entfernen müssen , und beugt manchem Jammer und Elend vor . « Oswald schüttelte den Kopf . Er gestand , er habe von dergleichen Bewahrhäusern , oder Kleinkinderschulen nie gehört , noch weniger solche gesehen . Dessen verwunderte sich der Herr Pfarrer sehr . Er ertheilte ihm darüber Auskunft und sagte : man gebe die Kinder , welche noch nicht alt genug wären die Schulen zu besuchen , der Aufsicht einer verständigen Frau . Diese hüte und besorge die Kleinen den ganzen Tag über , während die Aeltern außer Hauses in der Arbeit wären ; spiele mit ihnen in der Stube , oder , bei gutem Wetter , im Freien ; gewöhne sie zur Reinlichkeit und zum Gehorsam ; lehre sie im Spielen mancherlei Nützliches ; und gebe ihnen zu essen , was man Morgens für sie geschickt hätte . Es hörte Oswald die Worte des Pfarrers mit großer Aufmerksamkeit ; schüttelte dann aber mit bedenklicher Miene den Kopf , und sprach : » Die Bauern hier zu Lande sind noch etwas rohes Volk . Viele Aeltern sind gewissenlose Menschen , die sich um ihre Schweine , Ziegen und Kühe weit mehr , als um ihre eignen armen Kinder bekümmern . Ich fürchte , sie würden , wenn sie ihre Kleinen anderswo aufgehoben wissen , ihre Aelternpflicht noch mehr vergessen lernen ! - Dann aber , glaub ' ich auch , taugt es nicht , daß man die kleinen Geschöpfe , ehe sie das sechste Jahr zurückgelegt haben , schon zum Lernen anhalte . Es ist zu früh . Man muß , in so zartem Alter , vor allen Dingen nur für Pflege ihrer Gesundheit , und für Stärkung ihrer schwachen Kräfte Sorge tragen . « Der Herr Pfarrer konnte diesen Einwürfen des vorsichtigen Gemeinde-Vorstehers nicht ganz unrecht geben ; doch that er die Gegenfrage : Ob sich denn die Aeltern von ihrem Pflichtgefühl und ihren Kindern wohl mehr entwöhnten , wenn sie diese , statt ohne alle Aufsicht , den ganzen Tag unter guter Obhut und Aufsicht ließen ? Und , fügte er hinzu : auch ist keine Rede davon , daß die jungen Geschöpfe dort schon Lesen , Schreiben , Rechnen lernen , oder was sonst in der Schule gelehrt wird ; sondern sie sollen beim Spielen nur allerlei Dinge erfahren , nennen und kennen lernen , die auch ihrer zarten Jugend nützlich sind , und neben Uebung ihrer geringen Leibeskräfte auch zur Vorübung ihrer Verstandeskräfte dienen können . Dazu führte der würdige Pfarrer manche Beispiele aus Bewahrhäusern an , die er selber gesehen , und bewies die Wohlthat solcher Anstalten so sonnenklar und deutlich , daß Oswald ihm endlich ganz überzeugt Hand und Wort darauf gab , der Plan müsse ausgeführt werden . Und von Stund ' an überlegte und sann Oswald , wie die Sache am besten anzustellen sei ? Er besprach sich mit dem braven Schullehrer Johannes Heiter , der neulich geheirathet hatte , und dessen junge Frau geneigt schien , unter Elsbeths und ihres Mannes Rath und Beistand , die Aufsicht zu übernehmen . Er sprach mit dem Adlerwirth Kreidemann , der in seinem Hause einen großen Saal besaß , welcher allsonntäglich sonst mit Trinkern und Karten- und Würfelspielern gefüllt war , jetzt aber leer stand ; dazu befand sich auch hinter dessen Hause ein geräumiger Baumgarten , der zum Tummelplatz für Kinder dienen konnte . Er sprach mit den Beisitzern des Gemeinderaths ; mit den zweiunddreißig geheimen Bundesgenossen , und vielen Andern im Dorfe . Er nicht allein , sondern überall war ihm auch der thätige Seelsorger in der Gemeinde mit Rath und That und Zuspruch zur Hülfe . Nachdem nun Alles und Jedes bedächtig eingeleitet und vorbereitet war , trat Oswald an einem Sonntag-Nachmittag vor der versammelten Gemeinde auf , redete und sprach : » Ihr Männer , liebe Mitbürger , vor wenigen Wochen haben die Rauchsäulen und Feuerflammen von Ferkelhausen uns schreckhaft gewarnt , junge Kinder , welche noch nicht zur Schule geschickt werden können , tagelang ohne Beaufsichtigung zu lassen . Gedenket des gräßlichen Todes , welchen das Töchterlein eines unserer Mitbürger sterben mußte , als es im unbedeckten Jauchebehälter ertrank ! Viele andere ähnliche Unglücksfälle könnten angeführt werden und können wohl gar Euch selbst noch bevorstehen . Ich habe gelesen , wie eine Frau , die , um einige Stunden außer dem Hause zu arbeiten , ihr zweijähriges Kind in der Wiege festband , und in Koth und Unflath liegen und schreien ließ , bis es einschlief . Als aber die Rabenmutter zurückkam , stürzte ihr durch die Stubenthür des Nachbars Schwein entgegen . Sie fand die Wiege blutig ; das arme Kind todt darin , und halb aufgefressen . Deshalb laßt uns thun , um ähnliches Unglück zu vermeiden , wie anderer Orten geschieht . Da schicken die Leute , welche bei ihren Geschäften im Hause , oder im Felde , oder in den Fabriken nicht selber auf die Kinder Acht haben können , dieselben zu einer verständigen Person im Dorfe . Die gibt ihnen die Nahrung , welche von den Aeltern mitgeschickt worden ist . Die hütet und bewacht die unruhigen Kleinen ; hegt und pflegt sie , spielt mit ihnen , und hält sie säuberlich bis der Abend kömmt . « Oswald schilderte das Alles ausführlich , also , daß der Vorschlag Vielen einleuchtete . Besonders waren sämmtliche Bauern in dem Punkt wohl zufrieden damit , daß es ihnen gar nichts kosten solle , außer was sie den Kindern jeden Tag zum Essen mitgeben würden . Denn der Adlerwirth sei bereit , um billigen Zins seinen großen Saal und den Baumgarten herzuleihen ; und die junge Frau des Schulmeisters Heiter willig , um mäßigen Lohn die Aufsicht zu übernehmen . Zins und Lohn werden aus der Gemeindekasse , und Beiträgen einiger hablichen Leute bestritten werden . Man solle es doch nur wenigstens auf einen Versuch ankommen lassen . Auch der Herr Pfarrer sprach dann sein lehrreiches und frommes Wort dazu : daß man die Kindlein ,