doch eine schöne Welt , - nämlich die , welche sich dort in den bunten Hüten und flatternden Schleiern , im weißen Kleid und durchsichtigen Busenflor , mit den Phantasielocken und Backenbärten , mit dem englischen Frack und den französischen Pantalons , über den Platz am Brunnen hinbewegt . Sie biegen alle in das hohe Portal des Schlosses ein , und wir müssen ihnen nach . Ich höre schon aus der Ferne einige tüchtige Grundstriche der Baßgeige , die Musik im Park hat begonnen . Wir mischen uns in das Gedränge , wir theilen muthig , wie geschickte Schwimmer , den glänzenden Strom , im Vorübereilen manchen schönen Arm streifend . Nun sind wir in der großen Allee , in der sich Alles in wogenden Gruppen auf und niederbewegt , die vornehmsten und reizendsten Gestalten , höchste Welt und anmuthigstes Volk aller Art , Elegantes im Großen , Elegantes im Kleinen . Außerordentlich gut und zahlreich ist besonders die Damen-Vegetation gerathen . Ein unübersehbares Beet strahlender Blumen , frischer und gemachter Rosen . Sie nehmen mehr als Dreiviertel des ganzen Gesichtskreises ein , und würden die Sonne verdunkeln , wenn sie nicht hinter Wolken untergegangen wäre . Man hat eine auserlesene Flora und Fauna fast aller Nationalitäten in einem bunten Festbouquet beisammen . Dem Concert kehrt man bald den Rücken , bald sucht man es wieder auf . Man läßt sich bald auf den Seitenbänken unter hübscher , selbstgewählter Gesellschaft nieder , bald schiebt man sich in der Mitte der Allee unter auf und nieder wandelnden Reihen fort , und folgt diesem oder jenem Augenstern , der in unser Sonnensystem zu passen scheint . Wahrlich , so viel schöne Mädchengesichter sieht man nur in einem Badeort , der gewissermaßen ein Bazar so mancher Frühlingserstlinge ist , auf einen Punct versammelt , obwohl sonst Teplitz an Eleganz und Reichthum der Toilette zurückstehen muß gegen die übrigen böhmischen Bäder . Dies ist jedoch nur Ergebniß der preussischen Einfachheit , zu welcher der hier verweilende Hof den Ton angiebt . Wir sehen uns noch ein wenig die Damen an . Jene Engländerin mit ihrer ätherischen Taille erkennst Du gleich heraus . Ein hochgewachsenes , fast durchsichtiges Bild schwebt sie mit ihren schlanken Schritten an dem Arm eines menschenfeindlichen , in einen langen , gelben , vorn ganz zugeknöpften Ueberrock gekleideten Lords vorüber . Sie blickt wenig umher , das blasse feine Gesicht ist meist in etwas gleichgültiger Ruhe auf die Spitze ihrer kleinen Füße gerichtet . Ihre ganze Gestalt ist heller , klarer Krystall , aber ohne farbige Sonnenreflexe . An ihren Bewegungen verräth sich dort die Französin , mit der kleinen zierlichen Figur , dunkelm Teint , starker Gesichtszeichnung und den bedeutend blickenden Augen . Sie geht frei und lächelt sieggewohnt ; ihre Blicke beherrschen den ganzen Umkreis der ihr begegnenden Gesichter . Sie weiß unaufhörlich etwas zu sprechen zu ihren Begleiterinnen , sie scheint Esprit zu haben , und macht Bemerkungen . Und das dort ist eine schöne Jüdin aus Berlin , reizend in dem gewissermaßen geklärten Orientalismus , der ihre eigenthümlich geschnittenen Gesichtszüge färbt , mit üppigen , lebensvollen Formen . Ein interessanter Schlag , sehr häufig in Berlin , und in dieser anmuthigen Klärung der Formen Abrahams gewissermaßen die dortige halbe Emancipation des Judenthums ausdrückend . Denn die ganze Emancipation müßte nothwendig entweder rein christliche , oder wieder durchaus stockjüdische Formen geschaffen haben . Jetzt aber erhebe den Blick zu jener polnischen Gräfin , die dort im vollen Glanz und Zauber ihrer Nationalität aus der sie umgebenden Damengruppe hervorragt . Sie ist ganz Polin , die originelle sarmatische Natur kann sich in den feurig sprühenden Bewegungen dieser Gestalt keinen Augenblick verläugnen . Die großen blauen Augen rollen umher und suchen ein Ziel ; das Zucken und scharfe Ziehen um den schönen , stolzen Mund scheint jeder Annäherung zu spotten , und doch verräth ein wunderbar blitzender Gesichtszug , daß die Polin genial und hingegeben in der Liebe ist , wie keine andere Frau . Und wer ist die kleine Unschuld , die auf jener Bank so tief verschleiert dasitzt ? Ein hübsches , gutes , deutsches Mädchen . Sie sieht aus , als hätte sie sich an frommen Erbauungsschriften , an den Glockentönen von Strauß , und den Stunden der Andacht , etwas schwindsüchtig gelesen . Den Schleier aber hat sie heut nicht aus ascetischer Frömmigkeit heruntergelassen . Die Badekur scheint eine bunte Schärfe auf ihrem nicht uninteressanten Gesicht hervorgelockt zu haben , und daher dieser Nonnenschleier . Auch die Frommen dürfen sich der Weltklugheit gar nicht schämen . - Alles wäre indeß schon gut , und ich wollte mich mit noch einmal so großer Lust unter diese frohbewegten Reihen mengen , wenn ich nur allein wäre . Ja , ich muß Dir nur gestehen , Madonna , ich bin nicht allein . Es läuft mir immer Jemand nach , ein unausstehlicher Reisegefährte , den ich schlechterdings hier nicht loswerden kann . Es ist der leibhafte und absolute Philister , der sich in Gestalt eines Postsecretairs aus Wittenberg an meine Fersen gehangen hat . Einen langweiligeren , miserableren Menschen sahst Du nie , und , denke Dir , er liebt mich . Ich bin mit ihm von Dresden hieher gefahren , und nun drängt er mir unaufhörlich seine Gesellschaft auf , weil er sich allein nicht getraut , sich die Stadt zu besehen . Er will überall mit mir gehen , ich soll überall mit ihm , denn der deutsche Philister ist ängstlich , sobald er unter Menschen geräth , die zwei Augen und eine Nase haben . So ist er wie ein Kind , und doch wieder wie ein Teufel der Langenweile , und ich könnte mich todt über ihn lachen , wenn mir nicht unheimlich würde vor der bewundernswürdigen Oede seiner Gestalt . Stelle Dir einen langen , noch um zwei Kopfgrößen mich überragenden Jüngling vor , mit einem selbstgefälligen Blick , einen Jüngling , der einen hellblauen Frack mit übernatürlich großen Messingknöpfen , dazu ein Paar