einem Turme zum andern , die Krone zu finden , durch das Gepränge der Silbergefäße in den engen , gewölbten Gängen . Nicht schreckten ihn in doppelten Farbenspiegelungen die gemalten Wächter , nicht die Schneckentreppen in freier Luft , nicht die einzelnen Steine , auf denen er zur Spitze außerhalb dem Turme schreiten mußte , er sah auf das Kind in seinem Arm , wenn ihm graute . Endlich auf dem mittelsten , höchsten Turme sah er in einer kristallenen , matt geschliffenen Schale die Krone blinken , aber noch zwei Stufen waren zu überwinden , die sich um die enge Spitze des Turmes wendeten . Auch diese waren überwunden und schon hielt er die Krone in seinen Händen , einen schlechten , goldnen Reifen über einen eisernen Ring geschmiedet , da merkte er erst , daß er keinen Augenblick in der Höhe verweilen dürfe , sondern unmittelbar sich zurückwenden müsse , weil die obere Stufe zu schmal war , um ihn mit beiden Füßen zu tragen . Es gibt Augenblicke , die so furchtbar schnell zu einem Entschlusse drängen , daß der höhere Wille keine Zeit hat , den rohen Trieb zu bemeistern . Dem Ritter blieb in dem Umwenden scheinbar die Wahl , entweder die Krone , oder das Kind in die Wasserflut zu stürzen , wenn er nicht mit beiden niederfallen wollte . Daß er aber das Kind herabschleuderte , war nicht seine Wahl , wie er mir oft geschworen , sondern es geschah , ehe er wählte . Mit seinem Leben hätte er das Kind errettet , denn was war ihm die Krone ? Nur als Brautgeschenk , um mich zu erhalten , hatte sie ihm einen Wert ; er hätte mir gern entsagt , wenn er das Kind hätte retten können . Nie hat er das Schmerzliche dieses Augenblicks vergessen und sich oft gewünscht , er wäre nachgesprungen in die Flut , auch meinte er immer , daß er dafür einen gewaltsamen Tod wohl verdient habe . Das Unglück war geschehen , das Kind seiner Hand entschlüpft , er wünschte ihm nachzustürzen , aber er kam glücklich mit der Krone zum Schloßplatze nieder . Da hörte er die schweren Wächter über die Brücke kommen , ihm blieb kein Ausweg , als das Wasser , und darum folgte er dem Wasser der kleinen Mühle , setzte die Krone auf sein Haupt , warf Waffen und Kleider fort und senkte sich mit dem Flüßchen am glatten Bauwerke in den See nieder , in welchem eine große Zahl von Stämmen , mit ihren unzähligen Ästen vom Berge niedergestürzt , umhertrieben und die Drehung des Wassers hemmten . Auf Hohenstock zur Schwimmerei erzogen , half er sich leicht zu einer Tanne hinüber , aber sie war zu klein und sank unter seiner Last , doch nutzte er ihre Hülfe , um zu einer größern sich hintreiben zu lassen , die ihn wie ein sicheres Floß aufnahm . Da blickte er um sich , sie deckte ihn mit ihren Zweigen , er sah , daß die Kronenwächter , die des Löwen Tod und den Verlust des Kindes wahrgenommen , umsonst riefen und suchten und schauten , sie bemerkten nicht , wo er entkommen ; er trieb unaufgehalten der breiten Seefläche zu , von brütenden Tauben , die ihre Jungen in den Nestern nicht aufgeben wollten , in den Ästen umflattert , von namenloser Qual durchbebt , sein reines Leben mit dem Morde des Kindes befleckt zu haben . « - Hier schwieg die edle Frau , indem sie einen Teppich hervorsuchte , der Prior aber flüsterte zum Baumeister : » Hält sie mich wirklich für so einfältig , daß ich das Märchen glauben soll , ich war so oft am Bodensee und habe nie von solcher Felsbucht gehört . « Der Baumeister lächelte , winkte und strich sich über das Kinn , verzog auch den Mund , als ob er selbst nicht alles glaube , doch sagte er : » Wer kann vor den ärgerlichen Seeräubern da in alle Felsenschluchten fahren , sie unterbrechen allen Handelsverkehr der Städte . « Nach einer Pause fuhr die edle Frau in ihrer Erzählung fort , als ob sie das leise Geflüster gehört hätte : » Vielleicht dünkt Euch diese Erzählung des Ritters ein Traum , den er sich ernstlich eingebildet hatte , ich fürchtete für seinen Verstand , als ich sie vernahm und suchte ihn um so liebreicher zu trösten , je lieber ich die Geschichte vergessen hätte . Ein Blumenkranz , den er mir mitbrachte , war mir lieber , als die berühmte Krone , ich nahm den Schlüssel des Kastens , wo er die Krone eingepackt , daß er der verhaßten Gedanken sich entschlüge , und zog mit ihm aus dem einsamen Jagdhause zum Schlosse meines Vaters , der bald darauf von der Pilgerreise , die er wegen der Türken nicht vollenden konnte , mit seinen früheren Planen beschäftigt , zurückkehrte . Mit heftiger Freude hörte er die Erzählung des Ritters , er schien alles zu glauben , ich mußte die Krone bringen , er küßte sie wie ein Heiligtum , sagte aber , sie sei bei mir sicherer , als bei ihm , er könne nicht jedem in seiner Umgebung trauen , seine Zeit sei noch nicht reif . Unsre Vermählung wurde als Dank für dieses Brautgeschenk ungesäumt , aber heimlich , vollzogen und der Ritter schien seinen Gram vergessen zu haben . Doch als ich ihn mit der Hoffnung erfreute , Vater zu werden , da trat es ihm schwarz in die Gedanken , die Kronenwächter möchten sich an seinem Kinde rächen , wegen des Verlusts des begünstigten Sprößlings . Er beredete mich , scheinbar mit ihm zu einem verwandten Hause nach Flandern zu reisen , uns aber im tiefsten Walde meines Vaters , als Bauern verkleidet , niederzulassen . Mein Vater willigte ungern in den Plan , er fühlte sich nahe dem Tode und hätte sich gern noch die letzte Zeit den Lebenden angeschlossen , aber er fürchtete