finden ; doch vergessen Sie nicht , daß er Sie streng richten wird , wenn Sie jetzt oder früher leichtsinnig Hoffnungen erweckt haben , die sich mit dem Glücke der Betheiligten nicht vereinigen lassen . « » Ich fange an Sie zu verstehen , « sagte Leonce , » und würde Sie bitten , mir eine augenblickliche Erklärung zu erlauben , wüßte ich nicht , daß uns mein Bruder hier zu einem gemeinsamen und wichtigen Beschlusse zusammen berufen hat , und wäre ich nicht jetzt noch durch ein heiliges Wort gebunden , was es nicht zuläßt , mich so genügend zu erklären , als es nöthig sein wird , um Ihr schweres Mißtrauen zu zerstreuen . « Schnell grüßten sich Beide , und Lord Duncan ' s Gesicht hatte sich bei den letzten Worten des jungen Mannes aufs neue merklich verfinstert , wogegen Leonce einen heiteren , freieren Ausdruck gewann . Bei dieser Unterredung , die auf früher sehr innige und jetzt , wie es schien , gestörte Verhältnisse hindeutete , unterdrückten die Zuhörer ihr Erstaunen , um Beiden Zeit zu einer schnellen Sammlung zu lassen . » Gräfin d ' Aubaine und Sie , meine Herren , « hob nun Lord Duncan sogleich an ; - » ich muß um Verzeihung bitten , wenn ich Ihnen , ein unfreundlicher , wilder Insulaner , hier so eben erschienen bin . In Ihrem feinen , gesitteten Frankreich hoffe ich , ist man immer darauf gefaßt , den überseeischen Freunden ein Conto auf ihre rauhen Naturäußerungen zu schreiben - und so lassen Sie mich denn zur Sache übergehen . Ich glaube , meine Freunde , wir sind Alle außer Zweifel , daß Elmerice , unter dem Namen Eton , die Tochter Reginald ' s , des rechtmäßigen Grafen Crecy-Chabanne ist ; - und hier bin ich - der Freund ihres Vaters , dieses unglücklichen Reginald ' s , in dessen Armen er seinen edeln Geist aushauchte - um diese Wahrheit mit Allem zu vertreten , was Ihr schöner Eifer nur wünschen kann , meine Herren ! « » Gottlob , « rief der Marquis d ' Anville , - » so haben wir das Letzte , was uns fehlte : die Identitäts-Erklärung eines vollständig glaubhaften Mannes ! « » Sie haben mehr , mein Herr ! « sagte heiter der alte Lord ; - » Sie haben gerichtliche , völlig beglaubigte Zeugnisse darüber . Da wir , der englische Bischof , Herr Lester , der Oheim des Grafen , und ich , ihn nicht zur Wiederannahme seines Namens und Ranges bewegen konnten , sicherten wir doch , als er sich vermählte , hinter seinem Rücken den Nachkommen durch die Urkunden , die seine Person nachwiesen und versicherten , die Möglichkeit eines gerichtlichen Beweises . Erst kurz vor seinem Tode , da das Glück seiner Tochter durch eine entstandene Frage über ihren Rang und Titel bedroht erschien , entdeckte ich ihm unsere vorbereiteten Schritte ; er gab meinen Bitten nach und erklärte sich nun selbst vor den dazu nöthigen Gerichtspersonen für den Grafen Crecy-Chabanne und ließ die Dokumente darüber ausfertigen . « Mit freudeleuchtenden Augen empfingen die beiden dadurch enterbten Brüder die wichtige Urkunde , und fast mit Andacht sahen sie die schöne Unterschrift Reginald ' s neben dem alten Crecy ' schen Wappen . » Wie glücklich bin ich , Mylord , « rief endlich d ' Anville - » Ihnen jetzt ein eben so wichtiges Dokument einhändigen zu können . Hier : Ludwig der Fünfzehnte , unser allergnädigster König , hat die Bitten seines ehemaligen Pagen , meines Bruders , erhört und ihm diese Vollmacht in seinem hohen Namen ausfertigen lassen ! Sie erklärt den in jenen unglücklichen Prozeß verwickelten Grafen Reginald für völlig unschuldig an absichtlichem Todtschlag , und indem sie die Vermählung seiner Aeltern als gerichtlich rechtskräftig bestätiget , befugt es ihn oder seine Nachkommen zur unbestrittenen Erbfolge aller daher oder daraus entstandenen Besitzthümer der Crecy-Chabanne ! Hier - lesen Sie die ausreichenden Bestimmungen dieses wahrhaft königlichen Gnadenbriefes ! « Doch dies that Lord Duncan vors Erste nicht ; - er eilte auf Leonce zu und schloß ihn mit Wärme in die Arme . » Edler , junger Mann , « rief er mit feuchten Augen ; - » möchte ich in allen Beziehungen Ihnen so meine vollste Bewunderung schenken können - es wäre mir der größte Trost ! - Reginald , « rief er dann , die gefalteten Hände andächtig auf seine Brust legend , während sein thränenschwerer Blick den Himmel suchte ; - » Reginald , mein erhabener Freund , Dein Name steht jetzt so rein vor der Welt , wie Deine Seele vor Gott ! O , welche Wohlthat für mein altes , stolzes Herz - das der Himmel mir in Gnaden vergeben wolle ! « » Ja , und warum erlebte die alte Frau Marschallin nicht diesen Moment ? « rief hier der alte Arzt , polternd von seinem Stuhl aufspringend ; - » wie hätte ich ihr gegönnt , den Sohn Fennimors mit der Crecy ' schen Grafenkrone zu sehen ! « Alle konnten hier , trotz ihrer feierlichen Stimmung , ein kurzes Lächeln nicht unterdrücken , was der alte , muthwillige Herr auch beabsichtigt hatte , da für seinen Sinn die Erweichung ihm zu sehr überhand genommen hatte . » Jetzt , « sagte die Gräfin d ' Aubaine - » lassen Sie uns keinen Augenblick anstehen , Elmerice ihren Rechten zurückzugeben . « » Gut , edle Gräfin , « sagte der alte Arzt ; - » ich gehe und hole sie . « » Besser , « sagte Franziska - » wir begeben uns Alle selbst zur Gräfin Crecy und begrüßen sie als unsere theure Verwandte . « Alle stimmten freudig ein , und man trat sogleich den Weg zu den Gemächern Emmy Gray ' s an . Eine Nachtruhe , die wohlthuend auf Emmy ' s Kräfte gewirkt hatte , gab ihr an demselben Morgen einen jener klaren Geisteszustände zurück