der , in welcher ich mein funfzehntes Jahr antrat . Daß ich auch einmal will funfzehn Jahre alt gewesen sein , kommt Euch wahrscheinlich schon ein wenig sonderbar und unglaublich vor , « sezte sie lächelnd hinzu , » aber gewiß , ich war es doch wirklich , obgleich mir dies selbst jezt wie ein Traum dünken will . Euch wird es einst nicht besser gehn , liebe Kinder , freilich wird dann der Hügel , unter dem ich ruhen werde , schon seit langen Jahren eingesunken sein , aber die Zeit kommt doch , und es wird euch auch dann ebenfalls scheinen , als habe sie dennoch Euch übereilt . Deshalb wollen wir aber für jezt der Eilenden nicht weiter vorgreifen , denn sie holt uns ohnedem schnell genug ein . « » Seid ruhig , Kinder , « sprach die Tante , als beide Mädchen mit einem unendlich wehmüthigen Gefühl ' ihre Hände ergriffen , und sie küßten ; » seid ruhig , und laßt Euch nicht so von Andeutungen und Bildern erschrecken , welchen man in meinem Alter nur gar zu gern nachhängt , und denen man auch in dem Eurigen nie , wenigstens nicht geflissentlich , aus dem Wege gehen sollte . Und nun bitte ich Euch , stört mich im Verfolg meiner Erzählung so wenig als möglich durch Einreden jeder Art , und laßt mich fürs erste den bewußten Anlauf zum Anfange derselben nehmen , indem ich Euch ein Bild unsers häuslichen und geselligen Lebens leicht hinskizzire , so wie es damals bestand , als ich vor einigen und vierzig Jahren aus der Kinderstube in die Mädchenwelt eingeführt wurde . In jener , Euch so ferne liegenden Zeit war das Leben von Euresgleichen beides , reicher , und ärmer als das Eure . Aermer , unendlich ärmer an Willkühr und Freiheit ; an Ueberfluß und Mannigfaltigkeit der Vergnügungen reicher ; viel reicher an wahrem reinen Genuß ; denn eben jener Ueberfluß , dessen Ihr Euch rühmt , ermüdet am Ende , und die Seltenheit war ja von jeher die beste Würze unsrer Freuden . Dieses Lob meiner Zeit kommt Euch etwas sofistisch vor ? nun so werdet Ihr doch wenigstens gewiß einen zweiten Vorzug für voll gelten lassen , den Eure Grosmütter vor Euch voraus hatten , und von dem , wie die Welt jezt steht , fast keine Spur übrig geblieben ist ; ich meine hiermit jene allgemeine , zarte Aufmerksamkeit , jene an Ehrfurcht gränzende Hochachtung , jene , an die Zeiten alter Chevallerie erinnernde und aus diesen abstammende , ehrerbietige Galanterie , welche damals von allen gebildeten Männern unserem Geschlechte gezollt ward . Wenn wir einmal in der Gesellschaft erschienen , was freilich weit seltner geschah als jezt , so traten wir gleich kleinen Fürstinnen einher , von einem Gefolge umgeben , das jedem unsrer Wünsche mit zuvorkommendem Eifer entgegen flog . Mit Euch , Ihr guten Kinder , dünken sich die jetzigen Männer wenigstens auf gleichem Fuß , und glauben damit schon ein Uebriges für Euch gethan zu haben . Daran aber seid Ihr selbst schuld , denn Ihr habt Euch auf glattem Boden neben sie hingestellt . Ich möchte uns , in unserem damaligen Verhältniß zur männlichen Welt am liebsten mit seltnen Blumen vergleichen , die mit Sorgfalt in einem verschlossnen Gewächshaus ' aufbewahrt werden , zu denen man deshalb gern Zutritt zu erhalten sucht , und sie in der Nähe zu bewundern wünscht . Ihr aber wachst und blüht in der Freiheit , vielleicht nur um so üppiger und schöner , aber Ihr steht in einem , aller Welt offnen , lustigen Garten , in welchem man ohne Rückhalt Euch nahen darf . Was man aber täglich mühelos sehen kann , verliert am Ende den höchsten Reitz , den der Neuheit ; man gewöhnt sich bald genug , achtlos daran vorüber zu wandeln , und leider geht darüber manche köstliche Pflanze unbemerkt zu Grunde , oder wird wohl gar im Gedränge zerknickt und zertreten . Indessen will ich nicht ableugnen , daß wir Euch um eure jetzige größere Freiheit wahrscheinlich würden beneidet haben , wenn wir uns eine solche nur recht lebhaft hätten denken können . Das war aber bei unsern beschränkteren Begriffen vom Leben und unsrer , durch unser Verhältniß herbeigeführten furchtsamen Bescheidenheit nicht wohl möglich . Auch muß ich gestehen , daß wir einen großen Theil unsrer damaligen vornehmen Grandezza mit unsäglichem schmerzlichem Zwange , mit hohen Absätzen an den Schuhen , mit breiten steifen Fischbeinröcken , mit Harnisch ähnlichen Schnürbrüsten theuer genug erkaufen mußten . Im vollkommensten Gegensatze mit dem jezt üblichen , war unser Anzug hauptsächlich darauf berechnet , unsre Gestalt bis zum unkenntlichen zu maskiren . Jede von uns war ein wandelndes Räthsel , von der Spitze des kleinen , mit Flittern gestickten Atlas-Kothurns , welchen blitzende Steinschnallen noch verherrlichten , bis zu dem Wipfel des hochaufgethürmten Haarschmucks , der obendrein den ganzen Tag über unsre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm , weil jeder Luftzug , jede zu rasche Bewegung des Kopfes dem zarten Puderreif ' Untergang drohte . Der zärtlichste Liebhaber konnte nicht einmal in jener Zeit über die Farbe der Haare seiner Schönen zu einiger Gewisheit gelangen , denn der gelbe Puder machte die Braune der Blonden ganz ähnlich . Die Kleine hob sich vermittelst höherer Absätze an den Schuhen zur mittleren Grösse hinauf , und die Wespenartig zusammengeschnürte Taille , die in unbegreifliche Breite ausgehenden Fischbein Röcke gaben Allen die nämliche Form , aus welcher kein sterbliches Auge die wahre menschliche Gestalt heraus finden konnte . Ihr lacht über die wunderliche Figur , die wir spielten ? Ich glaube , ich müßte selbst lachen , wenn ich mich noch einmal in meinem damaligen Putz ' erblicken sollte , und doch galten die Schönen unter uns deshalb nicht für minder schön , und die Häslichen gewannen noch bei dieser allgemeinen Vermummung , denn sie giengen in der Maske mit durch , die sich obendrein auf das vollkommenste dazu eignete , kleine Mängel zu