so gut wie krassester Egoismus . Böse ist nur die Nichterfüllung des eigenen Willens . Der menschliche Genius , der im Kampf mit zahllosen Schwierigkeiten seine fortzeugenden Werke leistet , scheint an sich viel größer , als die einmalige Naturschöpfung der allmächtigen Centralkraft . Ja , so mag des Menschen berechtigter Größenwahn wohl urtheilen . Nichts erbärmlicher und nichts bewunderungswürdiger , als der Mensch . So dachte gewiß auch Kain , der erste Haderer wider Jehova . Als er nun aber den Tod in die Welt gebracht , da sagte ihm dröhnend die innere Stimme : Das ist ein Riß durch die Natur , das ist Schuld . Er wußte bisher nur , daß er war , jetzt erfuhr er , daß er etwas solle - denn er fühlte , was er nicht solle . Woher ? Von wannen kam ihm diese Wissenschaft ? Aus dem Innern ? Wer schrieb ' s dort ein ? Er sich selber ? Seit wann denn ? Erst seit heute , wo er schuldig geworden ? Nein , es mußte ihm schon eingeboren gewesen sein . Es giebt also eine höhere moralische Ordnung außer uns und über uns . Hör ' auf , dein starres Ich zu behaupten , Niemandem unterthan , in dich selber ein wärts deinen Pfad zu bohren ! Tödte den Willen ab ! Selbst ein idealer Wille verstrickt dich in Schuld . » Soll ich denn meines Bruders Hüter sein ? « Heuchlerische Frage ! Du fühlst ja , daß du es sollst . In der Friedlosigkeit des Schuldbewußtseins fühle du den Frieden der Erlösungssehnsucht ! In dem Schmerze der Schuld wird die Last der Verantwortlichkeit von dir genommen , die den souverainen Willen bedrückt . Nicht länger fühlst du dich verpflichtet , als höchste Erscheinungsform der göttlichen Idee zu gelten . Die Demuth deiner Schuld beugt dich freudig unter die Erkenntniß einer über den Dingen stehenden Centralkraft , der sich auch der Größte willenlos zu unterwerfen hat . Jeder ist schuldig , auch du trage dein Kainsmal , denn auch du hast deinen Bruder gehaßt und dich selbst geliebt . Aber trage es ruhig und stolz , ohne Trotz , ohne unnütze Reue ! Gehe hin und sündige nicht mehr ! Wie so anders erscheint das Räthsel des Lebens dem Manne , der liebte und lernte und litt ! Eine grause Gabe ist das Teleskop der Wahrheit , das alle Erscheinungen verwischt und nur Schein sieht , wo die frische Hoffnung einst im Sein geschwelgt . Die Gedanken und Gefühle des Menschen bilden für sich ein Epos vom heiligen Gral . Wie frohgemuth sitzen sie erst beieinander , gleich König Artus ' Tafelrunde . Die Welt ist ihnen ein Bilderbuch voll Farben und Ideen und aus den Hieroglyphen der Weltgeschichte liest sie den klarsten Sinn . Lancelot vom See , die kühne Abenteurerlust , erfaßt die Natur mit ungebrochener Jugendlust . Tristan und Isolde finden sich in sinnlicher Leidenschaft , begehrungssüchtig und subjectiv , Parzival ' s Venuswunden heilen von selbst in sentimentaler Schwärmerei . Wohl tritt dann die wirkliche Leidenschaft verderblich in den Kreis , wie Ginevra , die königlich stolze , aber auch sie zerrinnt in resignirte Wehmuth . Da naht Merlin , die philosophische Auffassung der Welt , und wühlende Reflexion vernichtet die Schaffensfreude . Fey Maglore von der schwarzen Klippe , die Feindin Ginevras , lockt in ihren Bann und abgegohrene Liebessymptome verlieren sich allmählich in blasirte cynische Selbstverspottung . Kay der Seneschall regelt mit kalt kritischer Ironie die Dinge . Nach den Enttäuschungen der scheinbaren äußerlichen Erfahrung entsagt der Geist dem Behagen am fabulirenden Bilderreichthum der Wirklichkeit in erlogener Ruhe . Aus realistischem Arbeitstrieb keimt der Hochmuth eines gleichgültigen Materialismus . Doch der ungestillte Trieb nach idealer Erlösung und festerem Lebenshalt ringt nach Befreiung , der wunde Titurel harrt auf das erlösende Wort des Grals . Wer aber Avillion finden will , das Eiland der Seligen , der muß wählen Frieden durch den Kampf , Ruhe im Sturm . Da klärt sich des rüthselvollen Menschenlebens letzter Schluß , daß nur liebevolle Versenkung ins Allgemeine aus liebloser Einsamkeit erlöst . Nur Liebe für die Idee , nur Streben nach einem Ideal , nur dies macht theilhaftig des heiligen Gral , begräbt den Titurel des ringenden Ichs und krönt Parzival ' s Irren und Leiden . Die Seele , welche gelernt auf sich selbst allein zu bauen , in sich selbst ihre Stärke zu suchen - die Sporen des Hasses , der Verzweiflung , der Menschenverachtung hetzen und zerfleischen sie nicht mehr . Menschenverachtung sollte immer bei sich selbst anfangen . Menschenverachtung , die ja doch die Menschen braucht - allerdings nur als Sclaven und Beifallskatscher , aber doch immer braucht . Nicht länger beneidet die genesene Seele den Flitterkram äußerlicher Lüste . Durch den feurigen Ofen hindurchgegangen , abschmelzend die Schlacken gemeinerer Selbstsucht , wurde sie kalter biegsamer Stahl . Jetzt ist sie zum Ritter geschlagen d.h. zum freien Manne . Wer die Menschen nicht bedarf , trägt auch nicht ihre Ketten . Nur wer sie nicht braucht , liebt die Menschen aus selbstbeglückender Sympathie , aus erhabenem Mitleid Aller für Alle . Nur das ist der wahre » Weg zur Freiheit . « Aber nur die alte Erzeugerin und Erhalterin der Weltgesetze , Eros und Anteros die großen Gewalten , nur die Liebe erlöst . Und Liebe ist , langmüthig , sie hadert nicht , sie beugt ihren Willen unter den der andern , unter den höheren Willen des Ideals , wie es eingeschrieben in des Menschen Gewissen . Der Geist ist willig , aber das Fleisch ist schwach ; Liebe allein macht stark , indem sie das schwache Ich demüthig dem starken Allsein vermählt . Vom Ganges her rauscht aus Palmen und Lotoskelchen des Büßers Braminenlied : Wer störungsfrei , begehrungsfrei zum andern Ufer hingelangt , wer nichts zu eigen haben will , der nenne Buddha ' s Jünger sich . Aber ist Freisein von Leidenschaften nicht ein widernatürliches Unding ? Nur für