, das ihm nur irgend eine Art von Theilnahme eingeflößt hat , als ein Abhängiger , ein Unfreier erscheinen , am wenigsten konnte Renatus dies ertragen . Er sagte , daß er die Hoffnung hege , von seinem Vater die Wahl gebilligt zu sehen , welche sein Herz getroffen habe , aber er betheuerte zugleich , daß er Mannes genug sei , auch wider seines Vaters Willen sein Recht auf freie Selbstbestimmung zu behaupten . Hildegard ' s strahlendes Antlitz , ihr fester Händedruck , die Bewunderung , mit welcher die liebliche Cäcilie auf den Geliebten ihrer Schwester blickte , der sanfte Beifall , den er in der Mutter Augen las , steigerten seine Selbstgewißheit wie sein Feuer . Er versicherte , daß er nicht von dieser Stelle scheiden werde , ohne die feste Zusage von Hildegard ' s Hand erhalten zu haben . Er ging so weit , ihr und der Mutter zu bekennen , wie er sich alle jene Einwendungen selbst gemacht habe , wie er Willens gewesen sei zu schweigen , und ohne das beseligende Bewußtsein , daß die Geliebte für ihn bete und ihm mit ihrem Geiste nahe sei , in den Kampf zu ziehen , und wie unmöglich er das gefunden habe , als er Hildegard ins Auge geschaut , als ihr süßer Mund von ihm Vergebung gefordert habe , wo er , er ganz allein der Schuldige , ihrer Verzeihung bedürftig gewesen sei . Er lag dabei vor ihr auf den Knieen , er hatte sich von Allem überredet , was er sagte , Hildegard ' s Hände hoben sein blondes Haupt empor , er blickte trunken und beseligt in ihr Antlitz . Es war ihm völlig entschwunden , daß er sie am Morgen unschön gefunden hatte . Er nannte sie seinen Engel , seine schöne , blonde Heilige , und sie sah auch schön aus in ihrem Glücke . Wie hätte die Mutter ihren Kindern diese erste Seligkeit des Zueinandergehörens trüben oder stören mögen , wie hätte sie nicht mit ihren Kindern hoffen sollen , daß Alles sich zum Guten wenden werde ! Es war weit über die gewohnte Stunde , als sie den Jüngling daran erinnerte , daß es Zeit zum Aufbruch sei , daß er Hildegard verlassen müsse . Auf morgen ! sagte er , als er die Braut umarmte . Aber dann , aber dann ! rief sie in Vorahnung der langen , schweren Trennung , die ihnen drohte . Auch ihm krampfte es das Herz zusammen . Er küßte sie wieder und wieder , er trank die Thränen von ihren Augen , und jetzt dachte er wieder an die für Hildegard bestimmte Silhouette . Die Zweifel , die ganze Stimmung , mit welcher er das Portrait am Abende in Händen gehalten und betrachtet hatte , waren wie aus seiner Erinnerung weggelöscht . Der glückliche Augenblick verscheuchte und verhüllte , wie ein mächtiger Zauber , alles , was seiner Herrschaft in der Vergangenheit und in der Zukunft im Wege stand . Hildegard drückte das Bild an ihre Lippen , dann rief sie , daß man ihr folgen , daß man ihr leuchten solle , und schnellen Schrittes eilte sie den Andern voran in ihr Schlafgemach . Renatus hatte den stillen Raum nie zuvor betreten . Ueber dem keuschen , weißen Lager der Geliebten hing das Crucifix und das Weihwasserbecken , ein kleines Bild , das die Gräfin als Braut darstellte , hing darunter . Hildegard nahm es von der Wand und befestigte die Silhouette an der Stelle . Ihm mußt Du weichen , Mutter , das ist jetzt sein Platz ! rief sie , indem sie die Gräfin umarmte , und sich zu Renatus wendend , sagte sie mit einer Erhebung , die ihr sehr wohl anstand : Denke hierher , Geliebter ! Hier wird meine Seele für Dich beten , hier werde ich auf meinen Knieen liegen früh und spät und Gottes Schutz und Segen herniederflehen auf Dein geliebtes Haupt , und hier - ihre Stimme ging in Thränen unter - wird mein letzter Seufzer Dir gehören , wenn Gott es anders über Dich und mich beschlossen hat ! Die Verlobten sanken sich tief erschüttert in die Arme , die Gräfin und Cäcilie waren nicht weniger gerührt , sie umarmten den Jüngling gleichfalls , und die schlanke Cäcilie konnte sich in ihren Thränen kaum von seinem Halse trennen . Er mußte sie endlich mit sanfter Gewalt von sich entfernen , sie war des Schmerzes noch ganz ungewohnt . Als ein verwandelter Mensch kehrte Renatus in seine Wohnung zurück . Wie verdiene ich dieses Glück , wie verdiene ich ihre Liebe ? fragte er sich - ich , der ich mich so schwer gegen dieses reine , seltene Herz versündigt habe ? Hildegard ' s Frömmigkeit wirkte in ihm nach . Er betete ernster , inbrünstiger , als seit langer Zeit , und mit voller Ueberzeugung wiederholte er sich alle die Gelöbnisse , die er sich gethan hatte , und fügte den Schwur hinzu , daß Hildegard ' s Glück ihm heilig wie seine Ehre , und seine Ehe mit ihr ein Musterbild adeliger Würdigkeit und Sitte werden solle . Fünfzehntes Capitel Es waren ein paar schmerzlich schöne Stunden , die Renatus am Morgen noch mit seiner Braut verlebte . Die Aufregung des vorigen Abends hatte einer milden , weichen Stimmung Platz gemacht . Hand in Hand bei einander sitzend , besprachen die Liebenden in dem Beisein der Gräfin ihre Plane und Aussichten für die nächste Zeit und für die Zukunft , und man suchte es darüber wenigstens für diesen Augenblick zu vergessen , daß Renatus scheiden mußte und welchen Gefahren er entgegenging . Er gab der Braut Anweisungen darüber , wie sie ihm ihre Briefe durch Vermittlung der Behörden zuzusenden habe , verhieß ihr , zu schreiben , so oft sich ihm die Gelegenheit dazu bieten würde , und als der Zeiger der Uhr sich der Trennungsstunde nahte , als man noch eilig alles zu sagen , zu fragen