, lassen Sie uns besonnen sein . Sie werden hier bleiben , bis Egon wiederhergestellt ist . Auch ich nehme an Allem , was die Hohenbergs betrifft , den lebhaftesten Antheil . Sprach Egon niemals von mir , nie von den Harders überhaupt ? Egon war ein Franzose geworden . Er kannte Deutschland nicht mehr ; antwortete Helene . Ließ er sich niemals auf das Leben seiner Mutter ein ? bemerkte Pauline lauernd . Ich weiß von ihr nicht mehr , als was ich von Ihnen erfuhr , sagte Helene aufrichtig und offen . Wer Amarantha bewundert , kann nur erschrecken , daß Egon Amaranthens Sohn sein soll ! Lassen Sie ! Lassen Sie ! Ja ! Ja ! Man sagte mir Das . Was thut Das ? Ich lebte der Gegenwart und Zukunft . Egon selbst sprach ungern vom Vergangenen . Gerade zur Zeit , als seine Mutter starb , waren wir Beide die glücklichsten Geschöpfe der Erde . Sie sind auch darin so gut , Helene , sagte Pauline aufathmend , daß Sie für Ihre Freunde Partei nehmen und für Das , was Sie einmal warm und treu ergriffen haben , Farbe halten . Schließen Sie sich mir an ! Ich bin zwar manchen Stürmen preisgegeben gewesen . Aber noch wurzl ' ich in festem Boden . Bleiben Sie eine Viertelstunde in der kleinen Gesellschaft , die ich heute um mich habe . Beobachten Sie flüchtig ! Sie werden mit der Schärfe Ihrer Intuition bald bemerken , was jetzt die Menschen hier beschäftigt und beschäftigen darf . Versprechen Sie mir , besonnen zu sein ? Besonnen um meinetwillen ? Ich verspreche es , sagte Helene und reichte ihre weiße schwarzbeflorte Hand der auf Melanie , die jetzige Rivalin Helenens gespannten Freundin , die schon auf Wagen im gekieselten Fahrwege lauschte und mit Helenen an ein von der Abendsonne beschienenes Fenster der vorderen schon erleuchteten Salons trat . Sie wissen doch , daß Adele Wäsämskoi dort drüben wohnt ? fragte Pauline . Und noch ehe sie Helenens Antwort abgewartet hatte , brach sie schon in den lebhaftesten Ausdruck ihres Erstaunens aus , die königlichen Livreen vor dem Hause zu erblicken ... Sehen Sie ! rief sie . Die Fürstin ist eine tugendhafte trauernde Gattin , eine zärtliche Mutter ! Da steht schon der Wagen der Oberhofmeisterin vor ihrer Einfahrt ! Meine Schwester scheint gefeiert zu sein ; sagte Helene verächtlich . Der zweite daneben haltende Wagen scheint ihr ebenfalls Besuch zugeführt zu haben . Was seh ' ich ! rief Pauline . Das ist ja der alte Rumpelwagen meiner Schwester ? Anna mit der Altenwyl zusammen ? Ludmer ! Ludmer ! Wo ist die Ludmer ? Anna hat ein Rendezvous mit der Altenwyl ! Die alte Charlotte Ludmer hatte sich schon längst in der Nähe gehalten und bestätigte , was sie schon ausspionirt hatte , daß bei der Fürstin drüben , so wurde übertrieben » ein Wagen nach dem andern « vorführe , und eben wären Anna von Harder und die Gräfin Altenwyl dort zusammen ... Helene begriff nicht , was Pauline darin so Außerordentliches finden konnte und hörte befremdet zu , als Pauline in die Worte ausbrach : So müssen sich denn die schönen Geister wirklich schon begegnen ! O ich sehe es , wie sie aufeinander lauschen , aneinander sich entzünden und entflammen ! Dort die Tugend , da die Tugend und überall die Tugend ! Ha ! Ha ! Ha ! Ludmer , was wettest Du , Anna wird morgen in die kleinen Cirkel eingeführt ! Was wird die Königin sie an ihr Herz drücken und ihr eingestehen , wie sehr sie nach dem Umgang mit solchen Naturen geschmachtet hätte ! Pfui ! Lächerliche Welt ! Helene , was sind die Männer zu beneiden ! Die Männer können Das , was sie verachten , zu stürzen sich verschwören ! Sie können Stirn gegen Stirn ihren Widerwärtigkeiten entgegentreten . Wir Frauen müssen unsere Ideen , wenn wir welche haben , niederkämpfen und nach Gebetbüchern greifen , um nur nicht die Thorheit zu begehen , einmal eine That zu versuchen ... Ich erstaune , sagte Helene , daß man hier so vom Hofe abhängt ! Noch vor drei Jahren ... Alles ist anders geworden , unterbrach die aufgeregte Pauline . Wissen Sie , Helene ! Hier treiben die Frauen jetzt nichts mehr als Werke der Liebe , der christlichen Liebe ... Oeuvres de charité ! Wie in Paris ! sagte Helene lächelnd . Wer liest noch ein Buch ! fuhr Pauline fort . Wer spricht noch von einem Roman ! Verachtet ist jetzt jede Frau , von der man mehr weiß , als daß sie ihre Kinder selbst wäscht , selbst anzieht und die Zeit , die ihr sonst übrig bleibt , mit Kirchenmusik und Colportage von Loosen für die Ausspielungen der Frauenvereine zubringt . Man nennt Das die innere Mission ! Man spricht von Krankenpflege , von Wärterinnen in den Hospitälern , von der Armuth und den unehelichen Kindern , von den Skropheln und Kartoffeln , von den Gefangenen und ihrer Besserung ... Wie Rafflard und meine Schwiegermutter in Paris ! O , es mag vortreffliche gutmüthige Leute darunter geben , die sich gern damit beschäftigen , Charpie zu zupfen und die Warteschulen zu besuchen , aber ich kann es nicht . Ich fühle mich zu schwach für diese Tugenden ... Pauline von Harder konnte nicht ausreden ; denn die Thür öffnete sich und einige Gäste traten schon herein ... Es waren zwei . Erstens der Hofmaler Lüders , eine schleichende höfliche Figur , ein Mann , der sein schönes Talent früh gelernt hatte an den Meistbietenden loszuschlagen , und Sanitätsrath Drommeldey . Ganz gegen die Abrede mit Paulinen stürzte Helene gleich auf diesen Letztern zu und fragte nach Egon , den er mit mehren andern Ärzten behandelte ... Drommeldey erwiderte mit einem eigenthümlich gekniffenen , lauschenden Blicke seines scharfen Auges , daß der junge Fürst sich durch mancherlei Aufregungen ein Nervenfieber zugezogen hätte , dem er