Gespräch abbrechen wollte , von einer kühnen Wendung Gebrauch ; es gelang ihr . Die Unterhaltung ward allgemeiner , die beiden Gatten und der Hauptmann konnten daran teilnehmen ; selbst Ottilie ward veranlaßt sich zu äußern , und der Nachtisch ward mit der besten Stimmung genossen , woran der in zierlichen Fruchtkörben aufgestellte Obstreichtum , die bunteste , in Prachtgefäßen schön verteilte Blumenfülle den vorzüglichsten Anteil hatte . Auch die neuen Parkanlagen kamen zur Sprache , die man sogleich nach Tische besuchte . Ottilie zog sich unter dem Vorwande häuslicher Beschäftigungen zurück ; eigentlich aber setzte sie sich nieder zur Abschrift . Der Graf wurde von dem Hauptmann unterhalten ; später gesellte sich Charlotte zu ihm . Als sie oben auf die Höhe gelangt waren und der Hauptmann gefällig hinuntereilte , um den Plan zu holen , so sagte der Graf zu Charlotten : » Dieser Mann gefällt mir außerordentlich . Er ist sehr wohl und im Zusammenhang unterrichtet . Ebenso scheint seine Tätigkeit sehr ernst und folgerecht . Was er hier leistet , würde in einem höhern Kreise von viel Bedeutung sein . « Charlotte vernahm des Hauptmanns Lob mit innigem Behagen . Sie faßte sich jedoch und bekräftigte das Gesagte mit Ruhe und Klarheit . Wie überrascht war sie aber , als der Graf fortfuhr : » Diese Bekanntschaft kommt mir sehr zu gelegener Zeit . Ich weiß eine Stelle , an die der Mann vollkommen paßt , und ich kann mir durch eine solche Empfehlung , indem ich ihn glücklich mache , einen hohen Freund auf das allerbeste verbinden . « Es war wie ein Donnerschlag , der auf Charlotten herabfiel . Der Graf bemerkte nichts ; denn die Frauen , gewohnt , sich jederzeit zu bändigen , behalten in den außerordentlichsten Fällen immer noch eine Art von scheinbarer Fassung . Doch hörte sie schon nicht mehr , was der Graf sagte , indem er fortfuhr : » Wenn ich von etwas überzeugt bin , geht es bei mir geschwind her . Ich habe schon meinen Brief im Kopfe zusammengestellt , und mich drängts , ihn zu schreiben . Sie verschaffen mir einen reitenden Boten , den ich noch heute abend wegschicken kann . « Charlotte war innerlich zerrissen . Von diesen Vorschlägen sowie von sich selbst überrascht , konnte sie kein Wort hervorbringen . Der Graf fuhr glücklicherweise fort , von seinen Planen für den Hauptmann zu sprechen , deren Günstiges Charlotten nur allzusehr in die Augen fiel . Es war Zeit , daß der Hauptmann herauftrat und seine Rolle vor dem Grafen entfaltete . Aber mit wie andern Augen sah sie den Freund an , den sie verlieren sollte ! Mit einer notdürftigen Verbeugung wandte sie sich weg und eilte hinunter nach der Mooshütte . Schon auf halbem Wege stürzten ihr die Tränen aus den Augen , und nun warf sie sich in den engen Raum der kleinen Einsiedelei und überließ sich ganz einem Schmerz , einer Leidenschaft , einer Verzweiflung , von deren Möglichkeit sie wenig Augenblicke vorher auch nicht die leiseste Ahnung gehabt hatte . Auf der andern Seite war Eduard mit der Baronesse an den Teichen hergegangen . Die kluge Frau , die gern von allem unterrichtet sein mochte , bemerkte bald in einem tastenden Gespräch , daß Eduard sich zu Ottiliens Lobe weitläufig herausließ , und wußte ihn auf eine so natürliche Weise nach und nach in den Gang zu bringen , daß ihr zuletzt kein Zweifel übrigblieb , hier sei eine Leidenschaft nicht auf dem Wege , sondern wirklich angelangt . Verheiratete Frauen , wenn sie sich auch untereinander nicht lieben , stehen doch stillschweigend miteinander , besonders gegen junge Mädchen , im Bündnis . Die Folgen einer solchen Zuneigung stellten sich ihrem weltgewandten Geiste nur allzugeschwind dar . Dazu kam noch , daß sie schon heute früh mit Charlotten über Ottilien gesprochen und den Aufenthalt dieses Kindes auf dem Lande , besonders bei seiner stillen Gemütsart , nicht gebilligt und den Vorschlag getan hatte , Ottilien in die Stadt zu einer Freundin zu bringen , die sehr viel an die Erziehung ihrer einzigen Tochter wende und sich nur nach einer gutartigen Gespielin umsehe , die an die zweite Kindesstatt eintreten und alle Vorteile mitgenießen solle . Charlotte hatte sichs zur Überlegung genommen . Nun aber brachte der Blick in Eduards Gemüt diesen Vorschlag bei der Baronesse ganz zur vorsätzlichen Festigkeit , und um so schneller dieses in ihr vorging , um desto mehr schmeichelte sie äußerlich Eduards Wünschen . Denn niemand besaß sich mehr als diese Frau , und diese Selbstbeherrschung in außerordentlichen Fällen gewöhnt uns , sogar einen gemeinen Fall mit Verstellung zu behandeln , macht uns geneigt , indem wir soviel Gewalt über uns selbst üben , unsre Herrschaft auch über die andern zu verbreiten , um uns durch das , was wir äußerlich gewinnen , für dasjenige , was wir innerlich entbehren , gewissermaßen schadlos zu halten . An diese Gesinnung schließt sich meist eine Art heimlicher Schadenfreude über die Dunkelheit der andern , über das Bewußtlose , womit sie in eine Falle gehen . Wir freuen uns nicht allein über das gegenwärtige Gelingen , sondern zugleich auch auf die künftig überraschende Beschämung . Und so war die Baronesse boshaft genug , Eduarden zur Weinlese auf ihre Güter mit Charlotten einzuladen und die Frage Eduards , ob sie Ottilien mitbringen dürften , auf eine Weise , die er beliebig zu seinen Gunsten auslegen konnte , zu beantworten . Eduard sprach schon mit Entzücken von der herrlichen Gegend , dem großen Flusse , den Hügeln , Felsen und Weinbergen , von alten Schlössern , von Wasserfahrten , von dem Jubel der Weinlese , des Kelterns und so weiter , wobei er in der Unschuld seines Herzens sich schon zum voraus laut über den Eindruck freute , den dergleichen Szenen auf das frische Gemüt Ottiliens machen würden . In diesem Augenblick sah man Ottilien herankommen , und die Baronesse sagte schnell zu Eduard , er möchte von dieser