es leider gewiß schon zu spät . Wallrade lebt gewiß nicht mehr . « - » Barmherziger Gott ! « kreischte Katharina gräßlich auf : » Sie lebte nicht mehr ? Was sagst Du , Unselige ? Das kann nicht seyn ! Sie darf nicht todt seyn , .... sie kann nicht sterben ! Sie muß mir ja sagen , wo mein Kind hingekommen ist .... ich bin ja Agnesens Mutter , .... sie darf mir ja nicht verhelen ... O um Gotteswillen , Judith ! Judith ! laß mich fort an ihr Sterbelager . « - Judith suchte in dem Vorrath ihrer Bibelsprüche vergebens Einen , der als Talisman gedient hätte , die gegen jeden fernern Zwang rüstig Aufstrebende zurückzuhalten , ... , die Gewalt ihrer Hände gegen die Unglückliche zu gebrauchen , weigerte sich ihr Mitleid , welches die Möglichkeit , daß hier nicht Wahnsinn sowohl , als endloses Leid die Sprache führen möge , gar wohl ahnte . Sie war daher auf dem Punkte , dem ihr auferlegten Gebote zum Trotz , die als thöricht Eingesperrte dahin zu lassen , wohin ihrer ganzen Seele Sehnsucht strebte , als Walburg ' s Eintritt sie aus der Verlegenheit riß . Das Gesicht der strengen , unerbittlichen Oberin war finster und trug die Spuren einer unangenehmen Beweg . Sie trat langsam vor Katharinen hin , betrachtete die in Schmerz Vergehende , welche , aus Furcht verstummend , umsonst nach Worten suchte , der Nonne zu sagen , was sie der Magd gesagt hatte , und schüttelte ernst das Haupt . - » Ich bin arg hintergangen worden ; « sagte sie alsdann , - » oder aus der Verwundeten spricht die Glut des Fiebers . Wahr soll es seyn , daß Ihr Eure Vernunft besitzt : daß Ihr nicht wahnwitzig geworden über den Tod eines Kindes .... ? « - » Mein Kind lebt ! « fiel Katharine ein : hochwürdige Frau ! um Gotteswillen , mein Kind lebt ; sagt mir nicht anders . Ich will Euch ja von Herzen vergeben , was Ihr Böses an mir gethan . Ihr wart hintergangen , - Ihr seyd ein schwacher Mensch gleich mir ; der Satan hatte Euch umstrickt ; .... aber damit ich Euch verzeihe , sagt mir nur nicht , daß mein Kind todt ist . Sie wird es doch nicht gemordet haben , - die Abscheuliche ? Sagt nicht . - Ja würdige Frau . Des Kindes Vater hat sie ins Elend getrieben ; ... sie wird doch nicht das Töchterlein erwürgt haben ? - » Nein , nein , ehrsame Frau ; « antwortete Walburg zuversichtlich : » Dieses Kind lebt ; ich will es Euch zeigen sogar , in Eure Arme es legen , denn diese Mutterangst ist nicht Tollheit , und ich fürchte , ich habe mich sehr versündigt an Euch . Kommt mit mir , arme Frau , und bringt ein versöhnlich Herz zu der Todtkranken , damit sie nicht auf ihren Sünden hinab , sondern auf ihrer Reue zum Himmel steige . « - Ohne ein Wort zu erwiedern , behende wie die Löwin , die , zur Höhle kehrend , ihre Jungen nicht mehr findet , und hinausstürmt , um ihre Spur zu entdecken , folgte Catharine der Oberin , und Judith murmelte hinter ihnen her : » O ja , ihr Menschenkinder . Thut Buße , und übt Reue , denn Ihr wißt nicht , wann die Zeit da ist , weil Ihr nicht glaubt an Wunder , Zeichen und Ahnung . Ließe ich mir nicht die Hand abhauen , wenn ich meinem Vater , meiner Mutter einen tod hätte bereiten können , wie ihn hier die Verbrecherin stirbt , im Schooß der Reue ? Eitle Wünsche ! Barmherzig ist der Herr und er kann Alles thun , was er begehrt , weil auf seinen Fingern einst die Ruhe , und strafe ihren Mörder nach Verdienst . Wenn jemals die Bitten einer Tochter Eingang fanden zu seinem Ohre , so wird , so muß dieses Gebet erfüllt werden . Amen ! « - Mit versöhnlichem Herzen , und mit dem aufrichtigsten Willen , zu vergeben , betrat Catharina an Walburg ' s Hand Wallradens Zelle , aber nur einen schmerzlichen Blick warf sie auf die Todbleiche , die so eben von Margarethen und Willhild aus einer Ohnmacht geweckt wurde , - und zu stürzte sie auf die kleine Agnese , die von Dagoberts Armen ihr entgegenlächelte und jauchzte . Die treue , im Entzücken versunkene Mutter hatte keinen andern Gedanken von da an , als ihr Kind , kauerte sich mit demselben in einen Winkel , koste mit ihm , herzte es , machte tausend Fragen an seinen geschwätzigen Mund , und vergaß Alles um sich her . Wallraden , die wieder zu sich gekommen war , that es wohl , von der Mißhandelten nicht angeredet zu werden , und sie fuhr in der offenen Beichte fort , die sie schon früher gegen Margarethen begonnen hatte , - von der kurzen Bewußtlosigkeit unterbrochen . » Es ist hart « , lispelte sie , » daß ich um mich nur Menschen sehen kann , denen ich weh gethan , die ich hinterging . Das Schwert des Mörders hat der Reue eine fürchterliche Bahn in meinem Busen gemacht , und nur Eure Gegenwart , Margarethe , ... Eure Milde ist Arznei für mich . Die ich am meisten haßte stehen bei mir , ... die Andern verließen mich . Laßt mich endigen , Stiefmutter ; laßt mich Eurer freundlichen Sorge das Kind empfehlen , das von mir ausgestossen wurde , und alles Unheil in Euer Haus und über Andere brachte , ... der unschuldige Knabe . Ich hatte nie ein Mutterrherz : ich habe nie das Kind geliebt , dessen Vater ich haßte . Ich überließ dem , der mich verlassen , den Knaben nicht , damit er keine Freude an ihm erleben sollte ; ich mißhandelte den Buben , weil ich in