Freilich ein blondes , schönes Kind , das dem Herrn Vetter vor seiner Abreise mag in die Augen geleuchtet haben . Sie ist verheiratet , gut und glücklich ; das brauche ich Ihnen nicht zu sagen . Aber er weiß es so wenig , als er sonst etwas von uns weiß . Vergessen Sie ja nicht , ihm gleichfalls in einer Nachschrift zu melden : Valerine sei täglich schöner geworden und habe auch deshalb eine sehr gute Partie getan . Sie sei die Frau eines reichen Gutsbesitzers . Verheiratet sei die schöne Blondine . Machen Sie es ihm recht deutlich . Nun aber , liebe Tante , ist das noch nicht alles . Wie er sich der blonden Schönheit so genau erinnern und sie mit der Tochter des liederlichen Pachters , einer wilden Hummel von Brünette , verwechseln kann , die Nachodine hieß und die wer weiß wohin geraten ist , das bleibt mir völlig unbegreiflich und intrigiert mich ganz besonders . Denn es scheint doch , der Herr Vetter , der sein gutes Gedächtnis rühmt , verwechselt Namen und Personen auf eine sonderbare Weise . Vielleicht fühlt er diesen Mangel und will das Erloschene durch Ihre Schilderung wieder auffrischen . Halten Sie ihn kurz , ich bitte Sie ; aber suchen Sie zu erfahren , wie es mit den Valerinen und Nachodinen steht und was für Inen , Trinen vielleicht noch alle sich in seiner Einbildungskraft erhalten haben , indessen die Etten und Ilien daraus verschwunden sind . Der Bote ! der verwünschte Bote ! Die Tante den Nichten ( Diktiert ) Was soll man sich viel verstellen gegen die , mit denen man sein Leben zuzubringen hat ! Lenardo mit allen seinen Eigenheiten verdient Zutrauen . Ich schicke ihm Eure beiden Briefe ; daraus lernt er Euch kennen , und ich hoffe , wir andern werden unbewußt eine Gelegenheit ergreifen , uns auch nächstens ebenso vor ihm darzustellen . Lebet wohl ! ich leide sehr . Hersilie an die Tante Was soll man sich viel verstellen gegen die , mit denen man sein Leben zubringt ! Lenardo ist ein verzogener Neffe . Es ist abscheulich , daß Sie ihm unsere Briefe schicken . Er wird uns daraus nicht kennen lernen , und ich wünsche mir nur Gelegenheit , mich nächstens von einer andern Seite darzustellen . Sie machen andere viel leiden , indem Sie leiden und blind lieben . Baldige Besserung Ihrer Leiden ! Ihrer Liebe ist nicht zu helfen . Die Tante an Hersilien Dein letztes Zettelchen hätte ich auch mit an Lenardo eingepackt , wenn ich überhaupt bei dem Vorsatz geblieben wäre , den mir meine inkorrigible Neigung , mein Leiden und die Bequemlichkeit eingegeben hatten . Eure Briefe sind nicht fort . Wilhelm an Natalien Der Mensch ist ein geselliges , gesprächiges Wesen ; seine Lust ist groß , wenn er Fähigkeiten ausübt , die ihm gegeben sind , und wenn auch weiter nichts dabei herauskäme . Wie oft beklagt man sich in Gesellschaft , daß einer den andern nicht zum Worte kommen läßt , und ebenso kann man sagen , daß einer den andern nicht zum Schreiben kommen ließe , wenn nicht das Schreiben gewöhnlich ein Geschäft wäre , das man einsam und allein abtun muß . Wie viel die Menschen schreiben , davon hat man gar keinen Begriff . Von dem , was davon gedruckt wird , will ich gar nicht reden , ob es gleich schon genug ist . Was aber an Briefen und Nachrichten und Geschichten , Anekdoten , Beschreibungen von gegenwärtigen Zuständen einzelner Menschen in Briefen und größeren Aufsätzen in der Stille zirkuliert , davon kann man sich nur eine Vorstellung machen , wenn man in gebildeten Familien eine Zeitlang lebt , wie es mir jetzt geht . In der Sphäre , in der ich mich gegenwärtig befinde , bringt man beinahe so viel Zeit zu , seinen Verwandten und Freunden dasjenige mitzuteilen , womit man sich beschäftigt , als man Zeit sich zu beschäftigen selbst hatte . Diese Bemerkung , die sich mir seit einigen Tagen aufdringt , mache ich um so lieber , als mir die Schreibseligkeit meiner neuen Freunde Gelegenheit verschafft , ihre Verhältnisse geschwind und nach allen Seiten hin kennen zu lernen . Man vertraut mir , man gibt mir einen Pack Briefe , ein paar Hefte Reisejournale , die Konfessionen eines Gemüts , das noch nicht mit sich selbst einig ist , und so bin ich in kurzem überall zu Hause . Ich kenne die nächste Gesellschaft ; ich kenne die Personen , deren Bekanntschaft ich machen werde , und weiß von ihnen beinahe mehr als sie selbst , weil sie denn doch in ihren Zuständen befangen sind und ich an ihnen vorbeischwebe , immer an deiner Hand , mich mit dir über alles besprechend . Auch ist es meine erste Bedingung , ehe ich ein Vertrauen annehme , daß ich dir alles mitteilen dürfe . Hier also einige Briefe , die dich in den Kreis einführen werden , in dem ich mich gegenwärtig herumdrehe , ohne mein Gelübde zu brechen oder zu umgehen . Siebentes Kapitel Am frühsten Morgen fand sich unser Freund allein in die Galerie und ergötzte sich an so mancher bekannten Gestalt ; über die Unbekannten gab ihm ein vorgefundener Katalog den erwünschten Aufschluß . Das Porträt wie die Biographie haben ein ganz eigenes Interesse ; der bedeutende Mensch , den man sich ohne Umgebung nicht denken kann , tritt einzeln abgesondert heraus und stellt sich vor uns wie vor einen Spiegel ; ihm sollen wir entschiedene Aufmerksamkeit zuwenden , wir sollen uns ausschließlich mit ihm beschäftigen , wie er behaglich vor dem Spiegelglas mit sich beschäftiget ist . Ein Feldherr ist es , der jetzt das ganze Heer repräsentiert , hinter den so Kaiser als Könige , für die er kämpft , ins Trübe zurücktreten . Der gewandte Hofmann steht vor uns , eben als wenn er uns den Hof machte , wir denken nicht an die große Welt ,