» Was da Eigentum ! Sie werden doch nicht glauben , daß ich , nun ich Sie kenne und in meinem Hause habe , Ihre Mappe um solches Bettelgeld behalten will , das wäre ja wie gestohlen ! Oder wollen Sie mich schon beschenken , Sie armer Schlucker ? « » Ich meine « , sagte Heinrich , » daß die Mappe ihre Dienste getan und sich für mich vollständig verwertet hat ; erst habe ich etwas daran gelernt und , indem ich sie zusammenbrachte , nichts Schlechteres verübt ; dann hat sie mir zur Zeit der Not das Leben gefristet , und zwar auf eine Weise , durch welche ich wieder etwas gelernt habe , und auf die Größe der Summe kam es gar nicht an . Jeder Groschen hatte für mich den Wert eines Talers und machte mir ebenso großes Vergnügen als ein solcher , und so habe ich zu Recht bestehend mich der Sachen entäußert . Endlich hat sie mir Ihr Wohlwollen erworben und mir das artigste Abenteuer vorbereitet , und so denke ich , durch dies alles sei ich vollkommen entschädigt . « » Dies würde alles ganz nach meinem eigenen Sinne sein , wenn die Umstände anders beschaffen wären . So aber ist es eine Düftelei , die wir lassen wollen . Ich bin reich und würde jetzt die Mappe unbedingt um jeden annehmbaren Preis kaufen , auch wenn Sie selbst gar nichts davon bekämen , also ganz ohne Rücksicht auf Sie . Lernen Sie auf Ihrem Rechte bestehen , wo es niemand drückt und ängstiget , wenn Sie Recht gewähren wollen , und nehmen Sie den Erwerb , der Ihnen gebührt , ohne Scheu , nachher können Sie damit tun , was Sie wollen ! Also nennen Sie mir einen Preis , wie er Ihnen gut dünkt , und ich werde noch froh sein , die Sachen zu behalten . « » Gut denn « , sagte Heinrich lachend , » so wollen wir den Handel abschließen ! Es sind über achtzig Blätter ; geben Sie mir für jedes ineinandergerechnet einen Louisdor ! Manches darunter würde ich , wenn ich ein florierender Künstler wäre , nicht für zehn verkaufen , aber bei einem solchen Handel in Bausch und Bogen ist es nicht also zu nehmen ; davon ziehen Sie dann achtzigmal den Taler ab , den Sie dem Alten für jedes Stück gegeben , so wird die Affäre so ziemlich ehrbar und für beide Teile leidlich ausfallen ! « » Sehen Sie wohl ! « sagte der Graf und gab ihm lachend die Hand , » so gefallen Sie mir ! Hätten Sie zuwenig oder zuviel verlangt , so würden Sie mir in beiden Fällen nicht so gefallen haben ! Auch den Abzug des Talers nehme ich an und habe absichtlich gleich Geld mitgebracht ; hier ist es , damit Sie mit einem guten Pfennig in der Tasche , als Gast und nicht als Bettler , an unsern Mittagstisch kommen , wohin wir jetzt gehen wollen ! « Heinrich steckte die Papiere in die Brusttasche und einiges Silbergeld , welches die betreffende Summe vervollständigte , in die Westentasche , denn eine Börse besaß er nicht , und indem er an des Grafen Arm nach dem Familienzimmer ging , sagte er » Wenn ehemals ein abenteuernder Held in einer befreundeten Burg einkehrte und sich erholte , so reichte man ihm ein neues Schwert , wenn das seinige im Kampfe mit den Riesen und Ungeheuern zerbrochen war . Heute reicht man ihm , wenn es recht hoch und kühnlich hergeht , ein Bündel Banknoten , welche er auch ganz stillvergnügt einsteckt und mit denen er , statt eines Schwertes , um sich schlagen und weiterfechten muß , um sich Luft zu schaffen für seine wunderlichen und unerheblichen Taten . « » So ist es « , antwortete der Graf , » darum sehen Sie zu , daß Ihnen das moderne Schwert nie mehr zerbricht ! Denn nur wenn Sie Geld haben , brauchen Sie am wenigsten an dasselbe zu denken und befinden sich nur dann in vollkommener Freiheit ! Wenn es nicht geht , so kann man allerdings auch sonst ein rechter Mann sein ; aber man muß alsdann einen absonderlichen und beschränkten Charakter annehmen , was der wahren Freiheit auch widerspricht ! « Als sie in das Zimmer traten , kam ihnen Dorothea entgegen und begrüßte Heinrich freundlich , doch mit einer gewissen anmutigen Gemessenheit , indem sie einen leichten Knicks machte , sich gleich wieder bolzgrad aufrichtete , den Lockenkopf allerliebst auf eine Seite neigte und den Gast mit reizender Hochgnädigkeit ansah . Auch trug sie ein Kleid von schwerem schwarzen Atlas , das sehr aristokratisch geschnitten war , um den Hals eine feine Spitzenkrause , in welcher sich ein glänzendes Perlenhalsband verlor , nicht ohne sich zuerst um ein Stückchen des weißen fräuleinhaften Halses zu schmiegen . Der Graf sah seine Tochter etwas überrascht an , auch schaute er sich um und sagte verwundert » Ich dächte , wir wollten essen ? und wo hast du denn decken lassen ? « - » Ich habe heute im Rittersaal decken lassen « , sagte sie , » wir haben so lange nicht da gegessen , und der Herr grüne Heinrich kann sich da am besten orientieren , bei wem er eigentlich ist , wir haben uns , die wir ihn nun schon mehr kennen , ihm eigentlich noch gar nicht vorgestellt , und kaum weiß er , wie wir heißen ! « Der Graf , welcher nicht wußte , was sie im Schilde führen mochte , ließ sie gewähren , und so begab man sich durch einige Gänge des weitläufigen Hauses nach einem langen , etwas düstern Saal . Dieser war von unten bis oben mit Ahnenbildern angefüllt , fast durchgängig schöne Männer und Frauen in allen Lebensaltern , die , der Tracht und der Kunst nach zu urteilen , bis zum Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts hinaufreichten . Von da ab waren aber noch