Meinungen einer vornehm erzogenen Dame hegte , sprach während einer Morgenunterhaltung ihm ebenfalls wieder ihre Überzeugung gegen ein Ehebündnis aus . Seine Seele war bekümmert und erschüttert . Auf der Seite der Gegner stand die Vernunft mit hundert Gründen in Reihe und Glied , und er war selbst ein zu ruhiger und besonnener Mann , als daß er nicht insgeheim mancher Stimme im feindlichen Lager beigefallen wäre . Das zerschnitt ihm aber das Herz , welches den beiden Liebenden mit Innigkeit zugetan war und sich schon an der Aussicht geweidet hatte , durch sie die Anschauung eines seltenen Glückes zu gewinnen . Indessen hatte er nur noch wenig Hoffnung darauf , denn er meinte auch wie jeder dritte Zeuge eines Verhältnisses , daß keine Leidenschaft den Angriffen des Verstandes auf die Länge gewachsen sei . So befürchtete er denn von der Herstellung Oswalds nichts als Einbuße , tiefes Leid und Zerstörung . Die schöne Clelia hatte übrigens beim Erwachen eine unerwartete Nachricht empfangen . Als sie nämlich in das Morgengewand geschlüpft war und sich nach ihrem Gemahle erkundigte , brachte ihr Fancy ein Billett von ihm , aus dem sie sah , daß er wirklich in der Nacht Extrapost genommen hatte und zum Besuche bei dem Oheim im Osnabrückschen abgereiset war . Das Billett sagte ihr das zärtlichste Lebewohl , sagte ihr , daß er ihren Morgenschlummer nicht habe stören wollen und sprach den empfundensten Wunsch aus , daß eine baldige Schlichtung der Verwirrung , wie sie sich dieselbe vorgenommen , die Dauer dieser ersten ihm so schmerzlichen Trennung abkürzen möge . Selbst eine Locke von seinem Haare hatte er beigelegt , Nachschrift über Nachschrift hinzugefügt und eine Stelle im Briefe bezeichnet , welcher von ihm ein Kuß aufgedrückt worden sei , wie er sagte . Nachdem die schöne Verlassene diesen Brief gelesen hatte , schwieg sie eine Zeitlang und sah das feine rosenrote Papier so an , als ob es die Absage einer Soirée bei dem Fürsten , wie er nun heißen mochte , enthalte , auf welche sich die ganze feine Welt Wiens schon seit vierzehn Tagen gefreut hatte . Fancy mußte sie erinnern , daß die Schokolade kalt werde ; sie versetzte , daß sie keinen Appetit habe und befahl dem Mädchen , die Tasse wegzutragen . Fancy gehorchte . Sie saß hierauf etwa eine Viertelstunde im Sofa und stützte das Haupt gedankenvoll auf den schönen Arm . Dann ging sie eine halbe Stunde im Zimmer auf und nieder und dann klingelte sie . Fancy kam . Ihre Gebieterin stand mitten im Zimmer und sagte zu der Jungfer , die zugleich Schatzmeisterin und Vertraute war : » Fancy , es freut mich , daß mein Mann so fest ist . Ich bin fest , er ist fest , dieses gegenseitige Festsein verbürgt mir eine geordnete Zukunft . Nichts Unangenehmeres als zwei Gatten , die einander mit weichen Nachgiebigkeiten quälen . Jeder muß seinen Willen haben und den durchzuführen wissen , dann findet man sich gegenseitig zurecht und es entsteht ein heiterer geregelter Lebensgang . Es freut mich , daß mein Mann abgereist ist . « » Warum sollten Sie sich auch darüber nicht freuen , gnädige Frau ? « erwiderte Fancy , die der Gebieterin nie widersprach . » Ich werde ungestörter , in größerer Ruhe meine Aufgabe hier lösen , die ich mir gestellt habe , so allein und für mich « , sagte Clelia . Fancy erwiderte hierauf nichts , sondern nickte nur zuversichtlich beistimmend mit dem Kopfe . - » Aber dennoch bleibt es auffallend « , fing die Baronesse nach einer Pause an , » daß mein Mann abreisen konnte . « » Auffallend bleibt es allerdings « , sagte Fancy . - » Unterhalte mich « , sprach Clelia . Fancy unterhielt hierauf die Gebieterin so gut sie konnte und erzählte ihr von allen Bekanntschaften , die sie rasch nach Art der Kammerjungfern im Städtchen gemacht hatte ; von der Frau des Steuereinnehmers , von der Tochter eines Assistenten und auch vom Küster , der ihr mit seiner barocken Weise aufgefallen war , und über den sie bei der und der Gelegenheit herzlich hatte lachen müssen , so komisch war sein Betragen gewesen . Der Stoff dieser Mitteilungen hatte sich noch lange nicht erschöpft , als die Dame sie unterbrach und sie um Gottes willen bat aufzuhören mit dem albernen Zeuge von Steuereinnehmerfrauen und Assistententöchtern und Küstern , denn sie habe entsetzliches Kopfweh . Fancy verstummte auf der Stelle , holte Kölnisches Wasser und rieb ihrer leidenden Herrin die Schläfe damit ein . - » Du bist ein gutes Mädchen , Fancy « , sagte Clelia sanft während dieser Mühwaltung zu der Dienerin , » aber sehr langweilig kannst du mitunter sein . « » Gnädige Frau « , antwortete Fancy schüchtern und doch mit einem gewissen Pathos , » all mein Verdienst ist , Ihnen treu zu sein und Ihnen zu gehorchen wie eine Sklavin . Unterhaltung kann freilich ein so beschränktes Mädchen , wie ich bin , nicht haben . « Clelia ließ sich darauf bei ihrem Vetter anmelden . Die Begrüßung beider Verwandten war sehr liebevoll , denn sie waren einander gut wie Bruder und Schwester . Dennoch empfand Clelia nach den ersten Reden einen gewissen Zwang , denn sie war sich ja geheimer Absichten gegen seine Wünsche bewußt . Sie kürzte daher den Besuch unter dem Vorwande , daß viel Sprechen ihm noch schädlich sein möchte , ab . Dann hatte sie die Unterredung mit dem Diakonus . Darauf wollte sie die Hausfrau sprechen , aber diese hatte in ihrer Wirtschaft die Hände voll zu tun . Sie verlangte daher nach dem Oberamtmanne . Der war jedoch auf dem Gerichte und sprach mit einem Beamten über Dienstsachen . Nun begehrte sie wieder den Diakonus zu sprechen , welcher sich indessen zu einer Synode hinbegeben hatte . Die Toilettenstunde war hierüber herangekommen , und diese gab nun einige Zerstreuung . Während Fancy das Haar ihrer Dame ordnete , erfuhr