geachtet . Nicht einmal das Verlangen der Neugier , was in acht Jahren mit dem Allbekannten geschehen , oder das leichte Gefühl der Freude , das des Landsmannes Anblick in der Fremde erweckt , regt sich in ihrem Busen . Sie ist nichts als die Frau des Demetrius . Nikomedien , ihre Jugend - Agathokles sind todt für sie . Ist ' s möglich , Götter ! ist ' s möglich ? O warum habe ich so ein unseliges Gedächtniß ! Warum ist nur diese Brust schwach genug , einen schmerzlichen Eindruck durch acht lange Jahre so unauslöschlich zu bewahren ! Larissa hat mich vergessen , der Zeiten vergessen , wo sie mir Alles - wo auch ich ( die Frau des Demetrius zürne dem kühneren Ausdruck nicht ) ihrem Herzen viel war . Das ist vorbei - so ganz vorbei , wie die Welle des Stroms , die vor acht Jahren vorübergleitete , nun und nimmer wiederkehrt , und spurlos verschwunden ist . In den ersten Stunden , als die täuschende Hoffnung auf Larissens treueres Gedächtniß mich belebte , war ich thöricht genug , Wünsche zu hegen , und Plane zu entwerfen , die sie hören , theilen , genehmigen , von denen sie und ich unser Glück erwarten sollten . Demetrius Jahre , seine Gemüthsart , seine wenige Empfänglichkeit für zartere Gefühle , gaben mir Hoffnung und Muth . Ich wollte ihm unser Verhältniß gestehen , ich wollte - o ich rechnete damals auf Larissens Liebe ! Kann ich , darf ich denn , ohne mich einer Raserei schuldig zu machen , jetzt noch auf eine solche Möglichkeit rechnen ? Laß mich aufhören - du liebst mich nicht mehr ! Wozu alles Weitere ? Leb ' wohl ! Dein künftiges Betragen , deine Antwort auf meinen Brief , wenn du den Vergessenen einer würdigest , wird mein Schicksal bestimmen . Dein Gatte zeigt mir Zutrauen genug , daß ich es wagen kann , ihn um eine Anstellung auf einem fernen Posten zu bitten . Ich werde dich wenig , vielleicht nicht mehr sehen - nicht , um dich von meinem Anblick zu befreien , der dir wohl keine Unruhe verursacht , sondern um mir , bei dem Bewußtseyn deiner Denkart , den Schmerz des Wiedersehens zu ersparen . Leb ' wohl ! Dies hatte ich ihr geschrieben . Einen martervollen Tag , zwei schlaflose Nächte brachte ich zu , in gespannter Erwartung des Ausganges meines unüberlegten Schrittes , dessen ganze Thorheit ich erst einsah , als es zu spät war . Heute endlich , am Morgen des dritten Tages erschien der alte Sclave , und brachte mir ihre Antwort : sie folgt hier . Lies sie , Phocion , und dann fühle mit mir das rettungslose Unglück meiner Lage , den unendlichen Verlust eines solchen Herzens ! Larissa an Agathokles . ( Im vorigen eingeschlossen . ) Wenn ich dem Zuge meines Herzens hätte folgen wollen , das mich durch die natürlichen Triebe der Selbstachtung , der Eitelkeit , wenn du willst , anreizte , mich in den Augen eines schätzbaren Freundes zu rechtfertigen , und meine Vertheidigung so warm und eifrig zu unternehmen , als seine Vorwürfe waren : so hättest du bereits gestern Antwort von mir bekommen . Da es mir aber nicht blos darum zu thun ist , für den gegenwärtigen Angenblick , sondern auch für die Zukunft Alles zwischen uns so klar und bestimmt auszumachen , daß auf keiner Seite ein Zweifel oder eine Furcht vor Rückfällen möglich wäre : so mußte ich zuerst in die Tiefe meiner , nicht erfreulichen Vergangenheit hinabsteigen , und Begebenheiten hervorrufen , deren Andenken meiner Seele zu unangenehm ist , als daß ich sie ohne inneren Kampf betrachten , und dir , mein Freund , ordentlich erzählen könnte . Es ist nothwendig , daß du meine Geschichte kennst , um mein Betragen zu beurtheilen , und das deinige darnach einzurichten . Als vor acht Jahren mein Vater , an dessen etwas starken Hang zu Pracht und Wohlleben du dich noch erinnern wirst , durch einen ungerechten Richterspruch seine bürgerliche Ehre , sein Vermögen , sein Vaterland verlor , und sich arm , hülflos , verachtet , mit drei unerzogenen Kindern in die weite Welt hinausgestoßen sah ; da goß dieses Unglück eine solche Bitterkeit in sein Herz , und veränderte seine Sinnesart so gänzlich , daß er fast in allen Dingen das Widerspiel von dem zu seyn schien , was er ehemals war . Finster , unfreundlich , oft sogar hart , flüchtete er mit uns in die Gebirge von Armenien , wo ihm ein alter Verwandter lebte , der ihm eine Zuflucht im Unglücke versprochen hatte . Man nahm uns auf , wie unempfindliche Reiche die Armuth aufzunehmen pflegen , die bei ihnen Hülfe sucht - nicht in das Haus meines Groß-Oheims , nicht an seinen Tisch , viel weniger in sein Herz . Gnadenbrod zu essen , dazu war mein Vater zu stolz , er wurde also auf ein Landgut des Vetters , als Aufseher , Verwalter , mit vieler Arbeit und kargem Lohne gesetzt . Hier in einer rauhen Gebirgsgegend , in einer schlechten Hütte , mit kaum mehr als Sclavenkost genährt , in Sclaventracht gehüllt , mußte der Mann leben , der einst unter dem schönsten Himmelsstrich von Kleinassen , in einer glänzenden Stadt , ein Leben , durch alle Reize der Kunst und Pracht verschönert , geführt hatte . Der Abstand war zu grausam . Die letzte Spur von Gleichmuth entfloh aus der Brust meines unglücklichen Vaters . Mißverständniß , Unverträglichkeit , Ungeduld , Mutlosigkeit zogen in unsere Hütte ein , und es begann ein Leben für uns , das nicht viel von dem Zustande derjenigen verschieden war , die , wie unsere Vorältern glaubten , die Strafen ihrer Sünden im Tartarus abbüßen . Laß mich schnell über den trübsten Zeitpunkt meines Lebens hingleiten ! Mein Aufenthalt in den Gebirgen von Armenien ist ein grauenvoller nächtlicher Abgrund , in den zu blicken mir