erwiederte Rodrich , gegen die innere begleitende Musik des Lebens ! Die vollen Accorde dünken uns nur schöner , sagte Miranda , je leiser sie verhallen , und dem unbefriedigten Herzen neue Genüsse verheißen . Lassen Sie uns nicht so ängstlich mit dem Schicksal über jede einzelne Unterbrechung rechten , da es nur von uns abhängt , den Ton da wieder aufzunehmen , wo wir ihn sinken ließen . Das hinge von uns ab ? fragte Rosalie . Ach man sieht wohl , wie der Himmel seinen Liebling jedes dauernden Schmerzes überhob , und aus der augenblicklichen Störung neue Blüthen erwachsen ließ . Das ist wohl überall dasselbe , sagte die Prinzessinn , nur glaubt man oft ein trockenes Reis in den Händen zu halten , wenn uns die sprossenden Keime schon mit verhüllten Augen anlächeln . Doch lassen Sie uns nicht über Lust und Schmerz streiten , Niemand glaubt dem Andern , bis er selbst sieht . Darum möchte ich Sie so gern der Einsamkeit entreißen , und in mein kleines Paradies hinüberziehn , wo die Blumen so lustig im Sonnenglanze spielen und alle Sorgen vor der heitern Stille weichen . Ihre Freunde suchen Sie dort auf und Sie genesen in unsrer Aller Liebe . Miranda umarmte sie hier und versprach den folgenden Morgen wiederzukommen , da sie jetzt zurückkehren müsse , weil der Herzog sie bei ihrer Mutter erwarte . Im Weggehen sagte sie zu Rodrich und der Gräfinn , die sie begleiteten : es ist wohl eigentlich wenig für Rosalien zu hoffen , sie betrachtet alles in einem ganz eignen trüben Licht , und so bald man ihr ein andres aufdringen wollte , würde sie in dem Streite untergehen . Einzelne Blicke dürfen nur an ihr vorüberfliegen , die sie noch mehr reitzen und dem Schmerze Nahrung geben . Denn für Gemüther , wie das ihrige , wäre es ganz eigentlich der Tod , wenn sie je aufhören könnten zu trauren . Daher muß man nur auf seiner Hut seyn , sich in ihrer Nähe selbst zu behaupten , und weder etwas erzwingen zu wollen , noch sie durch zu große Nachgiebigkeit zu erschöpfen . Haben diese Wunden einmal ausgeblutet , so wird sich das innere Gift zerstörend gegen sie selbst wenden . Es ist sehr leicht , setzte sie hinzu , einen Unglücklichen zu verletzen , und nicht selten weckt das eifrigste Bemühen gehässige bittere Gefühle . Sie sagte das so anspruchslos , so frei aus der innersten Seele heraus , die zärtlichste Rührung leuchtete dabei in ihren Augen , so daß man deutlich sah , wie angeborne Klarheit sie über jede Verwirrung hinaus hob . Rodrich fühlte sich stiller seit er sie gesehen , und tadelte selbst die Ungenügsamkeit , die ihn zu thörichten Wünschen verleite . Beschämt gestand er , daß er , sich selbst ungetreu , die lang genährte Störung öffentlich zur Schau getragen , und das freundlichste Wohlwollen dadurch von sich entfernt habe . Seine anmaßende Foderungen gemahnten ihn selbst lächerlich , und er konnte nicht begreifen , wie ihm jener klare Blick über die verschiedne Gestaltung des Glückes so lange fremd geblieben war . So erschien ihm nun alles weit anders , und wie den trüben Sinn die eigne Dunkelheit gefangen hält , so erblühet dem heitern ein Licht nach dem andern , bis er auf glänzenden Schwingen die Welt überfliegt und überall nur Lust und Freude sieht . Er gefiel sich so wohl in dieser erhebenden Stimmung , daß er sich recht angestrengt bemühete , jeden ängstigenden Ruf aus dem Innern zu überschreien , und vor den eignen Gespenstern zu fliehen . Stephano fand ihn in diesem Lichtmeere schwimmend , und als er die Veranlassung erfuhr , beredete er ihn , sich bei der Prinzessinn Therese vorstellen zu lassen , wodurch es ihm allein möglich sey , Rosalien öfter zu sehen , und jene interessante Bekanntschaft fortzusetzen . Er willigte ein , und betrat schon am folgenden Tage das leichte , fast feenartige Sommerhaus . Eine Reihe weißer Marmorsäulen , die es umgab , trug ein reich vergoldetes Dach . Alle Zimmer stießen auf diese äußere Halle und zeigten durch die geöffneten mit bunten Vorhängen gezierten Thüren die Pracht der innern Einrichtung . Durch sie gelangte man zu einem Saale , der den Mittelpunkt des Gebäudes ausmachte , und durch eine vielfarbige Glaskuppel die Beleuchtung erhielt . Nischen mit hohen Spiegeln versehen , fingen die bunten Lichtstrahlen auf und verbreiteten sie auf rosige Marmorwände und silberstoffne Polster . Alles wogte hier im blendendsten Glanz . Er glaubte von verklärten Gestalten umgeben zu seyn , als ihm die Prinzessinn mit ihren Töchtern entgegen trat . Doch bald zeigte ihm Elwire , die sich mit einer ihrer Damen verstohlne Zeichen bei seinem Eintritte gab , daß er wirkliche Gebilde vor sich habe . Therese hatte von ihm gehört , und es war auf ihr Geheiß , daß ihn Stephano hier einführte . Sie redete ihn sehr verbindlich an , in ihrem Ton und Wesen lag eine unendliche Milde , und oft ruheten ihre Blicke wehmüthig auf den seinen . Indessen suchte sie beunruhigende Gedanken durch allgemein herbeigeführte Gespräche zu entfernen . Miranda sagte ihm , daß sie Rosalien vergebens erwartet habe , deren wechselndes Befinden sie unendlich beunruhige , je weniger sie selbst davon ergriffen scheine . Elwire , die während dessen unter vielem Lachen Stephano ' s Anzug gemustert , und oft ziemlich laut nach Alexis und dem Vorgange auf dem Waldschlosse gefragt hatte , sagte jetzt unverholen , wie sie es nicht begreife , daß gerade Rosalie die treue Liebe des zierlichen Ritters so hartnäckig von sich weise , da sie in ihrer Lage wohl schwerlich auf einen ergebenern Anbeter rechnen dürfe . Man sieht aber , setzte sie hinzu , daß Kränklichkeit sie verstimmt , und das hat der gute Ritter auch wohl eingesehen und sich geschickt zurückgezogen . Stephano ließ sie gern reden , und freuete sich jedesmal über die Sicherheit , mit der sie ein falsches Urtheil