sagt sich nur : Eins ist gewiß , ich werde krank ! ... Auch Freunde können dann nicht helfen . Ja , wer hat denn gleich von euch den sanften Ton und den vollen Accord der reinen Uebereinstimmung , den Ton , der uns gerade jetzt so noth thäte und den nur allein zu hören jetzt uns möglich ist ! Wie klingt so oft euer Trösten und des Zuspruchs bestes Wort doch so völlig anders , als es die Schmerzen hören wollen ! Schon daß ihr alle so gesund aus der frischen Luft des Lebens kommt ! Daß euch allen nichts fehlt ! ... Käme z.B. jetzt Thiebold de Jonge - nur lachen , nur scherzen würd ' er ... Benno ... Benno freilich ... Benno ist immer so seltsam traurig ... was fehlt ihm nur , dem Guten , dem selbst in Heiterkeit doch immer nur so duldend Scheinenden ? ... ... Paula ! Paula ! ... Der hätte sie den Kopf in den Schoos legen mögen ! Die hätte Frieden über ihre Seele gehaucht , schon mit dem Streicheln ihrer Hand allein ! Paula hätte nur gesagt : Armgart ! und in dem einen Worte , in dem Tone schon hätte alles gelegen , was sie still und ergeben gemacht ! Das Gewitter war endlich vorüber ... Armgart erfrischte die verweinten Augen auf einem Balcon , auf den eine Thür des Corridors des alten unheimlichen Gebäudes führt ... Schon war es die sechste Stunde ... Die kleine Liddy hatte sich ein Geschichtchen erzählen lassen , sich dann auf die andere Seite gelegt und war wieder eingeschlummert . Der Balcon ging nach der Seite hin , die dem Hüneneck zugewandt ist . Sie konnte die für eine wiener Dame bestellten Zimmer nicht vergessen . Die » Vier Jahreszeiten « selbst waren vor Nebel nicht zu sehen ... Wie trübe dieser Anblick , der am frühen Morgen so schön gewesen ! Die nächsten Berge jetzt ganz unsichtbar ! Nur in leisen Contouren glitten sie aus dem Wassernebel heraus ... Das Enneper Thal ganz durchwallt von weißen Luftstreifen , als zög ' es fort mit den Wolken ... Am Meere , das hatte eine Antwerperin im Institute erzählt , da säh ' es so fast immer aus ... Am Meere ! ... Selten schossen die Wasservögel so niedrig hin ... Am Meere ! gedachte sie wieder ... Dann mußte sie das Nächste im Auge behalten , den Garten am Kloster , das Gewöhnlichste , nur um noch frisches Grün zu erblicken ... Wie die Salatbeete im Regen so putzig küchenmäßig und überreinlich glänzen ! Wie die Magd da watet barfuß in die weiche Erde hinein und die Köpfe heraushebt , die für den Nachtimbiß bestimmt sind ! ... Wann werden die Mädchen kommen ? ... Bringt Angelika wol einen Gruß von Benno mit ? Von Thiebold de Jonge ? Oder kämen sie wol beide und besuchten sie hier selbst auf der stillen Insel ? ... Darüber erschrickt Armgart ... Leicht gekleidet geht sie aus der frischen , ihr plötzlich fühlbaren Luft in den schwülen Corridor , den noch schwülern Schlafsaal ... Sie lüftet ein wenig das Fenster , das von Liddy am entferntesten liegt ... Der Gedanke des heimlichen Besuches hat sie ganz überrieselt . Sieben Uhr ! Immer noch kommen die Mädchen nicht ! Der Regen hat längst aufgehört . Man sieht trotz des Abendwerdens schon das Ufer wieder und drüben am Enneper Thal stehen die Kähne schon in Bereitschaft . Tönneschen Hilgers scheint so ungeduldig ... Es läßt sich sonst noch etwas verdienen ... denn mancher hat das Dampfboot versäumt und will hinübergesetzt sein auf das jenseitige Ufer , wo es heute Omnibus genug gibt , die wenigstens noch nach der Universitätsstadt fahren ... Da fahren auch in Mänteln Herren und Damen ... Gäste aus der Villa ? ... Und immer die Mädchen nicht ! ... Müssen die sich gut unterhalten ! Die kleine Liddy ruft ... des Abends kommt sicher noch das Fieber ... Der Arzt , der vom Hüneneck her erwartet wird , auch der bleibt aus ... Halb acht Uhr ! ... Da endlich , endlich ! ... da kommen sie ! ... Armgart sieht es trotz der Dunkelheit deutlich vom Balcone . Die mögen schön einsinken in den weichen Feldwegen ! ... Lederschuhe haben glücklicherweise alle ... Herren begleiten sie und die Kleinen werden über manchen Bach , der erst seit einigen Stunden auf der Enneper Landkarte steht , hinweggehoben ... Ob Benno ' s Arm dabei behülflich ist ? Wie sollte der zu den Herren von Drusenheim kommen ? ... Aber Benno weiß ja überall Rath ... Da fährt ein Wägelchen ! Mit zwei Ponies ! ... Zwei Damen bringen die allerkleinsten der Pensionärinnen an den Landungsplatz ... Sich alles das und mehr noch nun bald erzählen zu lassen , interessirte Armgart bei alledem ... Von der Toilette der schönen Madame Fuld erwartete sie Wunderdinge ... Niemand kann sein Geschlecht im Andern mehr lieben und neidloser bewundern , als das weibliche . Wo ist denn aber unter den Schiffenden nur Angelika ? ... Sonst winkt die doch immer mit ihrem Sonnenschirm oder mit einem Taschentuch , wenn sie vom Ufer kommt und Armgart steht auf dem Balcon ... Heute aber - ja , da ist sie ... Sie kehrt der Insel den Rücken zu ! O , das sind schlimme Zeichen ! ... Oder gehört sie auch zu den Lacherinnen und schämt sich nur vor Armgart ? ... Wie aufgeregt ist das junge Volk ! ... Sie haben in den nassen Kähnen die Kleider aufgenommen und sitzen fast da wie die Butterfrauen , wenn die vom Markte kommen ... Regnet ' s denn noch ? ... Die Hüte sind mit Taschentüchern umwunden ... Man schont sie wol nur ; nur die beiden Nonnen sind , was sie sind , in Sonnenschein und Regen , immer die gleichen Hauben mit den gleichen langen Flügeln ... ihre zwei Regenschirme sind die gröbsten der Anstalt . Jetzt