gemacht , das nur selten der Fuß der Bewohner der breiten prächtigen Straßen von Petersburg zu betreten pflegte . Beide Freunde befanden sich eben in keiner rosenfarbnen Stimmung . Richard , durch einen glücklichen Zufall geleitet , hatte abermals seinen leichtsinnigen Schützling in einem der berüchtigtsten heimlichen Spielvereine aufgefunden , und ihn mit sich fortgeführt . Er war in einer sehr nachdrücklichen Strafpredigt begriffen , die Iwan , in seiner großen Unzufriedenheit mit sich selbst , geduldig und reuevoll über sich ergehen ließ , denn er hatte so eben den größten Theil seiner Baarschaft am grünen Tische zurückgelassen . Einige demüthige Versprechungen sich zu bessern waren alles , was er seinem zürnenden und beredten Freunde entgegenzustellen wagte ; doch er hatte diese schon zu oft geleistet , und zu oft gebrochen , um einen gewichtigen Eindruck davon hoffen zu können . Endlich wurde er aber doch des bloßen Anhörens müde : Es geht nicht mit rechten Dingen zu , ich sage Dir ich bin behext , rief er sehr lebhaft . Richy , Du weißt es ja selbst , daß ich am eigentlichen Spielen nicht mehr Freude habe als Du . Wenn es auch anfänglich mich amüsirt , es wird mir immer gleich wieder langweilig , besonders wenn ich gewinne . Anderer Leute Gold einzusäckeln schäme ich mich , ich spiele weiter fort , um es wieder los zu werden ; dann geht gemeiniglich auch mein eigenes mit zum T .... l , das verdrießt mich , ich spiele weiter , um es wieder zu bekommen , und so wird das Übel immer ärger . Daß man mit solchen Gesinnungen kein Spieler vom Fach werden kann , siehst Du doch ein . Aber ich will mich bessern , das schwöre ich Dir zu , Richy ; wenn nur die lustige Gesellschaft mich nicht lockte , ich rührte zeitlebens weder Karte noch Würfel an . Die lustige Gesellschaft ? eiferte Richard : wahrhaftig eine saubere Gesellschaft ! Giebt es in der Welt ein abstoßenderes Gesicht , als das im braunen Überrocke , das Dir heute schon zum drittenmal gegenüber saß . Ich meine den großen starken Mann , mit der grünen Brille vor den Augen . In seinem Wesen liegt etwas , das ihm das Ansehen eines Mannes von Stande giebt . Das ist er aber auch , fiel Iwan , froh dem Gespräche eine andere Wendung geben zu können , hastig ein ; sie nennen ihn alle Herr Baron , seinen Namen habe ich aber noch nicht erfahren können . Sei er was und wer er wolle , sprach Richard sehr unmuthig , er ist mir tief in der Seele zuwider . Was man eigentlich häßlich nennen könnte ist er nicht , aber sein versteinertes Gesicht sieht wie der verödete Wahlplatz aller nur möglichen gehässigen Leidenschaften aus , die jemals eine enge Menschenbrust durchtobten . Nimm dazu den gleißenden Heuchlerschein , mit dem er seine innere Verworfenheit zu überkleistern strebt ; recht wie ein getünchtes Grab , von außen Schaumgold , von innen Greuel der Verwesung . Dich in seiner Nähe zu sehen , kann ich nun einmal gar nicht ertragen . Still ! denk ' an das Sprichwort vom Wolf ; wenn nicht alles mich täuscht , biegt er dort , zwanzig Schritte vor uns , um die Ecke , flüsterte Iwan , und strengte seine , durch das frühere Leben im Gebirge mit der Schärfe eines Wilden begabten Augen und Ohren an , um die neblige Dämmerung die vor ihm lag zu durchdringen . Richard sah nur undeutliche Umrisse einer vor ihnen sich bewegenden Gestalt . Ich höre seine Stimme , ich höre auch eine weibliche klagende ; schnell , da müssen wir hin , rief Iwan plötzlich , und riß seinen Freund im Sturmschritt mit sich vorwärts . Sie erreichten in wenig Secunden eine seltsame Gruppe ; eine schlanke , jugendliche , in Mantel und Schleier sittsam verhüllte Gestalt , eine kurze , dicke , theatralisch bunt aufgeputzte ältliche Frau von