unternehmen , und nach der Zurückkunft sollte kein Aufschub mehr stattfinden . Der Tag werde dann festgestellt werden . Nach dieser Verabredung wurde Abschied genommen . Der Abschied war dieses Mal sehr schwer , weil er auf länger genommen wurde , und weil unglückliche Zufälle in der Abwesenheit nicht unmöglich sein konnten . Aber wir waren standhaft , wir scheuten uns , vor Zeugen , selbst vor so lieben , einen Schmerz zu äußern , sondern trennten uns , und versprachen , uns zu schreiben . Als uns unsere Gäste verlassen hatten , zeigten wir in Briefen an einige uns sehr befreundete Familien meine Verlobung an . Zur Fürstin ging ich selbst , um ihr dieses Verhältnis zu eröffnen . Sie lächelte herzlich und sagte , daß sie sehr wohl bemerkt habe , daß ich einmal , da sie des Namens Tarona Erwähnung getan hatte , äußerst heftig errötet sei . Ich erwiderte , daß ich damals nur errötet sei , weil sie mich auf einer inneren Neigung betroffen habe , den Namen Tarona habe ich in jener Zeit an Natalien noch gar nicht gekannt . Ich sprach auch von meiner Reise , sie lobte diesen Entschluß sehr , und erzählte mir von den Verhältnissen verschiedener Hauptstädte , in denen sie in früheren Jahren zeitweilig gewohnt hatte . Sie erwähnte kurz auch manches über das äußere Ansehen der Länder , da sie eine große Freundin landschaftlicher Schönheiten war . Sie hatte eben in dem Augenblicke vor , wieder an den Gardasee zu gehen , den sie schon öfter besucht hatte . Das war auch die Ursache , daß sie noch so spät im Frühlinge in der Stadt war . Sie ersuchte mich , nach meiner Zurückkunft wieder bei ihr auf ein Weilchen zu erscheinen . Ich versprach es . Meine Reise wurde nun keinen Augenblick mehr verzögert . Ich nahm von den Meinigen Abschied , und fuhr eines Tages zu dem Tore unserer Stadt hinaus . Ich ging zuerst über die Schweiz nach Italien ; nach Venedig , Florenz , Rom , Neapel , Syrakus , Palermo , Malta . Von Malta schiffte ich mich nach Spanien ein , das ich von Süden nach Norden mit vielfachen Abweichungen durchzog . Ich war in Gibraltar , Granada , Sevilla , Cordoba , Toledo , Madrid und vielen anderen , minderen Städten . Von Spanien ging ich nach Frankreich , von dort nach England , Irland und Schottland , und von dort über die Niederlande und Deutschland in meine Heimat zurück . Ich war um einen und einen halben Monat weniger als zwei Jahre abwesend gewesen . Wieder war es Frühling , als ich zurückkehrte , die mächtige Welt der Alpen , der Feuerberge Neapels und Siciliens , der Schneeberge des südlichen Spaniens , der Pyrenäen und der Nebelberge Schottlands hatten auf mich gewirkt . Das Meer , vielleicht das Großartigste , was die Erde besitzt , nahm ich in meine Seele auf . Unendlich viel Anmutiges und Merkwürdiges umringte mich . Ich sah Völker , und lernte sie in ihrer Heimat begreifen und oft lieben . Ich sah verschiedene Gattungen von Menschen mit ihren Hoffnungen , Wünschen und Bedürfnissen , ich sah manches von dem Getriebe des Verkehres , und in bedeutenden Städten blieb ich lange , und beschäftigte mich mit ihren Kunstanstalten , Bücherschätzen , ihrem Verkehre , gesellschaftlichem und wissenschaftlichem Leben und mit lieben Briefen , die aus der Heimat kamen , und mit solchen , die dorthin abgingen . Ich kam auf meiner Rückreise früher in die Gegend des Asperhofes und des Sternenhofes als in meine Heimat . Ich sprach daher in beiden ein . Alles war sehr wohl und gesund , und fand mich sehr gebräunt . Hier erfuhr ich auch eine Veränderung , die mit meinem Vater vorgegangen war , und die sie mir in den Briefen verschwiegen hatten , damit ich überrascht würde . Alle seine Anspielungen , daß er plötzlich einmal in den Ruhestand treten werde , daß er sich , ehe man sichs versehe , auf dem Lande befinden werde , daß sich vieles ereignen werde , woran man jetzt nicht denke , daß man nicht wisse , ob man nicht den Reisewagen öfter brauchen könne , waren in Erfüllung gegangen . Er hatte sein Handelsgeschäft abgetreten , und hatte den auf einer sehr lieblichen Stelle zwischen dem Asperhofe und Sternenhofe gelegenen , verkäuflich gewordenen Gusterhof gekauft , den er eben für sich einrichten lasse . Man freute sich schon darauf , wie er sich in diesem neuen Besitztume häuslich und wohnlich niederlassen werde . Ich nahm mir nicht Zeit , diesen Hof , den ich von außen kannte , zu besuchen , weil ich Natalien , die mir wie ein Gut wieder gegeben worden war , nicht noch unnötig länger von meiner Seite entfernt wissen wollte . Nach innigem Empfange und Abschiede reiste ich zu meinen Eltern , und reiste Tag und Nacht , um bald einzutreffen . Sie wußten von meiner Ankunft , und empfingen mich freudig . Ich richtete mich sogleich in meiner Wohnung ein . Es war mir seltsam und wohltuend , den Vater jetzt immer zu Hause und ihn stets mit Plänen , Entwürfen , Zeichnungen umringt zu sehen . Er war während meiner Abwesenheit fünf Male in dem Gusterhofe und bei diesen Gelegenheiten öfter bei Mathilde oder Risach als Gast gewesen . Die Mutter und Klotilde hatten ihn zweimal begleitet . Er war in diesen zwei Jahren um ein gut Teil jünger geworden . Auch die Bewohner des Sternen- und Asperhofes hatten sich einmal im Winter bei meinen Eltern als Gäste eingefunden . Die Bande waren sehr schön und lieb geflochten . Gleich am ersten Tage meiner Anwesenheit im elterlichen Hause führte mich meine Mutter in die Zimmer , die für mich und Natalien als Wohnung hergerichtet worden waren , wenn wir uns in der Stadt aufhalten wollten . Ich hatte gar nicht gedacht , daß in dem Hause so viel Platz sei , so geräumig war