die gewünschte Lossprechung angedeihen , als Du beschwören kannst , durch besagte Verwechslung einen unglücklichen Knaben glücklich gemacht zu haben . « » Nun so sey es denn in Gottes Namen ! « sprach Willhild , und legte muthig ihre Hand auf das Kruzifix , das ihr Margarethe vorhielt und in dem ein Splitter von der Hirnschale der heil . Katharina eingefaßt war : » Da mein Seelenheil nicht gefährdet seyn soll , so schwöre ich das mit aufgelegten Händen auf die Heiligen zu den Heiligen , daß ich Euch nimmer verrathen werde , so lange mir die Augen offen stehen , an Niemanden , der da lebt , und vom Weibe geboren ist . « Hierauf küßte sie der Gebieterin die Hand und Beide begannen nun zu berathschlagen , wie und wann der Knabe in das Haus seiner neuen Eltern eingeführt werden sollte . Der kleine Hans saß dabei , ohne von der Verhandlung etwas zu verstehen , spielte mit dem Spitzhunde und liebkoste Margarethens Hand , und nannte sie einmal über das andre seine gute und liebe Mutter . - Ehe jedoch die Berathschlagung eine völlig genügende Wendung genommen hatte , hörte man von ferne den Schritt des heimgekehrten Gemahls . - Margarethe sprang mit Herzklopfen auf . - » Kein Zögern mehr ! « rief sie : » das Schicksal will schnellen Entschluß . Willkommen , Johannes Frosch ! Du wirst den Vater sehen ! « Sie drückte den Knaben mit wehmüthigen Gefühlen an ihre Brust , und drängte Willhild mit dem Kleinen in die Kammer . Schnell trocknete sie die Thräne von ihrer Wimper , schmückte vor dem Spiegel ihr Gesicht mit freundlichem Lächeln , und erwartete muthig , wiewohl nicht ohne innere Bangigkeit , den Eheherrn , der auch nicht säumte , bei ihr einzusprechen . » Guten Abend , Margarethe ! « sprach Diether in fröhlicher Weinlaune auf die Gattin zugehend , und sie in die Arme schließend . Er warf einen freundlichen Blick auf sie , und da er gewahrte , daß sie mit gleicher Freundlichkeit zu ihm aufsah , so freute er sich deß , und sagte : » Seht , liebe Ehewirthin , so gefallt ihr mir . Das düstre Gesicht , das schon seit geraumer Zeit Euer alltägliches geworden war , hat mir viel Nachdenken verursacht . Aber wenn Eure Stirn glänzt , wie ein Heller Spiegel und Euer Mund so zuckersüß lächelt , - gerade so wie jetzt , - dann geht mir das Herz auf . « Er küßte sie zärtlich . » Kommt , laßt uns Eins plaudern ; « fuhr er fort , und zog sie auf den gepolsterten Fenstersitz . » Es ist mir jetzt Bedürfniß , zu schwatzen wie eine Elster . Gar unlieb wäre es mir gewesen , wenn ich Euch noch trübsinnig gefunden hätte , wie heute zu Mittag , denn ein Glas Rheinfall hat meine Seele fröhlich gemacht , und eine wohlklingende Botschaft ist mir zu Ohren gekommen von meinem Sohne Dagobert . « » Welche ? « fragte Margarethe , nicht ohne Theilnahme . » Ihr seyd ein wackres Weib ! « versetzte der alte Diether , ihr die Hand drückend : » Ihr nehmt so viel Antheil an dem Jüngling , und er ist doch nur Euer Stiefsohn . Darum sagte ich ja immer , wenn mich meine Freunde und Spielgesellen aufhetzen wollten gegen Euch in Schnack und Schwank : meine Grete ist ein herzliebes Ehgespons , das sich weder an meinem grauen Bart stößt , noch nach dem flaumbärtigen Stiefsohn verlangt in Unehren ; und darum sollt Ihr auch jetzt wissen , daß der Dagobert glücklich und gesund zu Costnitz angekommen ist , wie mir - ' s ist kaum eine halbe Stunde - der Stadtschreiber Heinrich von Gelnhausen versichert hat , der in Reitstiefeln , gerade wie er vom Roß gestiegen , auf unsere Trinkstube Limpurg kam . Der Schöffe von Braunfels hat ihn zurückgesandt , um noch mehrere Schriften nachzubringen , und im Augenblicke der Abreise hat er unsern Dagobert , der gerade angekommen , begrüßt . - Nicht wahr , das freut Euch , so wie mich . « » Von ganzer Seele ; « versetzte die Frau . » Der Trunk Weins hat mir absonderlich darauf geschmeckt ; « versicherte Diether . » Mitten unter der Freude meines Herzens ist mir jedoch eine ernste Betrachtung angekommen . Sprecht selbst , liebe Ehewirthin : ist ' s nicht ein seltsam Schicksal , von dreien Kindern , die uns lieb sind , keines unter unsern Augen zu haben ? Von der Tochter will ich eigentlich nicht reden , denn sie hat sich selbst losgesagt von uns . Ihr Bruder aber ist fern , auf seinen Beruf bedacht ; und unser Johannes , mir das liebste von den Kindern , da Ihr seine Mutter seyd , lebt auch von uns entfernt , ohne daß wir selbst ihn pflegen könnten , und seinen schwächlichen Leib . « » Ihr würdet ihn also gerne wieder um Euch haben ? « fragte Margarethe lächelnd , obgleich ihr das Herz beinahe brach . » Welche , Frage ? « erwiederte Diether : » Zwei Jahre sind es fast , daß ich ihn nicht sah . Das verdammte Zipperlein hat mich gehindert , verwichenen Herbst den Buben zu besuchen , wie ich mir ' s vorgenommen . Aber so bald es wieder trocken und kalt wird , und meine Gicht das Leben im Steigbügel vertragen kann , steige ich zu Pferde , und gehe den Jungen zu küssen . « » Er ist recht kräftig geworden ; « sprach Margarethe . » Willhild hat mir gestern Botschaft gesandt . Seit ich ihn heimsuchte , hat er um Vieles zugenommen . « » Hat er ? « rief Diether : » beim Himmel ! das ist mir lieb . Ich sagte es oft . Ein gesunder Stamm trägt auch gesunde Früchte ! - Wenn er nur schon so weit wäre , daß er