heftigen Gemüthes und ergreift alles Neue mit ausschließender Aufmerksamkeit . Liebes Kind , sagte die erfahrne Frau , woher kennen Sie ihn denn so genau ? Sein Sie doch unbefangen im Gefühl Ihres eignen Werthes mit mir , wie mit der ganzen Welt . Glauben Sie nur , Ihre kleine Verlegenheiten entgehen ihm nicht , er treibt ein leichtfertiges Spiel damit . Die Musik schwieg hier . Die Baronin erinnerte , daß es Zeit sei , Toilette zu machen , und führte die von Myrtenhainen und Kränzen träumende Emilie mit sich fort . Luise empfand eine Art Scheu vor dem kalten Blick dieser Frau , der wie ein Senkblei in ihr Herz fiel . Sie schrak vor ihr zusammen , so oft sie sie jene Ueberlegenheit und die Entfernung des Platzes fühlen ließ , auf welchem sie eigentlich stehn sollte . Die Aufforderung , unbefangen zu sein , konnte sie am wenigsten erfüllen , da sie die ernste Beobachterin fürchtete , und nur noch unsichrer in ihrem Betragen ward . Die Zeit verfloß indeß fast auf ähnliche Weise . Fernando hatte nur Augen und Sinn für Emilien , wodurch er wechselsweise Luisens Stolz hob , und ihr Gefühl zerriß . An einem Nachmittage , als eine zahlreiche Gesellschaft aus der Nachbarschaft sich noch zu der des Schlosses gesellte , und alle im Freien versammelt waren , zog ein Trupp Bergleute singend den Harz hinunter . Sie trugen vielfache musikalische Instrumente und schienen bereit , sie in Bewegung zu setzen , als Fernando vorschlug , ob man , da es schon spät und dunkel werde , nicht nach dem Schlosse zurückkehren und dort einige Stunden nach der lustigen Musik dieser Leute tanzen wolle . Alle stimmten freudig ein . Man machte sich sogleich auf den Weg . Die Bergleute gingen spielend voran , und das bunte Gemisch von Frauen und Männern zog , durch eine dunkle Tannenallee , dem lustigen Saale zu , der Luisen bei ihrem Eintritt zuerst mit ihrer neuen Wohnung versöhnt hatte . Fernando walzte sogleich mit Emilien . Die Kleine schmiegte sich mit einer anmuthigen Bewegung des Kopfes lächelnd in seine Arme , und schien sich und die ganze Welt zu vergessen . Stein sah an einem Pfeiler gelehnt , dem Spiele wehmüthig zu ; er war im Begriff , Luisen seine Hand zu reichen , und im allgemeinen Taumel die Schmerzen seiner Brust zu betäuben , als sich dieser einer der neuangekommnen Gäste , ein schon längst bemerkter und bewunderter Fremder , nahete , und sie auf eine feine , sittige Weise zum Tanze führte . Er war russischer Obrist , von hohem , edlem Wuchs , und jener Gewandheit , welche die höhern Stände seiner Nation auszeichnet . Eine Sendung seines Hofes nach einer nahen Residenz führte ihn in diese Gegend , zu einem Theil seiner Familie , der sich in Deutschland niedergelassen hatte , und auf die Weise kam er heute nach dem Falkenstein . Es sah schön , ja königlich aus , wie sich die beiden herrlichen Gestalten langsam , nach Norddeutscher Sitte , durch den Saal bewegten . Die dunkelgrüne , geschmackvoll verzierte , Uniform paßte wohl zu Luisens einfachem weißen Kleide und dem grünen Zweige , der sich durch ihre Locken wand . Fernando betrachtete sie mit einem tiefen , düstren Blick , der dann , wild auflodernd , ihre Brust wie zwei Flammen traf . Sie hatte kaum geendet und sich gegen ihren schönen Tänzer verneigt , als Fernando auf sie zutrat und sie , nach einigen flüchtigen Worten , umschlingend , in raschem kreisendem Wirbel mit sich fortriß . Die rauschende Musik , das dunkle , in sich zurückgezogne Feuer seiner Augen , die ganz eigne , unruhige Heftigkeit in Mienen und Bewegungen ergriff sie so sehr , daß sie sich nach einigen Augenblicken halb ohnmächtig an ihn lehnen und ihn bitten mußte , aufzuhören . Er drückte sie leise an die glühende Brust und ließ sie dann schweigend aus seinen Armen . Sich kaum noch besinnend , trat sie in die offne Gartenthür , und eilte von da weiter den Felsengang hinauf , zu einem Sitz , der in dem Stein gehauen und von einer überhangenden Buche versteckt war . Nicht lange darauf hörte sie neben sich reden ; die Stimmen kamen näher , und sie erkannte bald Stein und Werner , die , sich an den Baum lehnend , mit einander sprachen . Also wirklich , wirklich , sagte der Erstre , Sie glauben nicht , daß er Emilien liebt ? Mein Gott , erwiederte Werner , das liegt ja so klar am Tage , wie der Zweck des ganzen Spieles ! Nein , nein ! fiel jener heftig ein , das nicht , das gewiß nicht ! Werner lachte laut . Nun wahrhaftig , sagte er , Sie sind von einer seltnen Unschuld des Sinnes . Was liegt denn darin so Unerhörtes ? Es könnte in der That interessant werden , wie der ganze Mensch , der große Anlagen hat , wenn er sich nicht selbst zur abgerichteten Puppe wie sein Unternehmen zu einer auswendig gelernten Posse machte . Auch will ich wohl wetten , daß er den bekannten Weg hier nicht zum letztenmal einschlägt ! Reizend ist bei allem dem dies Ringen einer schuldlosen Seele , in der die Welt und Sinnenlust plötzlich hervorbricht und sie hin und her treibt , daß sie nach allen Seiten faßt und greift und zwischen Himmel und Hölle schwebt . Hier zwar wird nun der Kampf nicht lange unentschieden sein , denn die ganze Richtung des Gemüthes spricht sich bei der schönen Frau in Gestalt und Wesen aus . Sie erscheint recht wie eine erhabene Sünderin , die im stolzen , kühnen Fluge hinaufstrebt und durch die Eigenthümlichkeit ihrer Natur alle Augenblicke einmal das edle Haupt senkt und sich von den irdischen Banden umstricken läßt . Daher ist auch ein eigner Streit von Stolz und Hingebung in ihrem äußren Erscheinen , und ich bin sehr überzeugt , daß in