- Dieses einzige , unerwartete Wort war entscheidend ; die Witwe versprach nun heilig , obgleich mit schwerem , muthlosen Herzen , dass sie morgen im Tage dem alten Herrn Stark ihre Ehrerbietung bezeugen wolle . XX. Es war um Theezeit ; und die Doctorinn , die sich den Mund ganz trocken gesprochen , aber bei der Witwe den Thee verbeten hatte , kam auf den Einfall , ihn bei der Mutter zu trinken . Sie fand hier zugleich den Vater , der dann und wann bei der Alten ein Schälchen nahm ; und zufälliger Weise auch Monsieur Burg , den Madam Stark so eben wegen eines Gerüchtes ausfragte , das ihr zu Ohren gekommen war . Es hiess : ein ziemlich bemittelter Oheim von Burg , den dieser zu beerben gehofft hatte , sei noch in seinen alten Tagen schlüssig geworden , sich zu verheiraten . - Ist das wahr ? fragte die Alte . Leider wahr ! sagte Monsieur Burg . Aber wie in aller Welt kömmt er auf den Gedanken ? Ich hätt ' ihn für vernünftiger angesehen . Wie ? sagte der Alte , den die Lust , sie ein wenig zu necken , ankam . Ist Heiraten Unvernunft , Mutter ? Behüte ! Es wäre Lästerung , das zu sagen . Ehe ist ja eine Einsetzung von Gott . Das mein ' ich ! Und eben deswegen , Mutter - weil der alte Oheim , nach langer Verblendung , das endlich einsieht ; so bereut er sein bisher geführtes sündliches Hagestolzenleben , und kriecht zu Kreuze . Jaja ! rief hier Monsieur Burg , dem der wahrscheinliche Verlust der Erbschaft schwer auf dem Herzen lag - : Kreuz soll er schon finden , denk ' ich , das soll er finden ! Lieber Monsieur Burg ! sagte die Alte , und nahm einen andächtigen Ton an : auf Erden hat wohl jeder sein Kreuz ; und was der Himmel dem Oheim auferlegt , muss er tragen , und muss darüber nicht murren . Das ist Pflicht eines Christen . Die Doctorinn hatte Noth , nicht zu lachen . - Aber , sagte der Alte , du hörst ja , dass er der Trübsal willig entgegengeht , und dass er sich ganz demüthig in die Schule der Geduld begiebt . Was verlangst du denn mehr ? - - Alberne Menschen übrigens sind diese Hagestolzen : das ist gewiss . In der Jugend , hüten sie sich sorgfältig vor einer Thorheit ; und im Alter , begehn sie dafür eine Narrheit . Ei , ei ! rief die Doctorinn aus . Lieber Vater ! Was ist ? - Sie waren ja sonst ein so grosser Freund , ein so eifriger Vertheidiger des Ehestandes . War ich ? - Nun , so will ich ' s auch bleiben , und will die Thorheit geschwind zurücknehmen . Doch die Narrheit , Kind , musst du mir lassen . Drollicht ! - Aber ich bin ' s zufrieden . Es gilt . - Und ist ' s denn wahr , fuhr die Alte zu untersuchen fort , dass die Person , in welche sich der Oheim verliebt hat - - Verliebt , Mutter ? Hat er sich denn wirklich verliebt ? - Ich dachte , er heiratete bloss aus Zerknirschung . Wenigstens , sagte Monsieur Burg , kann die Zerknirschung noch kommen . Das Weib soll hässlich seyn , wie die Nacht . - Und Kinder bringt sie ihm obendrein in das Haus . Ganzer zwei . Wirklich ? - Nun , das war ' s , sagte die Alte , was ich im Sinne hatte , und wornach ich vorhin Ihn fragen wollte . - Also eine Witwe nimmt er zur Frau ? und eine Mutter von Kindern ? Hm ! - Von zwei lebendigen Kindern . Hmhm ! - Scheint dir das sonderbar , Mutter ? Mir nicht . Mir scheint es das Vernünftigste bei der Sache . - Wenn Kinder da sind , so wird denn doch der Alte mit Ehren Vater . - Eine Witwe zu heiraten , ist immer die beste Art , zu fremden Kindern Vater zu werden . Und was giebt ' s denn für eine andre ? fragte die Alte ganz ehrbar . - Ach ja ! - indem die Tochter , die sich nicht länger halten konnte , von Herzen zu lachen anfing , und der Vater mit einstimmte . - Das treuherzige Ach ja ! war nicht gemacht , dieses Lachen zu dämpfen ; und die Mutter , so sehr sie sich Anfangs dagegen sträubte , lachte am Ende mit . - Herr Stark , wie man sieht , war in seiner Feiertagslaune ; aber sicher hätt ' er ihr nicht den Zügel schiessen lassen , und hätte sich kein ' s seiner Spässchen erlaubt , wenn nicht Herr Wraker , der alte Oheim von Burg , ein bekannter Ausschweifling gewesen wäre , der die Hochachtung von keinem Menschen , und also auch nicht von dem Neffen , hatte . - Indessen , als in der Folge des Gesprächs sich der gekränkte Eigennutz des jungen Mannes immer stärker verrieth , und er sich endlich zu bittre , zu unanständige Glossen erlaubte , wies ihn Herr Stark , zwar liebreich , doch alles Ernstes , zurechte . - Er berührte zuerst den Hauptpunct der wahrscheinlich verlornen Erbschaft , und erklärte diesen Verlust für nichts weniger als ein Unglück : denn , meinte er , Monsieur Burg sei ja Manns genug , um durch eigene Kräfte sein Glück zu machen ; und so ein Glück habe immer mehr Werth , als ein anderes , das durch Erben oder durch Heiraten erlangt werde . - Wenn man , sagte er , die hiesigen grossen Häuser der Reihe nach durchgeht ; so findet man , dass sie alle entweder vom lebenden Stifter selbst , oder höchstens vom Vater her sind : die vom Grossvater her sind schon alle wieder im Abnehmen , im Sinken