» komme nicht näher , kehre wieder um , wir müssen uns doch trennen . « - » Was heißt das ? « - » So viel , daß wir uns ineinander geirrt haben und daß wir nicht zusammengehören . « - Ach , ich wendete um ! Ach , erste Verzweiflung , erster grausamer Schlag , so empfindlich für ein junges Herz ! Ich , die nichts kannte wie die Unterwerfung , die Hingebung in dieser Liebe , mußte so zurückgewiesen werden . - Ich lief nach Haus zur Meline , ich bat sie mitzugehen zur Günderode , zu sehen , was ihr fehle , sie zu bewegen , mir einen Augenblick ihr Angesicht zu gönnen ; ich dachte , wenn ich sie nur einmal ins Auge fassen könne , dann wolle ich sie zwingen ; ich lief über die Straße , vor der Zimmertür blieb ich stehen , ich ließ die Meline allein zu ihr eintreten , ich wartete , ich zitterte und rang die Hände in dem kleinen engen Gang , der mich so oft zu ihr geführt hatte ; - die Meline kam heraus mit verweinten Augen , sie zog mich schweigend mit sich fort ; - einen Augenblick hatte mich der Schmerz übermannt , aber gleich stand ich wieder auf den Füßen ; nun ! dacht ich , wenn das Schicksal mir nicht schmeicheln will , so wollen wir Ball mit ihm spielen ; ich war heiter , ich war lustig , ich war überreizt , aber Nächten weinte ich im Schlaf . - Am zweiten Tag ging ich des Wegs , wo ihre Wohnung war , da sah ich die Wohnung von Goethes Mutter , die ich nicht näher kannte und nie besucht hatte ; ich trat ein . » Frau Rat « , sagte ich , » ich will Ihre Bekanntschaft machen , mir ist eine Freundin in der Stiftsdame Günderode verloren gegangen , und die sollen Sie mir ersetzen . « - » Wir wollen ' s versuchen « , sagte sie , und so kam ich alle Tage und setzte mich auf den Schemel und ließ mir von ihrem Sohn erzählen und schrieb ' s alles auf und schickte es der Günderode ; - wie sie in ' s Rheingau ging , sendete sie mir die Papiere zurück ; die Magd , die sie mir brachte , sagte , es habe der Stiftsdame heftig das Herz geklopft , da sie ihr die Papiere gegeben , und auf ihre Frage , was sie bestellen solle , habe sie geantwortet : » Nichts . « - Es vergingen vierzehn Tage , da kam Fritz Schlosser ; er bat mich um ein paar Zeilen an die Günderode , weil er ins Rheingau reisen werde und wolle gern ihre Bekanntschaft machen . Ich sagte , daß ich mit ihr brouilliert sei , ich bäte ihn aber , von mir zu sprechen und achtzugeben , was es für einen Eindruck auf sie mache . - » Wann gehen Sie hin « , sagte ich , » morgen ? « - » Nein , in acht Tagen . « - » O gehen Sie morgen , sonst treffen Sie sie nicht mehr ; - am Rhein ist ' s so melancholisch « , sagte ich scherzend , » da könnte sie sich ein Leid ' s antun ; « - Schlosser sah mich ängstlich an . » Ja ja « , sagte ich mutwillig , » sie stürzt sich ins Wasser oder ersticht sich aus bloßer Laune . « - » Frevlen Sie nicht « , sagte Schlosser , und nun frevelte ich erst recht : » Geben Sie acht , Schlosser , Sie finden Sie nicht mehr , wenn Sie nach alter Gewohnheit zögern , und ich sage Ihnen , gehen Sie heute lieber wie morgen und retten Sie sie von unzeitiger melancholischer Laune ; « - und im Scherz beschrieb ich sie , wie sie sich umbringen werde , im roten Kleid , mit aufgelöstem Schnürband , dicht unter der Brust die Wunde ; das nannte man tollen Übermut von mir , es war aber bewußtloser Überreiz , indem ich die Wahrheit vollkommen genau beschrieb . - Am andern Tag kam Franz und sagte : » Mädchen , wir wollen ins Rheingau gehen , da kannst Du die Günderode besuchen . « - » Wann ? « fragte ich - » Morgen « , sagte er ; - ach , ich packte mit Übereile ein , ich konnte kaum erwarten , daß wir gingen ; alles , was mir begegnete , schob ich hastig aus dem Weg , aber es vergingen mehrere Tage und es ward die Reise immer verschoben ; endlich , da war meine Lust zur Reise in tiefe Trauer verwandelt , und ich wär lieber zurückgeblieben . - Da wir in Geisenheim ankamen , wo wir übernachteten , lag ich im Fenster und sah ins mondbespiegelte Wasser ; meine Schwägerin Toni saß am Fenster ; die Magd , die den Tisch deckte , sagte : » Gestern hat sich auch eine junge schöne Dame , die schon sechs Wochen hier sich aufhielt , bei Winckel umgebracht ; sie ging am Rhein spazieren ganz lang , dann lief sie nach Hause , holte ein Handtuch ; am Abend suchte man sie vergebens ; am andern Morgen fand man sie am Ufer unter Weidenbüschen , sie hatte das Handtuch voll Steine gesammelt und sich um den Hals gebunden , wahrscheinlich , weil sie sich in den Rhein versenken wollte , aber da sie sich ins Herz stach , fiel sie rückwärts , und so fand sie ein Bauer am Rhein liegen unter den Weiden an einem Ort , wo es am tiefsten ist . Er riß ihr den Dolch aus dem Herzen und schleuderte ihn voll Abscheu weit in den Rhein , die Schiffer sahen ihn fliegen , - da kamen sie herbei und trugen sie in die Stadt . « - Ich hatte