, zu hören und zu besprechen strebte , was man für einander auf dem Herzen hatte , als Jedem immer noch etwas einfiel , was er vergessen zu haben meinte , und Allen der Trennungsschmerz schon die Brust belastete , daß die Stimmen weich wurden und die Augen sich mit feuchtem Schimmer füllten , sagte Renatus , daß er noch eine Bitte an die Gräfin habe , mit deren Gewährung sie ihm eine Beruhigung bereiten könne . Er wünsche , daß Hildegard das Flies ' sche Haus nicht mehr besuche und daß ihr Verkehr mit Davide ein Ende haben möge . Man hatte auf jedes andere Verlangen eher als auf diese Forderung gerechnet , und weil sie gar so auffällig erschien , begehrte die Gräfin , daß er erklären solle , worauf sie sich begründe . Er antwortete , es sei ihm nicht möglich , dies auseinander zu setzen , am wenigsten könne er das in den wenigen Minuten thun , die zu weilen ihm noch vergönnt sei ; man möge aber zu seinem Herzen und zu seinem Ehrgefühle das Zutrauen haben , daß er eine solche Warnung gegen eine Familie und gegen Personen , deren Gastfreundschaft er selbst angenommen und die seine Mutter ihrer Theilnahme werth geachtet habe , nicht auszusprechen wagen würde , wenn ihn nicht die entschiedensten Gründe dazu nöthigten . Die Gräfin war sehr geneigt , ihm in allen seinen Wünschen zu willfahren , denn sie hatte ihn von jeher lieb gehabt und hatte Vertrauen in seine Rechtschaffenheit ; dennoch machte sie Einwendungen , die auf ihrer persönlichen Kenntniß und ihrem persönlichen Wissen von Seba beruhten . Allein sie machte damit weder auf Renatus , noch auf ihre Tochter den gehofften Eindruck . Der Jüngling beschied sich zwar , auf die Entschließungen der Gräfin keinen Einfluß zu üben , aber von seiner Braut meinte er Nachgiebigkeit und Gehorsam gegen seine Ansichten fordern zu dürfen , und Hildegard war mit der unheilvollen Ausschließlichkeit der Liebe augenblicklich bereit , ihm zu gehorchen . Du und ich , ich und Du , rief sie , das ist fortan unsere Welt ! Was kümmern uns die Andern ! Kehrst Du mir wieder , so brauche ich Niemanden sonst , und ohne Dich - werde ich überhaupt nichts mehr bedürfen ! Die Aeußerung erschreckte und verletzte die Gräfin . Sie erinnerte die Tochter daran , daß Renatus mit solcher Ausschließlichkeit schwerlich einverstanden sein werde , da er große Zärtlichkeit für seinen Vater , für Vittoria und für seinen kleinen Bruder hege ; aber Hildegard ' s Seele hatte immer nur für eine Empfindung , ihr Geist immer nur für einen Gedanken Raum , und sie hatte in jenen Worten , mit denen sie ihre Liebe auszudrücken wünschte , ihren Zustand völlig richtig bezeichnet . Sie zog daher von jener Mahnung auch keinen Schluß auf die berechtigten Ansprüche der Mutterliebe , sie schien eben so vergessen zu haben , daß sie bisher in ihrer Verehrung vor Seba , in ihrer Zuneigung und in ihrem Umgange mit Davide eine Genugthuung gefunden hatte . Renatus aber war zu jung und viel zu unerfahren , um nicht durch den Gehorsam seiner Verlobten sehr befriedigt zu werden , um in ihrer hingebenden Willfährigkeit neben ihrer Liebe auch die ganze , rücksichtslose Härte einer beschränkten und engherzigen Natur vorahnend zu erkennen und zu schauen , und als sie , überwältigt von ihrem Schmerze , im Augenblicke der Trennung , als könne sie sich nicht genug thun mit ihrem Leiden und mit ihren Thränen , eine ihrer langen , blonden Locken abschnitt , damit er sie zu ihrem Gedenken auf dem Herzen trage , preßte er die Geliebte noch einmal mit stolzer , seliger Freude an seine Brust und verließ sie und das Haus ihrer Mutter und die Stadt , in dem Gefühle , daß so viel Liebe von Gott gesegnet und unvergänglich , ewig sein müsse . Er hatte zu lange bei der Braut verweilt , um seinen Onkel , den Grafen Gerhard , noch aufzusuchen , er fühlte sich auch nicht dazu geneigt ; denn er hatte nur einen einzigen Gedanken , und diesen zu verschweigen wäre ihm eben so schwer geworden , als ihn vor seinem Oheim auszusprechen . Er hätte eben so gern die geweihte Hostie , den heiligen Leib des Herrn von unreinen Händen berührt gesehen . Dazu hatte die Gräfin verlangt , daß Hildegard und Renatus ihre Liebe geheim halten sollten , bis sie sich der Einwilligung des Freiherrn sicher wüßten , und des Jünglings reine Seele fand einen keuschen Genuß in seinem stillen , innerlichen Liebesglücke . Als er mit seinem Regimente an dem Flies ' schen Hause vorüberkam , blickte er aus Gewohnheit hinauf , aber es war Niemand von der Familie an den Fenstern sichtbar ; nur Herr von Castigni winkte ihm seinen Gruß zu . Mein Billet ist verstanden worden , sagte sich Renatus mit Zufriedenheit ; gleich darauf kam es ihm jedoch in das Gedächtniß , daß Seba neulich ausgesprochen , sie denke es nicht mit anzusehen , wie die Kinder des Vaterlandes von einem fremden Tyrannen für eine ungerechte Sache an das Messer geliefert würden . Er hätte das gern vergessen mögen , aber es fiel ihm immer wieder ein ; noch vor dem Hause , in welchem sein Oheim wohnte , dachte er daran . Es war lebhaft in der Straße , obschon Truppenmärsche seit Jahren eine alltägliche Sache geworden waren . Freunde und Verwandte der Ausmarschirenden , Müßige und Neugierige standen zu beiden Seiten des Weges , den das Regiment zu machen hatte . Die Kriegsräthin , die noch immer ihre Freude an schönen Uniformen und an schönen Männern hatte , saß seit dem frühen Morgen , wohl frisirt und sorgfältig geschminkt , am Fenster . Sie hatte , um sich in dem vorderen Eckzimmer aufhalten zu können , den Grafen gefragt , ob sie nicht aufpassen und ihn benachrichtigen solle , wenn das Regiment des jungen Herrn Baron vorüberkomme ; und obschon es